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Nur Teile einer Resolution verabschiedet

Bernauer Protest gegen Windräder im Wald

Sabine Rakitin / 05.06.2015, 20:30 Uhr
Bernau (MOZ) Die Stadtverordneten haben sich gegen Windkraftanlagen im Wald ausgesprochen. Sie folgten damit einem Antrag der Unabhängigen. Deren Ziel, die Landesregierung aufzufordern, die zehnfache Höhe eines Windrades als Abstandsregelung zur Wohnbebauung einzuführen, verfehlte die Fraktion allerdings.

Im Kreistag Barnim war BVB/Freie Wähler gescheitert. In anderen Landkreisen nicht. So hatte erst am Mittwoch dieser Woche Dahme-Spreewald die Resolution verabschiedet. Darauf wies Péter Vida nun die Bernauer Stadtverordneten hin. Er argumentierte mit den Schäden für Mensch, Tier und Umwelt, die die riesigen Anlagen verursachen und mit Zahlen: 120 Prozent des lokalen Energiebedarfs habe der Landkreis Barnim bereits vor drei Jahren gedeckt, führte Vida an. "Jetzt ist in den kommenden zehn Jahren in Brandenburg und damit auch im Barnim noch einmal eine Verdoppelung der Energieerzeugung durch Windkraftanlagen geplant".

Doch in der Bernauer Stadtverordnetenversammlung sitzen eine Reihe von Befürwortern der Energiewende. Christian Rehmer (Linke) ist einer von ihnen. "Wir wollen ein Mehr an erneuerbaren Energien", hielt er entgegen. Wenn die 10H-Abstandsregelung verwirklicht würde, blieben in Brandenburg kaum noch verwertbare Flächen für Windkraftanlagen übrig. Und auch was die Forderung, keine Windräder in Waldgebieten zuzulassen , anbelange, zeigte sich der Linke skeptisch: Da müsse man schon differenzieren, meinte er - zwischen hochwertigem und minderwertigem Wald. Der Liepnitzwald beispielsweise sei nur zu sechs Prozent reiner Buchenwald und zu 30 Prozent Mischwald.

Auch der Bündnisgrüne Thomas Dyhr plädierte für die Energiewende. Er stellte eine Flasche mit rotbraunem SpreeWasser auf den Tisch, dass er im Spreewald geschöpft hatte. "Das ist das Ergebnis des Braunkohletagebaus", kommentierte der Schönower vielsagend. Josef Keil (SPD) bemerkte: "Wer den Atomausstieg will, muss wissen, dass erneuerbare Energien teurer sind und mehr Belastungen mit sich bringen. Also weg mit diesem Resolutionspapier!"

Andreas Neue (BfB) war da ganz anderer Meinung. Er zog mit scharfen Worten gegen Windräder im Liepnitzwald zu Felde, sprach von "ökologischer Perversion", von "verlogener Grünenpolitik", von "Geldgier und Umweltfrevel". Inhaltlich ging Daniel Sauer (CDU) mit BfB konform. Es bleibe ja nicht nur bei den rund 250 Hektar für Windräder im Liepnitzwald. "Praktisch bedeutet das, es müssen Leitungen gebaut, Trassen angelegt werden. Das sind weitere gewaltige Eingriffe in die Natur und ein weit größerer Flächenverbrauch", stellte Sauer fest.

Als Detlef Maleuda (BfB) aus Birkholzaue schilderte, dass er in seinem Schlafzimmer kurz vor Mitternacht einen Lärmpegel von bis zu 68 Dezibel habe - verursacht von Windrädern in 1500 Meter Entfernung - schien es fast, als würde auch die 10H-Abstandsregelung von einer Mehrheit befürwortet. Doch das war dann doch nicht der Fall. So beschränkten sich die Bernauer auf den Protest gegen Windräder im Wald.

