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Doris Steinkraus 02.03.2015 23:32 Uhr
Red. Seelow, seelow-red@moz.de

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Kita-Erziehung im Wandel

Seelow (MOZ) Zum 10. Mal wurden Erzieher aus ganz Ostbrandenburg zum Bildungstag evangelischer Kitas eingeladen. Gastgeber war in diesem Jahr die Kita "Arche Noah" in Seelow. Mehr als 60 Erzieher und Erzieherinnen kamen.

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Hatte viele Fragen zu beantworten: Prof. Malte Mienert (stehend) gestaltete den Fortbildungstag für Kita-Erzieher in der Seelower "Arche Noah ....

© Johann Müller

Sind Kinder heute einfach nur frech, wenn sie dazwischen schwatzen, wenn sie vor Übermut auch mal Schaden anrichten, ihren kleinen Kopf durchsetzen wollen oder wenn sie sich nicht an Gruppenaufgaben halten? "Wir empfinden es oft so", erklärt Malte Mienert. Der promovierte Wissenschaftler mit Professur an der Europa Universität in Kerkrade (Niederlande) beantwortet die Fragen mit einem klaren "Nein". Bei der diesjährigen Fortbildungsveranstaltung geht es vor allem um die offene Arbeit in den Kitas.

Mienert, der in der DDR aufgewachsen ist, erinnert an Rahmenbedingungen bei der Erziehung, die für alle gleich waren. "Jeder sollte etwas von allem können. Das war damals richtig und hat niemandem geschadet", erklärt er. "Die Zeiten und gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich aber geändert. Das muss sich natürlich auch in der Kita-Erziehung widerspiegeln."

Die heutigen Erzieher seien fast alle in einem System aufgewachsen, das ihnen Zukunftssicherheit als späterem Arbeitnehmer versprach. Ziel sei es gewesen, allseits gebildete Persönlichkeiten zu erziehen, die vor allem in der Industrieproduktion ihren Mann stehen sollten. Heute jedoch brauche es immer weniger Industriearbeiter. Kinder müssten zeitig lernen, sich durchzukämpfen. Gefragt seien mehr und mehr Spezialisten. Die könnten sich jedoch nicht in einem einheitlichen Gruppenmanagement in den Kitas entwickeln.

Mienert nennt Beispiele: In der Gruppe ist angesagt, Schneemänner zu malen. Einige Kinder haben aber keine Lust dazu. Der eine möchte lieber mit den Klötzern basteln, baut sich sein Dorf. Die nächste verarztet Puppen. Zeigen sich da möglicherweise künftige Berufsbilder - Architekt, Maurer oder Pfleger? Man wisse es nicht, sollte solche individuellen Wünsche aber spüren und befördern, rät der Experte.

Auch das Thema soziale Kompetenz kommt zur Sprache. "Wir haben die im Kopf, die wir selbst erlernt haben", sagt er. Wenn wir die eins zu eins weitergeben, dann gäben wir unsere eigenen Werte weiter, aber nicht die, die heute nötig seien, um künftig bestehen zu können. Heranwachsende müssten damit umgehen können, dass sie mehrmals die Arbeit wechseln, dass sie wieder neu anfangen, dass sie scheitern. Mienert räumt ein, dass es mitunter schwer falle, Verhaltensweisen auszuhalten. Um so wichtiger sei es, die Kinder zu begleiten. A und O sei es, Folgen von Handeln deutlich zu machen. Er nennt wieder ein Beispiel: Marie spritzt im Waschraum wild herum. Soll die Erzieherin das unterbinden? Mienert lehnt das ab. "Was wir aber tun müssen: Wir müssen auch den Jüngsten die Folgen ihres Handelns deutlich machen. Wenn sie spritzen, dann haben sie dafür zu sorgen, dass es hinterher wieder trocken wird."

In einer Schule hatten Kinder ihre Butterbrote bewusst dicht am Fenster platziert, sodass die Sonne alles zum Schmelzen brachte und die Scheiben verschmierten. Die Bestrafung durch die Lehrer: die Schüler mussten zwölf Mal die Schulregeln abschreiben. "Wie viel sinnvoller wäre es gewesen, sie hätten die Kinder beauftragt, das wieder in Ordnung zu bringen", meint der Referent. Erziehung sei auch Schadensbewältigung.

Das Grummeln in den Stuhlreihen zeigt, dass man durchaus nicht einer Meinung ist. Doch Prof. Mienert bleibt dabei: Die längerfristigen Erziehungsziele müssten ganz obenan stehen.

Susanne Röllig-Silex, Leiterin der Seelower Einrichtung, sieht die Fortbildung auch als wichtiges Aha-Erlebnis, das die eigene Arbeit reflektiert. "Jeder, der diesen Beruf erlernt, muss sich fragen, ob er das kann, ob er den vielen verschiedenen Ansprüchen der heutigen Kinder gerecht wird", sagt sie. Der Tag ist für sie und ihre Kolleginnen vor allem Gelegenheit zum Austausch. Die Erzieher kommen aus allen Landesteilen, von Lobetal über Fürstenwalde bis Eisenhüttenstadt und Cottbus. Überall gibt es andere Erfahrungen. Der Fortbildungstag ermutigt sie, den Selbstbildungsprozess ihrer Schützlinge zu fördern, sie dabei behutsam zu begleiten und ihnen das Rüstzeug für Schule und späteren Beruf mitzugeben.

Bei jedem dieser Fortbildungstage - für die die entsendenden Träger Teilnehmerbeiträge zahlen - komme viel rüber, sieht es Joachim Damus. Er ist Fachberater für die kirchlichen Kitas im Land. Die Veranstaltung hat er mit dem Verband der evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder und dem Diakonischen Werk im Kirchenkreis Brandenburg vorbereitet. Er ist überzeugt, dass alle Teilnehmer viel von diesem Fortbildungstag in der Seelower Einrichtung, für die es viel Lob von den Kollegen gibt, für die tägliche Arbeit mitnehmen.

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