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Das Einmalige ist ein Dorn im Auge

Detlef Klementz / 31.03.2015, 17:56 Uhr
Strausberg (MOZ) Wie zuvor in den anderen Gremien hat die geplante Trägerschaft der Johanniter Unfallhilfe für einen Teil der neuen Kita Zwergenland am Montag auch im Hauptausschuss für viel Diskussionsstoff gesorgt.

Ring frei zur vierten Runde! Nach Bau-, Finanz- und Bildungsausschuss folgte am Donnerstagabend nun auch im Hauptausschuss eine teils harsch geführte Debatte zwischen Linkspolitikern auf der einen sowie Verwaltung, Johanniter, Kita-Leitung, übrige Ausschussmitglieder auf der anderen Seite über die neue Trägerschaft. Meinhard Tietz und Kerstin Kaiser (beide Linke) ließen sich von Fachgruppenleiterin Annett Pallarz auf den Wissensstand der anderen Ausschüsse bringen - zum Verdruss anderer Mitglieder. Vor allem Kerstin Kaiser als Vorsitzende des Gremiums wurde ihre Abwesenheit im Bildungsausschuss angekreidet. Dass sie zu der Zeit als Europa-Ausschussvorsitzende Brandenburg bei einem Kongress in Straßburg vertreten hatte, sagte sie erst später auf Nachfrage.

Dafür zeigte sie sich überrascht darüber, dass Lage bei den Kitas in kurzer Zeit so angespannt geworden sei. Vor einem knappen Jahr habe man das in der Verwaltung noch keinen entsprechenden Bedarf angemeldet; "Gut, dass man jetzt anders reagiert", setzte sie hinzu.

Parteigenosse Bernd Sachse wollte mehr zu den Modalitäten für die zwei Millionen Euro wissen, die die Johanniter als ihren Beitrag für ihren Flächenanteil am möglichen Kita-Neubau der Stadt vorschießen wollen. Das Geld werde ja nicht verschenkt, sondern müsse natürlich zurückgezahlt werden, so Sachse, der konkret nach Zeiträumen und Zinsen fragte.

Johanniter-Regionalvorstand Uwe Kleiner hielt sich bedeckt. Bevor nicht die Bereitschaft zur Zusammenarbeit vereinbart sei, könne er nicht über finanzielle Details reden. Auch in dieser Frage erhielten die Johanniter Rückendeckung von der Bürgermeisterin.

Sollten die Neubaupläne für die Kita Zwergenland gleich neben Horte wie vorgestellt umgesetzt werden, würde sich die Kapazität von derzeit 115 auf dann 200 Kinder erhöhen, von denen 80 in Johanniter-Trägerschaft betreut werden. Der Träger würde auch für maximal 15 Kinder Übernachtungsmöglichkeiten schaffen.

Dass Eltern zukünftig daraufzurückgreifen können, finden die Linken gut. Gar nicht gut finden sie den Umstand, "dass es ein einmaliges Angebot in der Stadt ist", wie Kerstin Kaiser ausführte. So hätten die Eltern nämlich keinerlei Wahlmöglichkeit. Ihr Vorschlag: die Johanniter-Einrichtung unter dem gemeinsamen Dach Zwergenland wird eine Regelkita und die kommunale Kita wird mit den Übernachtungsmöglichkeiten ausgestattet.

Aber das war auf der Sitzung des Hauptausschusses längst nicht der einzige Reibungspunkt. Einmal mehr ging es auch um Kirchenzugehörigkeit, Entlohnung und Arbeitsrechtsfragen. Als Uwe Kleiner bei Letzterem keine größeren Unterschiede zu kommunalen Arbeitgebern sah, las Kerstin Kaiser aus den Arbeitsvertragslinien der Johanniter den Halbsatz "dem Auftrag der Diakonie verpflichtet, das Evangelium Jesu Christi in Wort und Tat zu bezeugen". Uwe Kleiner unterbrach sie forsch, rief etwas von "schlecht vorbereitet" und "gilt nur für den Johanniterorden" in die Runde. Ihrer promten Entschuldigung folgte weit später eine Klarstellung. Ist doch der Geltungsbereich der Richtlinien auf den "Johanniterorden, seine Einrichtungen und Werke" ausgelegt. Uwe Kleiner räumte am Dienstag Fehler ein. Er sei "sehr emotional" gewesen und habe "nicht korrekt geantwortet", räumte er ein. Er habe aber nicht wieder alles auf die Religion konzentrieren wollen.

Derweil warben Andreas Fuchs (CDU), Wolfgang Winkelmann (UfW/Pro Strausberg) und Jürgen Schmitz erneut mit Nachdruck für die Kooperation. Ebenso Christel Kneppenberg (SPD), die aus den vielen Nachfragen der Linken "nicht nur Bedenken heraushörte, sondern auch Misstrauen."

