Das Nachrichtenportal für Brandenburg

500 Deckel für Leben ohne Kinderlähmung

Björn Wiese (l.), Präsident des Eberswalder Rotary Clubs, und seine Mitstreiter haben die ersten Flaschenverschlüsse gesammelt.
Björn Wiese (l.), Präsident des Eberswalder Rotary Clubs, und seine Mitstreiter haben die ersten Flaschenverschlüsse gesammelt. © Foto: Sören Tetzlaff
Viola Petersson / 23.04.2015, 22:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Farbpalette der Abfallentsorgung in Eberswalde wird bunter. Zur grauen Hausmüll- und blauen Papiertonne sowie zum gelben Sack kommt eine orangefarbene Tonne. Und zwar für Flaschen-Deckel aus Polyethylen.

Platz muss für das neue Behältnis niemand auf seinem Grundstück schaffen. Eberswaldes einzige Deckel-Tonne steht beim Getränke-Händler Lehmann in Ostend. Die Sammlung der Kunststoff-Verschlüsse geht auf eine Initiative der Rotarier in Norddeutschland zurück. Der Eberswalder Club hat sich der Aktion angeschlossen. Unter dem Motto "Deckel gegen Polio" rufen die Mitglieder die Eberswalder auf, bis zum 30. Juni möglichst viele Verschlüsse abzugeben. Mit dem Verkauf der Deckel an Recyclingunternehmen finanzieren die Rotary-Clubs Polio-Impfungen in Ländern der Dritten Welt bzw. in Krisenregionen.

"500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung" ist auf der orangefarbenen Tonne zu lesen. Dr. Stefan Gurske, Allgemeinmediziner sowie Mitglied des Eberswalder Rotary Clubs, erklärt: "Mit 500 Deckeln können wir eine lebenswichtige Impfung bezahlen." Ein Kunststoff-Deckel wiegt zwei Gramm. 500 Verschlüsse ergeben also etwa ein Kilogramm, der Erlös deckt die Kosten einer Impfung. In Westeuropa gilt Kinderlähmung (Poliomyelitis), kurz Polio genannt, im Prinzip als "ausgerottet". Dies treffe auch für Deutschland zu. Gleichwohl gehört die Polio-Impfung hierzulande noch zu den Standardimpfungen, also zu den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Denn: "Kinderlähmung ist noch immer nicht heilbar. Es gibt keine Behandlung", so Dr. Gurske. Die Impfung sei die einzige Möglichkeit der wirksamen Prävention.

Ein Problem sei Kinderlähmung vor allem in Afghanistan, Nigeria, Pakistan. Und aktuell in Syrien. Bereits seit Ende der 1970er Jahre engagieren sich Rotary Clubs weltweit im Kampf gegen Polio. Mit Erfolg. Millionen Kinder wurden seither geimpft. "Mit einer Impfung kann ein lebenslanger Schutz vor Polio erreicht werden", sagt der Arzt. Kinderlähmung sei eine hoch ansteckende Krankheit, die vor allem Kleinkinder befällt, aber auch Erwachsene. Das Virus verursache dauerhafte Lähmungen, die Infektion könne ebenso tödlich verlaufen.

"Wir werden darüber hinaus als Club die Aktion mit einer Spende unterstützen", kündigt Wolf-Henning von der Wense, designierter Präsident der Eberswalder Rotarier, an. Ungeachtet dessen hofft er, dass bis Ende Juni viele Deckel zusammenkommen. Indem die Eberswalder bei der Rückgabe von Wasser- oder Saftflaschen an der Freienwalder Straße einfach die Deckel abschrauben und in die Tonne werfen.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG