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Klaus D. Grote 28.02.2015 12:00 Uhr - Aktualisiert 04.03.2015 19:41 Uhr
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Bis heute fordert der Krieg seine Opfer

Oranienburg (MZV) Der Film beginnt spektakulär. In Lehnitz explodiert eine 500-Kilogramm-Bombe. Die Sprengung war unvermeidlich. Sie zerstört das Gartenhaus von Guntram "Paule" Dietrich am Alten Hafen in Lehnitz. Weitere Gebäude werden in Mitleidenschaft gezogen. Ein benachbarter Bungalow wird später abgerissen. Die Kamera zeigt die Wucht der Bombe aus nächster Nähe. Ihr am stärksten getroffenes Opfer ist Paule.

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Ein Jahr nach der Explosion: Rick Minnich hat Paule Dietrich über zwölf Monate lang begleitet.

© Rick Minnich

Rick Minnich, amerikanischer Filmemacher aus Berlin, hat Dietrich zu einem seiner Protagonisten gemacht. In dem Dokumentarfilm "Bombenjäger - Oranienburgs schwieriges Erbe" erzählt er von der schweren Last des Zweiten Weltkriegs. Die Bombardierung vom 15. März 1945 galt der Rüstungsindustrie der Nationalsozialisten. Rund 300 Blindgänger liegen 70 Jahre später noch immer in Oranienburgs Boden. Die Sondierung des Untergrunds, die Entschärfung der Munition und hin und wieder eine herbeigeführte Explosion gehören zu Oranienburgs Alltag.

Für Rick Minnich sind sie der faszinierende Inhalt für einen spannenden Film geworden. Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren hat er in in der Stadt gedreht. In "Bombenjäger" zeigt er die gefährliche Arbeit der Leute vom Kampfmittelräumdienst. Zu einem Filmhelden wird auch Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke. Minnich präsentiert ihn als eine Art modernen Don Quichote, der nicht müde wird, gegen die Bürokratie-Windmühlen der Bundesrepublik zu kämpfen - für mehr Unterstützung der Stadt bei der Entschärfung ihres explosiven Erbes.

Diese durchaus schwere und immer gefährlicher werdene Last beschreibt Laesicke durchaus mit einer gewissen Heiterkeit. Oder ist es Optimismus? Klar ist, dass er längst nicht resigniert hat. Rick Minnich war der Bürgermeister auf Anhieb sympathisch. Er traf ihn zum ersten Mal, als im Lindenring eine Bombe gesprengt wurde. Vor dem Bombenkrater stehend, muss Laesicke nicht weiter dramatisieren. Die Folgen der Kriegslast sind unübersehbar.

Dass diese Last immer gefährlicher wird, erklärt Sprengmeister Horst Reinhardt, präzise und verständlich zugleich. "Wie in der Sendung mit der Maus", sagt Minnich, der auf diese Szene besonders stolz ist. Bei einer kleinen Vorabpremiere vor wenigen Wochen in San Francisco seien seine amerikanischen Freunde begeistert gewesen, sagt Minnich. Kommenden Dienstag läuft der Film dann vor großem Publikum. Im Oranienburger Filmpalast wird die 45-minütige Fernsehfassung ab 20 Uhr gezeigt, anschließend darüber diskutiert. Freie Plätze gibt es im Kino praktisch kaum noch. Der RBB als Co-Produzent zeigt den Film dann am 10. März um 21 Uhr. Minnich hofft, dass seine mit viel Arbeit und Leidenschaft entstandene Dokumentation auch in anderen Ländern und auf einigen Festivals gezeigt wird. Er arbeitet noch an einer englischen Fassung, die acht Minuten länger ist.

Als Amerikaner war Rick Minnich an der Bombenproblematik in Deutschland interessiert, seit er 1990 nach Berlin kam. 2013 fuhr Minnich spontan mit dem Fahrrad zu einer Bombenentschärfung am Berliner Hauptbahnhof, nachdem er in den Radionachrichten davon gehört hatte. Ein paar Tage später berichtete ihm der Deutschlandkorrespondent der britischen "Times" vom Oranienburger Bürgermeister. Den müsse er treffen. Als er im Radio von der Bombensprengung am Lindenring hörte, setzte sich Minnich in die S-Bahn und startete die Dreharbeiten zu seinem Film "Bombenjäger".

Für das explosive Erbe sieht der 46-jährige Minnich auch die Verantwortung Amerikas. "Mein Opa gehörte zu der Generation der Piloten in den Bombern", sagt der Kalifornier, der mit einer Potsdamerin verheiratet ist und mit fünf Kindern im Prenzlauer Berg lebt. Einen dieser Piloten hat er gesprochen. Das Interview ist aufschlussreich und beklemmend zugleich. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Dinger noch hochgehen", sagt der Pilot.

Nicht zuletzt durch diese Einschätzung wird der Film auch zu einem Plädoyer gegen den Krieg. "Kriege lösen keine Probleme, sie schaffen nur neue", sagt Minnich. Zum Ende des Film wird schließlich deutlich, dass Paule Dietrich nicht das letzte Opfer war. Auch sein Nachbar lebt auf einer tickenden Bombe.

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