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Die Brücke auf der B 158 bleibt

Heike Stachowiak / 13.06.2015, 05:33 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Die Würfel sind gefallen. Mit knapper Mehrheit haben sich die Stadtverordneten am Donnerstag gegen den Abriss der Brücke auf der B 158 entschieden und damit wahrscheinlich den Verlust des Kurstadt-Status in Kauf genommen. Das letzte Wort spricht das Gesundheitsministerium.

Mit Spannung ist die Abstimmung über die erneut von Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos) eingebrachte Beschlussvorlage erwartet worden. Etliche Bürger, mehr als sonst bei Sitzungen des Parlaments, hatten im Gästebereich Platz genommen. Die Anspannung war den Abgeordneten und dem Bürgermeister anzusehen. Der Landesfachbeirat für Kurorte und Heilbäder hatte im Vorfeld der Sitzung sehr deutlich gemacht, dass die Stadt die höchste Prädikatisierung "Moorheilbad" in Zukunft nur dann beibehalten kann, wenn unter anderem die Brücke auf der B 158 zurückgebaut wird. Der Beirat hatte den Stadtvätern vorgeworfen, jahrelang ihre Hausaufgaben nicht erledigt zu haben, und empfahl dem Gesundheitsministerium eine Aberkennung des Titels. Die Entscheidung ist bis Ende September ausgesetzt.

Bereits in der Einwohnerfragestunde, in der nur Bürgern der Stadt und der Ortsteile das Rederecht eingeräumt war, drehte sich fast alles nur um das seit Jahren immer wieder diskutierte Thema "Brückenabriss ja oder nein". Befürworter und Gegner schenkten sich nichts, appellierten vor der Abstimmung an die Verantwortung der Abgeordneten für die Bürger der Stadt. Dietmar Gramzow, ein vehementer Befürworter des Erhalts der Brücke, fürchtete bei einem möglichen Bau eines Kreisverkehrs um die Sicherheit der Kinder, Alten und Behinderten. Man setze sie einer Gefahr aus, die vorher nicht bestanden habe. Dass man auch ohne Kurstadt-Titel auskomme, das glaubte Elfgart Turowski aus Schiffmühle. Sie hatte kein Verständnis dafür, dass noch einmal über das Thema diskutiert werde, obwohl schon zweimal demokratisch entschieden worden sei, dass die Brücke erhalten werden solle.

Aus rein juristischer Sicht betrachtete Dirk Wiemer die "Brückendiskussion". Der Rechtsanwalt, der erst seit einem dreiviertel Jahr in der Stadt lebt, kam zu dem Schluss, dass bei einem Erhalt der Brücke der Status "Moorheilbad" weg sei. Und wenn der Status weg sei, gebe es keine Chance auf ein anderes der sieben Prädikate. Denn alle müssten der Auflage nach § 2 des Kurortegesetzes entsprechen.

Davon wenig beeindruckt zeigte sich Manfred Riedel. "Was nützt uns der Status? Mir persönlich würde es nicht weh tun, wenn er wegfällt", sagte er und stellte fest, dass die Stadtväter ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, nannte desolate Straßen und Gehwege, Häuser und Plätze.

Dass man sehr wohl vom Kurstadtstatus profitieren könnte, davon war Andreas Unterberger überzeugt. Er saniert mit seiner Frau das Schloss Neuenhagen und ist auf Touristen angewiesen. Er wie auch der 18-jährige Johannes Schubert aus Bad Freienwalde und Evelyn Faust aus Bralitz redeten den Abgeordneten ins Gewissen, für den Abriss der Brücke und damit für den Erhalt des Kurstadt-Status zu votieren.

Die Entscheidung lag nunmehr bei den Abgeordneten. Bürgermeister Ralf Lehmann erläuterte nochmals die mögliche Gesamtfinanzierung des Rückbaus der Brücke und der Neuordnung der Ortsdurchfahrt aus dem Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" unter der Maßgabe der Erweiterung des Sanierungsgebietes um den Bereich der Schlossparkambulanz. Und wie er legten auch die Abgeordneten erneut ihre Argumente für oder gegen einen Abriss auf den Tisch. Die meisten blieben bei ihren Standpunkten. Zu den wenigen, die ihre Meinung überdachten, gehörte Sybille Knospe (Die Linke). Anfangs sei sie für den Erhalt der Brücke gewesen. Sie fürchtete um zu hohe finanzielle Belastungen durch den Abriss. Doch sie habe sich überzeugen lassen, dass die Brücke, die für sie ein Missstand sei, weg müsse. Und dass der Kurstadt-Titel wichtig sei.