Kerstin Kaiser hat inzwischen bei der Bürgermeisterin um Akteneinsicht zu dem gesamten Vorgang gebeten. Während sie sich enthielt, lehnten ihre drei Parteigenossen bei sechs Ja-Stimmen die Vorlage ab.

Kommentare

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C.Menzel 07.04.2015 - 23:21:08

Ehrenamt

Interessant, das : " Die Johanniter-Hilfsgemeinschaften sind das Ordenswerk, dass ausschließlich ehrenamtlich tätig ist. In ihm haben sich Damen und Herren zusammengefunden, um aus christlicher Nächstenliebe Menschen in Not selbstlos, spontan und in unterschiedlicher Weise zu helfen." Ob die Kitaerzieherinnen alle Ehrenamtlich arbeiten wollen? Was wird das Jobcenter dazu sagen, das die Kitaerzieherinnen nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, da sie ja 24h/Tag, 7Tage /Woche der JUH zu verfügung zu stehen haben. Werden die Kitaerzieherinnen Hilfe von ihren Orden bekommen oder auch noch zusätzlich staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen? Statt das die Johanniter Geld vom Staat nehmen, sollten sie doch ihren Mantel mit den Hilfebedürftigen teilen - naja, das war ja ein Katholik. Mit der Barmherzigkeit hatte es die evangelische Kirche gerade im 2.WK nicht, der grösste Teil, bis auf die BK, war den Faschisten Handlanger gewesen.

PETER M 07.04.2015 - 21:51:11

Warum Strausberg ausgerechnet zu Jahrfeier 2015 ein trojanisches Pferd braucht wird keine so lange Zeit brauchen wie bei den Trojanern.

Zur Weiterbildung der MOZ und einiger Stadtverordneter und warum ich die MOZ nur auf der Sparkasse lese oder im Treffpunkt. http://www.johanniter.de/die-johanniter/johanniterorden/ Die Grundlage der Existenz des Johanniterordens ist das Bekenntnis zu Jesus Christus. Ohne die geistliche Dimension wäre der Orden in der wechselvollen Geschichte in Vergessenheit geraten. Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Daher formuliert die Ordensregel: "Der Johanniter lässt sich rufen, wo die Not des Nächsten auf seine tätige Liebe und der Unglaube der Angefochtenen auf das Zeugnis seines Glaubens warten." Der Johanniter lässt sich von dem biblischen Satz aus dem Epheserbrief ermutigen: "Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen." Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Unter dem Management der Johanniter GmbH wird in Deutschland die Arbeit der stationären Johanniter-Einrichtungen gebündelt. Dazu gehören Krankenhäuser, Fach- und Rehabilitationskliniken sowie Medizinische Versorgungszentren. Zur Johanniter GmbH zählen ebenso Altenpflegeeinrichtungen. Johanniter Seniorenhäuser GmbH Die Johanniter Seniorenhäuser stehen als moderner kirchlicher Anbieter für ein „Mehr an Zuwendung“. Um Gesundheit und körperliches Wohlbefinden zu garantieren, orientieren sich alle Mitarbeiter der Johanniter bei der Pflege an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Doch Betreuung bedeutet für die Johanniter mehr als nur die Pflege und die Versorgung der Bewohner. Auslandshilfe Die Johanniter-Auslandshilfe ist weltweit in mehr als 20 Ländern tätig. Im Fokus ihrer Arbeit stehen Menschen, die aufgrund von großer Armut oder Naturkatastrophen, Kriegen und anderen Krisen in Not geraten sind. In ihrer Arbeit konzentriert sich die Johanniter-Auslandshilfe auf ihre Schwerpunkte: Basisgesundheit, Rehabilitation von Menschen mit Behinderung, Katastrophenhilfe und Katastrophenvorsorge. Johanniter Hilfsgemeinschaft Die Johanniter-Hilfsgemeinschaften wurden 1951 als Werk des Johanniterordens gegründet. Heute gibt es 81 Johanniter-Hilfsgemeinschaften, davon 69 in Deutschland, vier in Europa und 8 in Übersee mit insgesamt über 5.000 Mitgliedern.   Die Johanniter-Hilfsgemeinschaften sind das Ordenswerk, dass ausschließlich ehrenamtlich tätig ist. In ihm haben sich Damen und Herren zusammengefunden, um aus christlicher Nächstenliebe Menschen in Not selbstlos, spontan und in unterschiedlicher Weise zu helfen. Die Johanniter-Hilfsgemeinschaften wenden sich als örtliche Vereinigungen hilfsbedürftigen Menschen zu, in dem sie durch Einzelbetreuung helfen, seelischen Beistand leisten, wirtschaftliche Not lindern, Außenstehende aufnehmen, Gleichgesinnte zusammenführen und unter dem achtspitzigen Kreuz des Johanniterordens dienstbar sind. Herzlich Willkommen auf der Website der Johanniter-Schwesternschaft Der evangelischen Johanniter-Schwesternschaft gehören zur Zeit etwa 690 Frauen aus Pflege- und Gesundheitsberufen an. Die meisten von ihnen arbeiten in Häusern des Johanniter-Ordens - wo auch nicht der Schwesternschaft angehörende Mitarbeiterinnen tätig sind - viele aber auch in anderen kirchlichen, staatlichen oder privaten Einrichtungen. Was sie verbindet, ist die praktizierte Bereitschaft und Entschlossenheit, den Menschen als Geschöpf Gottes zu sehen und sein Recht auf personale Integrität anzuerkennen. Das gilt auch und ganz besonders dann, wenn er krank oder behindert ist. Dienstleister der Johanniter Johanniter Competence Center Als einer der führenden IT-Dienstleister in Deutschland möchten wir Ihnen auf den folgenden Seiten einen Überblick über unsere Services geben. Über unsere Kernkompetenzen mit Kundenservice, IT-Servicemanagement, Projekt- und Beratungsleistungen sowie dem Strategischer Einkauf leisten wir seit mehr als 10 Jahren IT Unterstützung in Krankenhäusern, Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie Dienstleistungsunternehmen des Johanniter Verbundes und darüber hinaus. mehr Johanniter Service Gesellschaft Als zentraler Dienstleister im Johanniterverbund bieten wir sowohl für Einrichtungen des Johanniterordens (Alten- und Seniorenheime, Krankenhäuser usw.) als auch für externe Kunden alle Leistungen im Bereich des Facility Managements (Gebäudemanagement) an. mehr Ich empfehle ein wenig das Internet zu durchforsten, welches Johanniter Imperium nach dem Prinzip des ADAC sich hier unter Symbolen des Glaubens und der Nächstemliebe in Strausberg als Kaufleute etablieren wollen. P. Skrabania P.S. Es spricht doch nichts dagegen, wenn die Johanniter von der Stadt SRB den Kindergarten Zwergenland für Gelände und Bau 4,0Mio.€ investieren und ihren Glauben in ihren neuen Gemäuern ausüben. Es wird sich wohl problemlos das Gesamtvermögen der Johanniter feststellen lassen, um das trojanische Pferd „Johanniter“ weiterhin dort weiden zu lassen, wo das Grundgesetz zum Thema „Staat und Kirche“ nicht gilt.

