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Heike Weißapfel 24.06.2015 11:43 Uhr
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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In blühender Landschaft

Bergfelde (MZV) 1990 war der Bergfelder Grenzstreifen totes Land mit einem Wachturm darauf. 25 Jahre Jahre lang haben zwei Lehrer dafür gearbeitet, dass die Umgebung des Naturschutzturms der Deutschen Waldjugend grünt und blüht, dass Natur und Geschichte an diesem Ort gelehrt werden - ein Grund zum Feiern.

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Ihre Herzen schlagen für Schüler und die Umwelt: Die Biologielehrer Helga Garduhn und Marian Przybilla hoffen, dass sich auch künftig immer Jugendliche finden, die sich für die Natur und deren Schutz begeistern lassen.

© MZV

"Ja, ich würde das immer wieder machen", sagt Helga Garduhn sofort. Der Naturschutz hat der Biolehrerin schon am Herzen gelegen, bevor er sich 1974 an ihrer Schule, der Oranienburger Runge-EOS, unter dem Titel einer "Arbeitsgemeinschaft Sozialistische Landeskultur", in den Unterricht integrieren ließ. An ihren Zielen, Kindern und Jugendlichen die Natur nahezubringen, hat sich nichts geändert, und der Turm ist eben seit 25 Jahren der Ort, an dem aktiver Naturschutz gelebt wird.

"Ein Stück Führungsstelle", hieß der Wachturm auf dem Bergfelder Grenzstreifen damals im Militärjargon - Helga Garduhn und Marian Przybilla haben die Geschichte dieser freundlichen Übernahme schon oft erzählt. Vom 25. Juni 1990 datiert das Übergabe-Protokoll der Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik in Hennigsdorf an Helga Garduhn. Einige Zeit zuvor hatten sich die Hohen Neuendorferin und der West-Berliner kennengelernt. Sie hatte ihre Naturschutzgruppe "Ökokeki (Öko-Kellerkinder)" und war auf der Suche nach einer neuen Bleibe, er war mit der Deutschen Waldjugend unterwegs. "Die erste Zeit war sehr intensiv", sagt die 78-Jährige. Der ehemalige Wachturm war kaum mehr als ein Skelett, die Umgebung ödes Land. Um das zu glauben, braucht es inzwischen das "Beweisfoto", das 1992 auf dem kahlen Fleck aufgenommen worden ist: Es hängt in der "Geschichtsecke" des Turmgeländes und zeigt Helga Garduhn und Marian Przybilla im Gespräch.

"Nein, auf gar keinen Fall", sagt Marian Przybilla ebenso schnell - und überlegt dann doch. "Zumindest nicht aus der Sicht im Nachhinein, weil ich weiß, wie wahnsinnig viel Zeit das alles kostet." Fast täglich hat er sich ein Vierteljahrhundert lang mit dem Naturschutzturm beschäftigt, zunächst noch aus dem Süden Berlins anreisend, später als Bergfelder. Die Aktivitäten mit der Waldjugend, die Baumpflanzungen zu besonderen Anlässen, die Pflege der Wacholderhecke, die allabendlichen Kontrollgänge - zu tun ist immer was. "Ich bin froh, dass wir keinem starren Konzept gefolgt sind, sondern sich alles nach und nach entwickelt hat", sagt der 62-Jährige rückblickend.

Anfangs wurde innen ausgebaut, der Turm zu einem anheimelnden Aufenthaltsort gemacht. Jemand organisierte Steine zur Pflasterung des Weges und Zaunpfähle. Zehntausende junger Bäume wurden mit vielen Helfern in die Erde gesetzt. In heißen Sommern half die Freiwillige Feuerwehr schon mal beim Wässern der jungen Pflanzen, die Zusammenarbeit mit der Forstbehörde war gut. Den Brunnenbau nennt Helga Garduhn als wichtige Errungenschaft. Ein Öko-Klo (das erst kürzlich einer "normalen" Toilette Platz gemacht hat) kam hinzu, auch eine kleine Solaranlage auf dem Dach. Unter Denkmalschutz steht der Turm inzwischen auch.

Viele junge Helferinnen und Helfer sind in den Jahren gekommen und gegangen, Nachwuchs ist immer erwünscht. Leider sei auch den Eltern oft der Fußballverein oder der Geigenunterricht ihres Kindes wichtiger als dessen Beschäftigung mit der Umwelt - auch dann, wenn das Kind selbst Interesse zeigt, ist Przybillas Eindruck. "Wenn Schulklassen kommen, sind ja immer einige dabei, die begeistert sind." "Meine Lieblinge sind die Erst- bis Sechstklässler", sagt Helga Garduhn, während Przybilla viel ältere Schüler am Turm hat.

Naturschutzpreise und Bundesverdienstkreuze waren immerhin der Lohn ihrer Mühen. Heute sind der ehemalige Grenzturm und seine beiden Betreiber bekannte Größen in der ganzen Region und in Berlin. Beim Ultramarathon auf dem Mauerstreifen haben die Teilnehmer hier einen Anlaufpunkt - und manchmal kommt sogar das Fernsehen, um eine Reportage zu drehen.

Helga Garduhn und Marian Przybilla werden weiter Setzlinge pflanzen, Kindern vorbeiflitzende Eidechsen und großblättrigen Mangold zeigen, Jugendlichen anhand der vier Mauertoten von Hohen Neuendorf ein Gefühl für jüngere deutsche Geschichte vermitteln. Doch die Kräfte lassen nach. Vorsichtshalber haben sie die Weichen für die nächste Generation gestellt. Als Privateigentum haben sie ihren Turm sowieso nie betrachtet. Helga Garduhn hat ihren Teil kürzlich dem Verein der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Oberhavel überschrieben, Marian Przybilla seinen Teil dem Berliner Pendant der SDW geschenkt. Dass sich viele Mitglieder aus einer Bürgerinitiative gegen einen Straßenbau der SDW zugewendet haben und viel praktische Arbeit leisten, sehen beide positiv. Patenschaften mit Schulen und mit dem Hohen Neuendorfer Imkerverband wären gut, findet Marian Przybilla. Bei einem stärkeren Engagement der Stadt könnte beispielsweise auch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr angeboten werden. Solange sich Menschen finden, die den Wert von Wald und Flur erkennen und erhalten und auch die Geschichte weitertragen, ist Helga Garduhn und Marian Przybilla um die Zukunft ihres Turms nicht bange.

Gefeiert wird das Jubiläum am Sonnabend, 27. Juni, ab 15 Uhr. Ein Programm mit der Zeichnerin Elinor Weise und der Autorin Martina Rellin gibt es ab 16 Uhr, und ab 17 Uhr kann mit Eveline Prillwitz Merengue getanzt werden. "Planetão" spielt ab 18.30 Uhr brasilianische Musik.

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