Nach mehr als zwei Stunden beantragte Detlev Wieland (SPD), die Debatte zu beenden. Und nach einer kurzen Pause hatten es die Stadtverordneten in der Hand. Es wurde öffentlich und namentlich abgestimmt. Am Ende votierten zehn Abgeordnete für den Abriss und elf dagegen. Eine Entscheidung, die Bad Freienwalde den Kurstadt-Titel kosten kann.

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Kamponari 18.06.2015 - 13:38:52

Es ist traurig...

...mit anzusehen, wie Bad Freienwalde konsequent gegen die Wand gefahren wird. Da werden in der Tat Übernachtungsmöglichkeiten und Tourismusangebote gefordert: Für wen denn? Der Kurbetrieb ist doch das, was Freienwalde am Laufen gehalten hat! Die Strassen sind FRW sind eine Katastrophe, die Geschäfte beliebig (schaut Euch mal Kurstädte in anderen Regionen an), die Gastronomie ist ein schlechter Scherz. Die Gestaltung der Innenstadt, vor allem zwischen den beiden Kirchen, ist nahezu grotesk. Man muss auch mal bedenken, wieviele Gelder durch den Verlust des Kurtitels flöten gehen. Alleine das Moorbad wird drastische Einbußen durch den Rückzug der gesetzlichen Krankenkassen zu verkraften haben. Theoretisch müsste man sich in hohem Maße auf Privatpatienten versteifen, und welcher Privatpatient geht freiwillig in ein runtergewirtschaftetes Kaff wie Freienwalde: Gehen Privatpatienten oder Touristen denn gerne bei KIK oder NKD einkaufen? Und was essen Touristen und Privatpatienten gerne? Döner von Ali? Bin vielleicht nicht objektiv, aber zumindest stinksauer!

Enno 15.06.2015 - 22:10:24

@Gerdiling

Auch demokratische Entscheidungen können falsch sein.

E.Zander 15.06.2015 - 21:37:10

Nebenbei

In Polen wurdenund werden mit EU geldern ganz andere neue Brücken und Straßen gebaut. Und es geht dort ganz andrs vorwärts.

Gerdiling 15.06.2015 - 21:33:26

Vernünftig

Das war und ist eine demokratische Entscheidung. Punkt.

Matthias Berntsen 15.06.2015 - 16:34:59

Ba(l)d Brückenwalde

Schade. Schade um diese Stadt mit seinem Potenzial und schade um den schönen Kurstadt-Titel. Vorsicht Ironie: Vielleicht könnte man ja auch richtig konsequent sein und sich in Brückenwalde umbenennen...

Bad Freienwalder Neubürger 15.06.2015 - 07:40:27

Herr Ewald Wenk

bis sie diese Brücke begrünen können müssen sie schon noch warten bis Polen den Euro bekommt. Bis es soweit ist wird sie abgerissen und auf alten Pfeilern in ebensolcher Schönheit und ausschließlich für den Autoverkehr wieder errichtet und dass mit den Steuergroschen (auch der Bad Freienwalder Steuerzahler) und dem wahrscheinlichen Verlust des Kurortstatustitels. Loben sie die Stadtverordneten auch dafür?

Bad Freienwalder Neubürger 15.06.2015 - 07:29:42

Augen auf DDR bevor man etwas kommentiert

Wie blind muss man sein um so einen Kommentar zu verfassen?

Freienwalder seit 1987 14.06.2015 - 19:39:57

AW: Ein Lob den .....

An einer einmal gefassten Meinung unter allen Umständen festhalten nennt man auch Starrsinn und der Abriss der Brücke wäre keine Zerstörung sondern eine Veränderung im Sinne einer schöneren Stadt. Über schöne Autobahnbrücken in Siedlungsgebieten ließe sich sicher streiten. Schade für Bad Freienwalde dass es so gelaufen ist ..

Ewald Wenck 14.06.2015 - 16:35:26

Ein Lob den Stadtverordneten!

Richtig entschieden und an der gebildeten Meinung (außer die K´Linken) festgehalten. Doch bitte lasst die Brücke nicht so stehen. Begrünung ist angesagt und dabei werden euch die Gärtner und die Grünen sicher beratungsweise zur Verfügung stehen. Wie schön begrünte Autobahnbrücken gibt es in den alten Bundesländern. Mut zur Veränderung, nicht zum Vernichten!

Benno Koch 14.06.2015 - 11:27:56

Bemerkenswert ...

... wie sich eine Stadt mit weit mehr Potential selbst demontiert.

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