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Azubis des Kfz-Handwerks erhalten traditionell ihre Zeugnisse in der Angermünder Tatra-Galerie Riesebeck

Alte Technik begeistert junge Leute

Mit Muskelkraft: Kfz-Lehrlinge staunen in der Tatra-Galerie Riesebeck über ursprüngliche Automobiltechnik und dürfen auch selbst an der Kurbel der ältesten Modelle von 1931 drehen.
Mit Muskelkraft: Kfz-Lehrlinge staunen in der Tatra-Galerie Riesebeck über ursprüngliche Automobiltechnik und dürfen auch selbst an der Kurbel der ältesten Modelle von 1931 drehen. © Foto: MOZ
Daniela Windolff / 16.07.2015, 04:45 Uhr
Angermünde (MOZ) Zeugnisse gab es am Mittwoch nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrlinge. Auszubildende des Kfz-Handwerks erhalten traditionell ihr Zeugnis ganz zünftig zwischen Motoren, Chrom und Oldtimern in der Tatra-Galerie Riesebeck in Angermünde.

Stoßdämpfer, Kurbelwellen, Zahnriemen, das sind für die jungen Leute keine Fremdwörter, die fachsimpelnd und neugierig durch die Angermünder Autowerkstatt Riesebeck streifen und unter Motorhauben und Fahrzeugböden kriechen. Die Jugendlichen sind Auszubildende, die in der Berufsschule des Oberstufenzentrums Barnim und in verschiedenen Autohäusern und Werkstätten der Region Barnim und Uckermark den Beruf des Kfz-Mechatronikers lernen. Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass diese Lehrlinge zum Abschluss des Berufsschuljahres die Tatra-Galerie in Angermünde besuchen und dort feierlich ihre Zeugnisse erhalten.

Der leidenschaftliche Tatra-Restaurator Jürgen Riesebeck, viele Jahre lang Vorsitzender der Prüfungskommission im Kfz-Handwerk, konnte in diesem Jahr die Lehrlinge nicht mehr selbst begrüßen, er starb vor wenigen Tagen. Doch seine Frau Iris will diese Tradition und das einzige Tatramuseum Brandenburgs am Leben erhalten und empfängt die jungen Gäste in ihrer Werkstatt und Ausstellung. Fachlehrer Peter Wilhelm ist der Familie Riesebeck und dem traditionsreichen Kfz-Handwerksbetrieb schon seit 25 Jahren eng verbunden und nutzt gern die Möglichkeit, mit seinen Berufsschulklassen hier in Angermünde auf so spannende und anschauliche Weise zu den Ursprüngen des Automobilbaus zurückzukehren.

Jürgen Riesebeck, der 1981 die Wartburgwerkstatt seines Großvaters übernahm und nach der Wende als Opelwerkstatt und Autohaus führte, hatte sich mit Leib und Seele der Restaurierung betagter Tatras verschrieben und diese Leidenschaft nach seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben 2002 zu seinem Lebenswerk gemacht. Seitdem ist Angermünde zu einem gefragten Treffpunkt für Tatrafreunde aus aller Welt geworden. Beim Rundgang durch die Werkstätten und Fahrzeughallen spüren die jungen Gäste diese packende Faszination der Automobilgeschichte, dürfen Motorhauben öffnen, vergleichen die alten Konstruktionen mit ihren Erfahrungen moderner Autos, nehmen auf betagten weichen Ledersitzen Platz, staunen über das minimalistische Amaturenbrett ohne elektronische Raffinessen und Komfort und machen pausenlos Fotos von den blitzenden Raritäten, darunter das älteste Modell von 1931 sowie eines der letzten aus der Tatra-Produktion von 1996, der Prototyp des Tatra 700 mit der Fahrgestell-Nummer 001. Iris Riesebeck berichtet über die wechselvolle Geschichte des Tatrabaus und Fachlehrer Peter Wilhelm nutzt die Gelegenheit, auch am letzten Tag des Ausbildungsjahres Wissen seiner Schüler abzufordern. "Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, weil es bei vielen Jugendlichen an abrufbarem Wissen aus der Schulzeit mangelt", stellt Peter Wilhelm fest.

Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zum Mechatroniker, ein Kunstwort aus Mechaniker und Elektroniker, das es erst seit 2003 gibt. Nicht alle schaffen es im ersten Anlauf. Felix Henkel, der im Kia-Autohaus Angermünde lernt, sowie Sebastian Behrendt, Lehrling im 1a-Autoservice Barnim, können als Beste ihres Jahrgangs die Ausbildung vorzeitig beenden. Felix will im Anschluss Kfz-Technik auf Lehramt studieren. Sebastian hat einen Arbeitsvertrag in einem Autohaus in der Tasche. "Der Bedarf an Fachkräften ist da. Gute Leute haben keine Probleme, nach der Lehre Arbeit zu finden", betont Peter Wilhelm.

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