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Der Frust bleibt

Unermüdlicher Einsatz: Karin Friedrich gibt im Bürgerhaus "Alte Schmiede" regelmäßig Deutschstunden für die Flüchtlinge.
Unermüdlicher Einsatz: Karin Friedrich gibt im Bürgerhaus "Alte Schmiede" regelmäßig Deutschstunden für die Flüchtlinge. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Simon Rayß / 24.07.2015, 06:58 Uhr
Groß Schönebeck (MOZ) Die Mitglieder des Willkommensteams von Groß Schönebeck fühlen sich von der Politik allein gelassen. Ihren Frust haben sie vor zwei Monaten in einem Brief an die Landes- und an die Bundesregierung formuliert. Nun haben die ehrenamtlichen Helfer Antwort erhalten.

Die Briefe aus der Politik sind durchaus umfangreich ausgefallen. Drei Seiten haben sowohl die Brandenburger Staatskanzlei als auch das Bundesinnenministerium an das Willkommensteam von Groß Schönebeck geschrieben. Dennoch fällt das Urteil der Initiative ernüchternd aus. "Die Briefe sind absolut unbefriedigend", sagt der Sprecher der Gruppe, Rainer Klemke. "Es ist ja nett, dass sie unsere Arbeit loben. Der Frust bleibt aber."

Vor knapp zwei Monaten hat die Willkommensinitiative an Ministerpräsident Dietmar Woidke und an Bundesinnenminister Thomas de Maizière geschrieben. Der Grund: Trotz erster Erfolge in der Integration der gut 20 Flüchtlinge, die seit einem Vierteljahr in dem Schorfheider Ortsteil untergebracht sind, haben etliche von ihnen mittlerweile Nachricht darüber erhalten, dass sie Deutschland bald wieder verlassen müssen. Ihre Rückführung in das Land, über das sie in die Europäische Union eingereist sind, ist nur noch eine Frage der Zeit.

Auch Jürgen Vandersee, ein Mitarbeiter der Staatskanzlei in Potsdam, der im Namen von Woidke geantwortet hat, schreibt: "Nach geltendem EU-Recht sind die Staaten des Erstantrags dann für die Durchführung des Asylantrags zuständig und die Asylbewerber grundsätzlich verpflichtet, dorthin zurückzukehren."

Diese Regelung, Dublin-Verfahren genannt, führt zu Frustration aufseiten derer, die helfen wollen. Vor allem, wenn die Flüchtlinge bereits in Ortschaften in Brandenburg untergebracht werden, bevor überhaupt klar ist: Gibt es eine Chance auf einen längeren Aufenthalt in Deutschland oder nicht?

Ein Problem, das Michael Tetzlaff aus dem Bundesinnenministerium, der für de Maizière den Antwortbrief verfasst hat, ebenfalls erkennt: "In mehreren Ländern, auch in Brandenburg, werden die Asylsuchenden aufgrund der noch fehlenden Kapazitäten in den Erstaufnahmeeinrichtungen zu schnell in die Kommunen verteilt", schreibt er.

Tetzlaff sieht die Brandenburger Regierung in der Pflicht: "Die Länder müssen dafür Sorge tragen, dass genügend Kapazitäten in den Erstaufnahmeeinrichtungen vorhanden sind, damit nach Möglichkeit nur Schutzsuchende mit einer realistischen Bleibeperspektive auf die Kommunen verteilt werden."

Jürgen Vandersee von der Landesregierung stellt in seinem Schreiben einen Ausbau dieser Einrichtungen für die Erstaufnahme bis Ende 2016 in Aussicht. "Ziel ist es, den Aufenthalt und die Rückführung Asylsuchender ohne Bleibeperspektive binnen drei Monaten direkt aus der Erstunterbringung zu gewährleisten."

Pläne, die dem Willkommensteam momentan nicht weiterhelfen. Die Mitglieder organisieren Deutschunterricht und Handwerkskurse, sie fahren mit den Flüchtlingen zu Amtsterminen - und sehen die Früchte ihres ehrenamtlichen Einsatzes umgehend wieder zunichtegemacht. Ein Zustand, der es den Helfern erschwert, die Motivation aufrechtzuhalten.

