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Blues in neun Scheunen

Katja Schrader / 30.03.2015, 04:32 Uhr
Kremmen (kas) Wer in den zurückliegenden Tagen versucht hat, noch eine Karte für die neunte Kremmener Bluesnacht am Sonnabend zu ergattern, kam lange zu spät. Die Veranstaltung im Scheunenviertel ist seit vielen Jahren ein Selbstläufer. Etwa 800 Karten wurden wieder verkauft.

"Und wir wären noch einige mehr losgeworden", sagt Veranstalter Andreas Dalibor. Das gesamte Scheunenviertel ist am Sonnabend in eine besondere Atmosphäre gehüllt. Tiefe Bässe, Gitarren und starke Stimmen dringen von überall ins Dunkel. Neun Scheunen sind dabei. Die Besucher beginnen ihren Abend in einer der Scheunen, für die sie reserviert haben und können in der Pause den Ort wechseln.

In der Musikantenscheune ist kaum mehr ein Platz auf der Tanzfläche frei. Auf der Bühne heizt die Band Bluewater dem Publikum ein. "Wir machen Rock'n Blues", sagt Frontfrau Jenny Kallabis. Sie feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. "Das ist hier so eine schöne, ruhige und freundliche Atmosphäre", sagt die blondgelockte Frau mit der 70er-Sonnenbrille im Gesicht. Von Eric Clapton bis Janis Joplin gibt es eine breite musikalische Auswahl. Die Joplin ist die Frau in Jenny Kallabis Herzen. "Blues ist seit 40 Jahren mein Leben", sagt sie.

In der Scheune 29 spielt die Jaris Hering Blues Band. Auch dort lauschen viele im Stehen. Manch einer schließt die Augen. "Wenn es um richtigen Blues geht, muss man von seiner Heimat singen, von den Baumwollfeldern, von Halle an der Saale", so Sänger Joris Hering.

Herbert Wünsch, Pächter der Bauernscheune, sitzt am Eingang seines Restaurants und begrüßt jeden Gast. Er hat sich die Band "Die Zunft" eingeladen. Sie singt in deutscher Sprache. Texte zum Schmunzeln und Nachdenken, eingepackt in melancholische und aufwühlende Gitarrenklänge laden dazu ein, genauer hinzuhören.

Ein Stück Bluesgeschichte erleben die Besucher mit EB Davis and the Superband in der Bikerscheune. Der schwarze Sänger im Nadelstreifenanzug und dem weißen Hut hat eine Stimme, die man so schnell nicht vergisst. Davis, der 1945 in Elaine, einem Dorf im Arkansas Delta geboren wurde, ging mit 14 Jahren in die damals brodelnde Bluesmetropole Memphis, um dort bei Verwandten zu leben. Tagsüber hielt er sich mit Jobs über Wasser, nachts schummelte er sich in Clubs, um den Bluesmeistern zu lauschen. Sein Weg führte ihn über New York, wo er viele Jahre in Bands mit großen Bluesmusikern spielte, nach Europa. Uta Ließmann ist glücklich, an einem Tisch direkt vor der Bühne sitzen zu können. Mit Mann und Verwandten aus Rostock ist sie Stammgast bei der Bluesnacht. Auch die Rostocker wollen ohne die nicht mehr auskommen. Karten wurden schon vor Monaten gekauft. "Wir genießen diesen Abend sehr. Diese Atmosphäre findet man nirgendwo sonst", meint Birgit Neugebauer.

Im Theater "Tiefste Provinz" geht es ruhiger zu. Dort kommen die Fans des dunklen, dreckigen Blues auf ihre Kosten. Schon allein die Bühne bringt so manchen ins Träumen. Blues-Mann Bernd Rinser ist umgeben von vielen Gitarren, die in dieser Nacht zum Einsatz kommen. Theater-Chef Andreas Dalibor bedient die Technik.

Als er vor neun Jahren die erste Bluesnacht in seinem Theater veranstaltete, hätte er nie gedacht, dass sich die Sache so ausweiten würde. Zum Zehnjährigen im nächsten Jahr will auch die Spargelscheune mitmachen. Zudem wird ein Festzelt aufgestellt. Sonst bleibt alles, wie es ist. Wer dabei sein will, muss schnell sein. "Ab nächster Woche kann man sich Karten auf der Homepage der ,Tiefsten Provinz' online sichern", so Dalibor.

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