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Till 06.06.2015 - 13:19:14

@ alle

Ruhe im Karton per Verordnung geht gar nicht ! Nur man sollte die Themen auch nicht bund mischen, um den einen oder anderen unliebsamen Widersprecher mundtot zu machen. Zur Energiewende und den notwendigen Schlüssen hat sich Herr Kranz ja unwiderlegbar klar geäußert. Ein Konzept muss her und zwar ein transparentes. Nimmt man Zitate über Äußerungen von Bundesumweltministerin Dr. Hendrix ernst, so haben wir es mit einer Placebo-Operation zu tun beim Atomausstieg Deutschlands zu tun. Mit dem AUS der Atomkraftwerke in 2022 ist eben kein Importstop für Atomstrom aus dem Ausland verbunden. Aus gutem Grund ! Dann wäre es hier, folgte man den Amatueren der grünen Maschienenstürmerpartei und stellte auch noch die Kohlekraftwerke aus, sofort zappenduster. Was wir erleben ist eine gut getarnte OP am offenen Geldbeutel der Bürger ! Herausgenommen wird mit der Stromrechnung die s.g. EEG-Umlage (51% sind Strom- und Mehrwertsteuer) zu Gunsten der Sanierung des Staatshaushaltes und zu Lasten der Kaufkraft selbst der einkommensschwachen Bevölkerungsgruppe. Wir können ohne Atomstrom in Deutschland schon heute leben. Hilfreich wäre dazu ein von Kapitalinderessen befreites Umdenken auf allen Ebenen. Sparsamster Einsatz der heimischen Resourcen wäre ein weiteres Gebot der Stunde. Beispiele dafür: Schluss mit unnützem nächtlichen Lichtsmok auf den meisten Straßen, selbst kleinsten Dorfwegen. Schluss mit beleuchteten Reclametafeln usw. usf. Würden wir den Austausch der Stromfresser subventioniert gegen sparsame Technik für alle organisieren, was könnten wir für Effekte erzielen. Würden wir den Export von Strom und Sprit fressender Alttechnik aus der EU in die Entwicklungsländer unterbinden, was könnte die Menschheit erst sparen und wie sauber bliebe die Umwelt auch außerhalb von Deutschland. Würden wir die Deutschen Wälder ebenso sorgsam bewahren, wie es viele Grüne gern in anderen Erdteilen tun wollen, welch großer Beitrag zur CO2 Senke könnte hier geleistet werden. Und es gäbe viele noch bessere Beispiele zu nennen. Daher fangt bei Euch selbst an und denkt es in die Welt. Nur wer hier ins Reine kommt, der hat die moralische Legitimation es anderen zu sagen, wie´s gehen kann. Die Grünen haben diese Legitimation bei mir verspielt und die Roten sie durch fehlende Ehrlichkeit noch nicht zurückgewonnen. Der Umgang mit dem Liepnitzwald ist dafür ein gutes Beispiel. Hätte die Leiterin der Regionalplanung es nicht von Beginn an besser wissen müssen, dass es sich um keinen beliebig entbehrlichen Wald hierbei handelt? Sie war doch zu diesem Zeitpunkt Vorstandsmitglied im Förderverein des Naturpark Barnim ? Wir hätten nicht die zur Nachweisführung im Kampf gegen die Ausweisung eines WEG Wandlitz aufgebrachten vielen tausend Euro an Steuer- und privatem Geld nicht verschwendet werden müssen. Hinterfragen wir daher die Qualitäten derer, die zukünftig in die Gremien gewählt oder delegiert werden und ebenso die der Führung der Reginalen Planungsstelle. Ein Parteibuch sollte dabei nachrangig sein. Es sollte allein auf die fachliche und moralische Kompetenz sowie parteipolitische Unabhängigkeit ankommen.

Klaus Dürr 06.06.2015 - 10:59:58

BTW: Grüne

Wann arbeiten die fast ausschließlich von ehemaligen West-Kadern dominierten Barnimer Grünen eigentlich die pädophile Vergangenheit ihrer Partei auf? Fühlt man sich in Brandenburg sicher, weil man meint, nicht betroffen zu sein? Was ist mit einer eindeutigen Stellungnahme dieser Partei? Wer von den pädophilen Gründern dieser Partei ist in Brandenburg untergeschlüpft?