Doch die Groß Schönebecker geben nicht auf: "Natürlich machen wir weiter", sagt Sprecher Rainer Klemke. "Für uns stehen die Menschen im Mittelpunkt, nicht die gesetzlichen Regelungen."

Die Gruppe lässt den Worten Taten folgen: Auf Betreiben des Willkommensteams können die Asylbewerber von Groß Schönebeck ab kommendem Wochenende auch einen eigenen Garten bewirtschaften. Die Familie Heusinger, die vor Ort regionale Produkte herstellt, verwandelt auf ihrem Gut mehr als 200 Quadratmeter Wiese in Ackerland. Ein weiterer Schritt, der den oftmals traumatisierten Schutzsuchenden helfen soll, sich in der Gemeinde Schorfheide ein wenig heimischer zu fühlen. Die Frage ist nur: Für wie lange?

Leserforum

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Frank 26.07.2015 - 21:35:26

Gutti

ALT+0160

da oide koide 26.07.2015 - 20:45:40

Gutmensch 2, Sie sollten besser das Tipp-Ex von Ihrem Monitor wegwischen,

Ihr Blick wird klarer und Sie lesen das, was geschrieben steht, ohne viel Phantasie investieren zu müssen.

frank 26.07.2015 - 20:39:55

FRANK, ich dachte Sie kommen von selber drauf, was denn nun die Crux für den Troll ist.

Egal wie viele Postfächer Sie haben, egal wie viele Echt- oder Aliasnamen Sie für Ihre Postfächer haben, egal ob GMX oder nicht ... Was sagte schon Highlander "Es kann nur einen geben!"

Anton 26.07.2015 - 19:51:27

!!!

Die Presse ist für mich Druckerschwärze auf Papier. Otto Eduard Leopold Fürst von Bismarck

gutmensch 26.07.2015 - 19:26:24

@....

keine bange, ich werde trotzdem noch nazis, rassisten und antisemiten als solche benennen, wenn ich dieser meinung bin. wenn ihr euch dann beleidigt fuehlt, muesst ihr euer denken aendern. ganz einfach! uebrigens beleidigt ihr auch staendig, indem ihr menschen als fachkraefte, paedophile oder gutmenschen usw tituliert. also macht mal halblang ihr zartbesaiteten und ueberlegt mal ne runde, was ihr schon leuten hier an den kopf geknallt habt. aber wie immer, seid ihr zur selbstreflektion weniger faehig. ist halt einfacher mit dem finger auf andere zu zeigen... @moz, sorry fuer ot!

..,- 26.07.2015 - 19:10:06

ONLINE-Redaktion / Zum Thema kommentieren?

Wäre ja nicht schlecht, wenn es das Thema gäbe, über das wir, ich gebe zu, abweichend diskutieren. Wir sind mehr oder weniger per Zufall auf Eure Absichten gestoßen, über die man sicherlich diskutieren kann und diskutieren sollte. Solange es aber dieses Thema nicht gibt, solange kann es passieren, dass ein Thema wie dieses hier - im Grunde genommen ungewollt - missbraucht wird. Ist so, leider.

Frank 26.07.2015 - 18:54:42

Kommentare ohne Beleidigungen

Da bin ich beim Gutti auch gespannt.

.... 26.07.2015 - 18:34:46

Kommentare ohne Beleidigungen ...

... @Gutmensch ? ;-) ... nun wir werden sehen ...

gutmensch 26.07.2015 - 17:51:24

registrierung? gut so!

endlich koennen andere nicht mehr unter meinem namen trollen. unter mehreren pseudonymen zu kommentieren wird weiterhin moeglich sein, aber erschwert. einige muessen sich demnaechst wohl ein neues hobby suchen... :-D

Online-Redaktion 26.07.2015 - 17:47:51

Liebe Leser,

kommentieren Sie zur Abwechslung einfach mal zum Thema. Es ist schade, wenn wir immer wieder Kommentarstränge schließen müssen. Das ist besonders ärgerlich für Leute, die wirklich diskutieren wollen.

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