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Frank Groneberg 11.08.2015 04:58 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Radfahrerpension mit Geschichte

Frankfurt (Oder) (MOZ) Das Pumpenhaus in der Klingestraße wird schon bald zu neuem Leben erwachen. Eine Unternehmerin aus Polen hat das Baudenkmal gekauft und lässt es jetzt umbauen zu einer Radfahrerpension mit Restaurant und Strandbar. Die Baugenehmigung wurde bereits beantragt.

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Restauratorin und Investorin: Die Unternehmerin Alicja Kuberka steht vor den mehr als 100 Jahre alten Pumpen im alten Pumpenhaus an der Oder

© MOZ/Frank Groneberg

"Als ich dieses Haus zum ersten Mal gesehen habe, da habe ich mich sofort verliebt", schwärmt Alicja Kuberka. Denkmale aller Art sind die große Leidenschaft der Polin. In Warschau führt die promovierte Restauratorin und Konservatorin seit Jahren erfolgreich einen Restaurierungsbetrieb, in dem je nach Saison bis zu 50 Mitarbeiter Gebäude, Skulpturen, Gemälde, Stoffe, Bücher und andere historisch wertvolle Dinge aufarbeiten. "Bisher habe ich nur für andere Auftraggeber gearbeitet", sagt sie, "dieses Haus wird mein erstes eigenes Denkmal, mein Schatz sein."

Dieses erste Denkmal ist das Pumpenhaus in der Klingestraße - ein malerischer Fachwerkbau direkt an der Oderpromenade. Errichtet wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Pumpstation mit integrierter Dienstwohnung. Das Pumpwerk diente dazu, bei Hochwasser einen Rückfluss der Oder in die Klinge zu verhindern. Dafür wurden drei elektrisch angetriebene Pumpen der Mannheimer Firma "Bopp & Reuter" eingebaut. Diese Pumpen, im Jahr 1910 installiert, waren bis 1997 regulär in Betrieb und funktionieren bis heute.

Vor drei Jahren hat Alicja Kuberka das von 1908 bis 1910 gebaute Haus von der Stadt gekauft. Warum? "Das Haus ist architektonisch wunderschön, die Technik beeindruckend", sagt die Restauratorin. "Das ist ein sehr gut erhaltenes Denkmal, das ich sanieren und es allen Frankfurtern und ihren Gästen zugänglich machen möchte."

Die sympathische Polin möchte das Baudenkmal aber nicht einfach nur sanieren, sondern auch einer Nutzung zuführen. Sie wird es umbauen zu einer Radfahrerpension mit Restaurant und einer großen Terrasse mit Strandbar. "Die vielen Radfahrer, die auf dem Oder-Neiße-Radweg unterwegs sind - das sind alles potenzielle Übernachtungsgäste", betont sie. Und die Lage an der Oderpromenade mit Beachvolleyballfeld und der nur 200 Meter entfernten Slipanlage sei ideal für einen Gastronomiebetrieb.

Sechs Pensionszimmer mit je zwei Betten und eigenem Bad werden im Obergeschoss, wo sich bisher die Dienstwohnung des Pumpenmeisters und Büros befanden, entstehen. Die Zimmer werden alle heutigen Ansprüchen genügen und dennoch Historie atmen lassen, denn: "Wir werden unsere Gäste zurückversetzen in die Zeit um 1910", sagt Alicja Kuberka. Das heißt, alles inklusive Einrichtung wird im Stil der Erbauungszeit gestaltet. Und auch Heizungen wird es vorerst nicht geben: "Wir starten zunächst als Saisonbetrieb von Frühjahr bis Herbst."

Ebenfalls im Obergeschoss wird eine Gemeinschaftsküche für die Pensionsgäste eingerichtet. Im Erdgeschoss entsteht das Restaurant. Und auch hier werden die Gäste die Geschichte des Hauses hautnah erleben können. Denn die historischen Pumpen, die sich in einer tieferen Ebene befinden, werden in das Restaurant eingebettet. Dafür wird die Technik mit einem transparenten Boden überbaut. "Unsere Gäste genießen dann den direkten Blick auf die imposanten Pumpen", blickt die Bauherrin voraus. Und die Elektromotoren, die auf der höheren Ebene stehen, würden ebenfalls in das Restaurantkonzept integriert.

"Schlichtes, aber gutes Essen", will die Restauratorin im Pumpenhaus anbieten. "Wir werden unsere Gäste aber nicht nur kulinarisch, sondern auch kulturell verwöhnen", verrät sie. Jazz- und Blueskonzerte, Ausstellungen bildender Künstler und anderes mehr seien längst in Planung, Kontakte zu diversen Künstlern bereits geknüpft. "Unser Haus wird auch ein Ort der Begegnung sein", so die 40-jährige Polin: "Für mich sind Frankfurt und Slubice eine Einheit - und hier am Oderufer ist ja nach der Stadtbrücke der nächste Platz, an dem sich die Menschen aus beiden Städten treffen können."

406 000 Euro wird Alicja Kuberka investieren. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg fördert diese Kosten zu 50 Prozent. In den vergangenen Monaten haben sie und ihre Mitarbeiter alle denkmaltechnischen Untersuchungen durchgeführt, die Originalfarben der Fassade und der Innenräume erforscht, die Dachbalken konserviert und Schimmelbefall in den Kellerräumen bekämpft. Jetzt könnten die Bauarbeiten beginnen. "Wir stehen in den Startlöchern", sagt die Unternehmerin. Ende April hat sie bei der Stadt die Baugenehmigung beantragt - nun wartet sie auf das Okay aus dem Rathaus.

Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September möchte die Investorin das Haus öffnen und auch erste Bauarbeiten vorstellen. Ende 2016 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Schon im Frühjahr 2016 will sie an der Oderpromenade die Terrasse mit Strandbar eröffnen.

Alicja Kuberka sucht Nachfahren des letzten Pumpenmeisters mit Namen Hirchert. Wer helfen kann, schreibt bitte eine E-Mail an frankfurt-red@moz.de.

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