Thomas Laberbot 06.06.2015 - 10:53:32

Kohlköpfe

Das Problem in der Bernauer SVV sind die vielen Kohlköpfe, die jenseits jeder Fachkenntnis an den Bedürfnissen der Bernauer vorbei "ihr Ding" durchziehen. Das zeigt sich leider nicht nur bei dem irrsinnigen Beschluß zu Obst und Gemüse in der Blumenrabatte, sondern auch wieder beim Windkraftwahn. Aber die Grünen wollen uns ja auch seit Jahren einreden, dass der Müll im Gelben Sack wieder verwertet wird und im Strom aus der Steckdose gerantiert Ökostrom drin ist. Ruhe und Erholung im Wald, gar in der eigenen Wohnung durch die 10H- Regelung? Fehlanzeige. Es geht um die persönliche Profilierung solcher "Fachkräfte" wie Dyhr oder Keil von der SPD.

stefan kranz 06.06.2015 - 10:47:38

Es fehlen Konzepte zur Entwicklung der erneuerbaren Energien bundesweit

Das Thema " Erneuerbare Energie" ist für mich wieder ein Beispiel, wie brandaktuelle Themen, deren Lösung Fachkompetenz erfordern, zum politischen Spielball werden. Wir haben nur diese eine Erde, auf der wir als Menschen leben können. Ich bin auf jeden Fall, Technologien für erneuerbare Energien weiterzuentwickeln und einzusetzen - alle bisherigen Ressourcen wie Kohle, Gas und Erdöl gehen einmal zu Ende (mit und ohne Freakking), Atomenergie ist out - andererseits dürfen wir unsere unmittelbar Umwelt nicht nachhaltig zerstören und uns damit einer der wichtigsten Lebensqualitäten berauben. Deswegen bis ich konsequent für eine Ausgewogenheit in der Energiepolitik und nicht für Aktionismus - das ist das, was ich z.Zt. erlebe - ein beliebtes Thema in der politischen Auseinandersetzung. Wollen wir in brandenburger Wäldern genauso zu Werke gehen wie in den tropischen Regenwäldern und damit den regionalen Klimawandel verstärken? Wenn davon gesprochen wird, dass bei Ausschluß von Waldflächen weniger Flächen für Windkraftanlagen zur Verfügung stehen und diese dann noch näher heran an Wohnsiedlungen aufgesetllt werden sollen, dann sollte man vorrangig folgende Fragen beantworten: 1. in welchem Verhältnis lassen sich alte WKA durch hocheffizientere austauschen 2. wie wird sich der Bedarf von Energie aus WKA kurzfristig, mittelfristig und langfristig entwickeln Als Resumee: es muß ein Konzept her für die Entwicklung der erneuerbaren Energien - das vermisse ich (nicht nur in Brandenburg, sondern auch in Rheinland-Pfalz, wo die Thematik des Aufstellens von WKA in der Eifel gegenwärtig auf starken Widerstand stößt).

Christian Rehmer 06.06.2015 - 09:24:59

Linksfraktion gegen WKA im Liepnitzwald

Anmerkung: 30% Mischwald war nicht zutreffend. Diese Zahlen stammen aus der Stellungnahme der Stadtverwaltung zum WEG Wandlitz (Teilbereich Bernau): 6% Rotbuchenwälder, 45% Kiefer und Buche gemischt, reine Kiefer 30%. Zu Beginn meines Redebeitrages habe ich darauf hingewiesen, dass die Linksfraktion gegen WKA im Liepnitzwald ist. Der Artikel suggeriert, dass das anders sei. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ob man grundsätzlich gegen WKA im Wald sein muss, bat ich zu differenzieren (bspw. in artenarmen Kiefernreinbeständen). Aber dazu hat sich die SVV ja nun deutlich ablehnend geäußert.

