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Schülerfirma recycelt Stoffe für Sitzsäcke / Gymnasiasten als Gründer im Wirtschaftskurs

Versackt und zugenäht

Wirtschaftsunterricht in der Praxis: Rocco Freiberger (l.), Philip Steinert (r.) und Tim Schütter versprechen sich von ihrer Schülerfirma maximale Gewinne auch an Erfahrungen.
Wirtschaftsunterricht in der Praxis: Rocco Freiberger (l.), Philip Steinert (r.) und Tim Schütter versprechen sich von ihrer Schülerfirma maximale Gewinne auch an Erfahrungen. © Foto: Fabian Bretzke
Fabian Bretzke / 13.04.2015, 12:55 Uhr
Eberswalde (MOZ) Aufgewacht, Bücher beiseite und angepackt. Lasst uns die Wirtschaft ankurbeln. So lautet die Devise der zukünftigen Abiturienten am Eberswalder Oberstufenzentrum. Zwölf Zwölftklässler vom Beruflichen Gymnasium haben im Wirtschaftskurs "Versackt und zugenäht" gegründet.

Wie der Firmenname schon andeutet, beinhaltet die Geschäftsidee, guterhaltene Stoffe nachhaltig zu verwenden und sie als Sitzsäcke zu verkaufen. Handgemachte Spezialanfertigungen und verschiedene Angebote in Form, Größe und Farbe stehen dem Kunden zur Verfügung.

Wirtschaftslehrerin Heidrun Jablonski erklärt, worum es in ihrem Unterricht geht: "Ich versuche, mit dieser neuen Projektidee meinen Schülern die Lerninhalte im Fach Wirtschaftswissenschaften praxisbezogen zu vermitteln, auch wenn das eine große Verantwortung für mich und die Schüler bedeutet." Wichtig sei dabei die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen. Von der Buchhaltung über Marketing und Produktion bis hin zur Führungsposition sind alle Arbeitsfelder eines Unternehmens besetzt.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? Wie kann man am besten die Bilanz dokumentieren? Welche Marketingstrategie ist sinnvoll? Und wie organisiert man eine Hauptversammlung? Inhalte und Aufgaben, die die Schüler während ihrer dreijährigen schulischen Ausbildung im Fachbereich Wirtschaft theoretisch lernen und nun in die Praxis umsetzen sollen. Was sich am Anfang schwierig anhört und auch ist, ermöglicht ihnen wertvolle Erfahrungen rund um das wirtschaftliche Handeln und Denken, verspricht Lehrerin Jablonski.

Ihr Fach "Wirtschaft" nehmen die Jungunternehmer dabei offensichtlich sehr ernst. Durchschnittlich 15 Stunden im Monat investieren sie nach eigenen Angaben zusätzlich neben dem normalen Schulalltag in das Projekt. Am Ende als "zertifizierter Juniorunternehmer" ausgezeichnet zu werden und gute Noten zu erhalten, motiviert sie. Und nicht nur das: Es geht knallhart um Geld.

Inwieweit sich das unternehmerische Konzept von anderen abgrenzt, verdeutlicht der Eberswalder Schüler Rocco Freiberger (19) als Geschäftsführer: "Wir als junge, wirtschaftsfachorientierte Schüler sind besonders hungrig darauf, unsere Fähigkeiten und kreative Einflüsse in die Praxis und somit in das Produkt umzusetzen." Rocco setzt dabei auf einen kooperativen Führungsstil. Er verspricht sich dadurch ein gutes Arbeitsklima zwischen allen Mitarbeitern.

Finanziell unterstützt wird das Geschäft von Anteilseignern und vom Sponsor Sparkasse. Dafür hat die Marketingabteilung gesorgt, zu der auch der 17-jährige Marvin Arndt aus Angermünde gehört. "Ich konnte viele Erfahrungen rund um den Vertrieb und die Veräußerung unseres Produktes sammeln", sagt er. "Vor allem ist mir jetzt bewusst, wie wichtig Absprachen zwischen allen Mitarbeitern sind."

Um den Bekanntheitsgrad zu steigern, entwarf die Firma eine eigene Internetseite, Flyer, das offizielle Logo. Dabei haben die Schüler erkannt, dass sie die Möglichkeiten von Facebook und Instagram weitaus vielseitiger als bisher gedacht nutzen können. Doch auch einem direkten Kontakt zum Kunden gehen die Jungunternehmer nicht aus dem Weg. Im Februar stellten sie ihre Firma auf der internationalen Schülerfirmenmesse in Berlin vor. Dadurch gewannen sie nicht nur neue Kunden, sondern auch an Erfahrung: "Durch solche Aktionen bin ich offener und selbstbewusster geworden", ergänzt Marvin.

Momentan legen die Firmengründer den vollen Fokus darauf, weitere Abnehmer zu finden. Dazu haben sie voraussichtlich bis Ende Mai Zeit. Dass es nach dem Kursende mit der Schülerfirma weitergeht, schließen die Macher von "Versackt und zugenäht" aber nicht aus.

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