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Simon Rayß 13.07.2015 20:50 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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15 Jahre alter Todesfall neu bewertet

Eberswalde (MOZ) Eine vom Brandenburger Innenministerium in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Schluss: Der gewaltsame Tod von Falko Lüdtke vor 15 Jahren ist eine politisch motivierte Tat mit rechtem Hintergrund gewesen. Welche Folgen wird das haben?

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24 "umstrittene Altfälle" seit 1990 hat das zur Universität Potsdam gehörende Moses-Mendelssohn-Zentrum in der jetzt veröffentlichten Studie untersucht. Seine Fragestellung: Sind die jeweiligen Toten Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt geworden? Acht Fälle ordnen die Fachleute der Gruppe "politisch motiviert, noch nicht erfasst" zu. Einer davon ist Falko Lüdtke.

Am 31. Mai 2000 hat der Punk und Anhänger der linken Szene den Rechten Mike Bä. zur Rede gestellt, warum der ein handtellergroßes Hakenkreuz auf seinem Hinterkopf zur Schau trägt. Nach einem längeren Disput - erst an einer Bushaltestelle im Brandenburgischen Viertel, dann im Bus und schließlich an der Haltestelle Spechthausener Straße - wird Mike Bä. schließlich übergriffig. Er versetzt Lüdtke mehrere Schläge, einen davon vor die Brust. Lüdtke kommt ins Taumeln, fällt vor ein heranfahrendes Taxi und stirbt wenig später an einem Lungenriss.

Mike Bä. wurde zunächst wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt, das Urteil jedoch in einem Revisionsverfahren auf fahrlässige Tötung und ein Jahr und acht Monate Haft abgemildert. Der Hergang ist nicht mehr strittig. Sehr wohl, aber die Einordnung der Tat.

Die Studie des Moses-Mendelssohn-Zentrums stellt in den damaligen Aussagen des Landgerichts Cottbus, das das Revisionsverfahren geleitet hat, Unstimmigkeiten fest: "Das Gericht beschäftigt sich zwar an vielen Stellen im Urteilstext recht ausführlich ... und abwägend mit dem Tatmotiv Bä.s. Die Argumentation wirkt jedoch widersprüchlich". Der Bericht findet Sätze darin, "die eigentlich nur als Kritik an Lüdtke interpretiert werden können". Und das, obwohl das Gericht in derselben Aussage zu dem Schluss kommt, dass Lüdtkes Handeln keine Provokation, sondern Zivilcourage darstelle. Auch in den Ermittlungsakten der Polizei entdecken die Verfasser der Studie Passagen mit "teilweise einseitiger wenn nicht sogar stigmatisierender Sichtweise".

Faktoren, die auch dazu beigetragen haben, dass Falko Lüdtke bisher nicht als Opfer rechter Gewalt geführt worden ist. Wie es aus dem Innenministerium heißt, wird der Fall - wie acht weitere aus der Studie auch - in die Statistik aufgenommen. Damit steige die Zahl der rechtsextrem motivierten Tötungsdelikte um neun auf 18. Keine Auswirkungen habe die Studie auf die Justiz: "In allen beleuchteten Fällen liegen rechtskräftige Urteile vor, die nicht mehr angegriffen werden können", sagt die stellvertretende Ministeriumssprecherin Susann Fischer.

Die Umbewertung hat in Eberswalde vorerst keine Folgen. Von der Pressestelle der Stadt heißt es, dass ein gesondertes Gedenken oder eine Gedenkstätte für Lüdtke nicht geplant seien. "Wir trauern um alle Opfer von Gewalt, egal ob rechte, linke oder sonstige Gewalt", erklärt Sozialdezernent Bellay Gatzlaff.

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