E. Hoffmann 06.06.2015 - 04:12:11

Wann begreifen

die "Grünen" endlich, dass die Energiewende für die Braunkohle-Renaissance verantwortlich ist?? Wenn Herr Dyhr gegen rotbraunes Wasser in der Spree ist, dann sollte er gegen die Energiewende sein! Ansonsten sollen die Befürworteter der Energiewende bitte die Frage beantworten: woher soll der Strom denn kommen? Wind und PV liefern regelmäßig (auch europaweit) Null Energie, industrielle Speicher wird es in diesem Jahrhundert nicht geben, vor Gas aus Russland hat man Angst und Kohle ist "dreckig". Die - offizielle! - Antwort: Atomstrom aus den Nachbarländern. "Zur Sicherung der Energiewende" sagt dazu unserer Bundesregierung. Die Leitung durch die Ostsee zum neuen KKW in Kalingrad wird übrigens mit EU-Fördermitteln (unseren Steuergeldern) gebaut. Frankreich reibt sich ebenfalls die Hände. Trotz Rekordausbau in der Windkraft wurde real weniger Energie aus WEAs erzeugt als im Vorjahr. Der höherer Prozentwert liegt daran, dass wir gesamt weniger Energie verbraucht haben. Selbst Wind ist begrenzt und die tausenden WEAs in Deutschland tragen zur einer Temperaturerhöhung bei, da sie die Strömungen bremsen. Den Bürgern streut man mit "hohen" Produktionszahlen der "Erneuerbaren" Sand in den Augen. Dabei ist bei Strom der Verbrauch das ausschlaggebende Kriterium. In einer Planwirtschaft mit hohen Produktionszahlen zu prahlen ist nur noch peinlich. Wenn das so weiter geht, ist Deutschland bald eine Industriewüste und wir werden Energiewendeflüchtlinge werden. Und das alles für STROM, der nur einen geringen Anteil am ENERGIEverbrauch hat.

TILL 06.06.2015 - 01:00:52

@ C.Rehmer

Wissen ist Macht, Halbwissen bei Politiker weit verbreitet und keine Bagadelle, sondern gefaehrlich. Sie laufen Gefahrtil als Populist zu enden. Ehrenvoll waere es, wuerden Sie sich im Bauamt von Wandlitz schlau machen und danach Ihre Position und Abstimmungsverhalten berichtigen.

Egal 06.06.2015 - 00:17:27

Grüne

hatten früher mal Ideale.

Hans-Jürgen Klemm Sprecher BI "Hände weg vom Liepnitzwald" 05.06.2015 - 23:42:39

Paradox: Energiewende => Gesinnungswende => Politikverdrossenheit

Da votieren "Grüne" gegen ihre Ideale im Natur- und Landschaftsschutz und "Schwarze" setzen sich für mehr Umweltschutz ein. "Dunkel- und Halbrote " verraten nun gemeinsam ihre naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und die Wähler in gleicher Weise und nennen es "Beführwortung der Energiestrategie". Energiewende ist entzerrt von allen Glaubesgrundsätzen jedoch nichts weiter als: Haushaltssanierung über den Strompreis! Das ist die Realität und dafür bedurfte es keiner Steuererhöhung, sondern nur eines Erneuerbaren Energiegesetzes (EEG). Nimmt man den Namen beim Wortsinn, dann steht da, nur das Gesetz ist erneuerbar. Nimmt man es physikalisch korrekt, dann bleibt die Erkenntnis unverändert gültig das Energie nicht erneuerbar ist, sondern Arbeit verrichtet und als Wärmestrahlung endet. Was aber bewirkt das EEG wirklich? > Zerstrittene Dorfgemeinschaften. > Radioaktiv strahlende Landschaften (Mongolei) bei der Rohstoffgewinnung für die Permanentmagneten aus Neodym für getriebelose Windkraftwerke. > Höherer statt sinkender CO2 Ausstoss durch schwankende Auslastung der Schattenkraftwerke für die Grundlaststabilität im Netz und diese Bilanz wird mit jeder neuen WKA schlimmer. > Verlorene Kaufkraft selbst bei den Ärmsten in der Bevölkerung durch höhere Strompreise (rd. 300 €/a/Haushalt). > Zerstörte Landschaften und Waldflächen querbeet. > Auch längerfristig keine Gewährleistung einer stabilen Stromversorgung, sondern höhere Risicken durch Zappelstrom im Netz. > Massenhaft getötete Vögel, Fledermäuse sowohl an Land als auch auf See selbst bei streng geschützten Arten. > Zunehmend lärmgeschädigte kranke Anwohner. > Vertrauensverlust vor allem im ländlichen Raum in die handelnden Parteien. > Gefährdung der Leistungskraft des Industriestandortes Deutschland. > Kapitalentzug für sinnvolle soziale und wirtschaftliche Investitionen. Und noch was : Nicht nur Rotbuchenwald ist schützenswert! Jeder Mischwald hat eine noch höhere Biodiversität und selbst reine Nadelbestände bieten einen hochwertigen Lebensraum für Tiere. Alles Erkenntnisse, die in Ermangelung von Heimatverbundenheit im folgenden zu falschen Schlüssen und Entscheidungen führen.

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