C.Menzel 05.04.2015 - 23:21:11

Trennung von Staat und Kirche

Es geht hierbei nicht um Religionsfreiheit, die steht nicht zur Diskussion. Hier wird nur damit "Argumentiert" das es um Ablehnung der Religion geht. Es wird verheimlicht, das man sich mit dem Problem gar nicht richtig beschäftigt hat. Wer weiss denn schon, ausser einige bei den Linken und einige Gewerkschafter, das hier der Staat/Kommune und nur diese Geld geben? Geld kommt von der Kirche oder den Johannitern nicht. Das was von Kirche und Johannitern an Geld kommt, ist Steuergeld aus der Staatskasse, nicht aus der Kirchensteuer. Und dazu kommt, obwohl der Staat und die Eltern die Kita finanzieren, haben sie dann kein Mitspracherecht. Die Kirche hat nämlich ihr eigenes Recht - Kirchenrecht. Und man kann sich im Internet mal u.a. Gott hat hohe Nebenkosten ansehen, wie die Kirche mit ihren Angestellten verfährt. Das Betriebsverfassungsgesetz wird von der Kirche meistens nicht anerkannt, wenn die Eltern es nicht erzwingen. Es ist auch nicht so, das durch die Johanniter neue Kitaplätze entstehen, eher scheint es so, als ob hier neue verhindert werden. Mit einen Ausbau der Kita Juri-Gagarin würde man die zusätzlichen Plätze auch haben. Wenn dann die Kinter bei den Johannitern bekehrt werden, dann werden sich die Eltern umsehen. In meinem Bekanntenkreis habe ich einen ähnlichen Fall, wo es um die Einbeziehung in religiösen Glauben geht. Der Ärger ist also vorprogrammiert.

MUM 01.04.2015 - 15:53:32

Ich verstehe die Aufregung nicht

Für mich ist das eine Farce. Hier wird ohne sich umfassend in Kenntnis zu setzen abgelehnt wofür eigentlich die Linke steht. Nämlich Toleranz und Religionsfreiheit. Oder sind das nur Floskeln? Vorbehalte für neue Wege wird es immer geben. Aber Neugier sollte die Triebfeder des Fortschrittes sein. Auch das scheint ja nicht gewünscht. Geschickt versucht man das Angebot der Johanniter zur Übernachtung in die eigenen Pläne zu übernehmen. Weshalb muss erst ein Außenstehender solch ein Angebot machen um Aufzuwachen? Diese ganze Diskussion ist unwürdig, weil es hier um dringend benötigte Plätze für unsere Kinder geht. Es müssen endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden.

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