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Braunkohlentagebau bescherte Grüneberg eine Orgel aus Groß Lübbenau

Ohne Luft kein Ton

Virtuoser Musiker und guter Erklärer: Wieland Meinhold erläuterte den Gästen den Aufbau der Grüneberger Orgel (kleines Bild) und wie schließlich durch die Luftströmung in den Pfeifen Töne entstehen.
Virtuoser Musiker und guter Erklärer: Wieland Meinhold erläuterte den Gästen den Aufbau der Grüneberger Orgel (kleines Bild) und wie schließlich durch die Luftströmung in den Pfeifen Töne entstehen. © Foto: MZV
Volkmar Ernst / 12.08.2015, 07:23 Uhr
Grüneberg (MZV) Dass er das Orgelspiel meisterlich beherrscht, hat Dr. Wieland Meinhold Montagabend gemeinsam mit seiner Frau Mirjam (Sopran und Flöte) beim Konzert in der Kirche zu Teschendorf als Duo Vimaris bewiesen.

"Prunk & und Herrlichkeit" war das Konzert betitelt, bei dem die beiden Baraockmusik von Georg Friedrich Händel vorstellten. Doch zuvor hatte Meinhold in die Dorfkirche zu Grüneberg eingeladen, um Interessierten die Funktionsweise einer Orgel vorzustellen - und dabei handelt es sich tatsächlich um ein gleich in zweierlei Hinsicht sehr interessantes Instrument.

Nach dem Krieg war das Grüneberger Gotteshaus nur noch eine Ruine. Das Dach war eingestürzt, nur die Mauern standen noch, im Inneren herrschte Ödnis. Vor allem der Initiative von Pfarrer Gerhard Gabriel und vieler freiwilliger Helfer ist es zu verdanken, dass die Grüneberger Dorfkirche wieder aufgebaut wurde.

An eine Orgel war gar nicht zu denken. Doch da kam den Grünebergern der Braunkohlentagebau sozusagen zu Hilfe. Denn für die Gewinnung der Kohle wurde auch ein Großteil des Dörfchens Groß Lübbenau inklusive Schloss und der Dorfkirche abgebaggert.

In der Kirche befand sich eine Orgel der Firma Schlag & Söhne aus Schweignitz im ehemaligen Ostbrandenburg. Da das Instrument nicht mehr gebraucht wurde, meldete Pfarrer Gabriel sein Interesse an und erhielt schließlich die Genehmigung, die Orgel nach Grüneberg umsetzen zu lassen. Nach zwei Jahren Aus- und Umbauzeit inklusive einer Reparatur durch die Firma Schuke konnte das Instrument schließlich am 20. Mai 1988 eingeweiht werden.

"Für eine Dorfkirche ein ganz passables Instrument", erklärt Wieland Meinhold. Immerhin sorgen 351 Pfeifen für den Klang der Orgel. Doch nur ein kleiner Teil davon ist zu sehen - die silbern glänzenden Orgelpfeifen über der Tastatur als Schmuck des Gehäuses. Wichtigste "Zutat", damit überhaupt ein Ton zu hören ist, ist der Blasebalg. Früher noch per Hand oder mit dem Fuß betätigt, hat heute ein elektrisch betriebener Motor die Dienste übernommen. Doch, auch wenn der Luftsack gefüllt ist, muss die Luft nun erst einmal zu den Pfeifen gelangen. Solange kein Register gezogen ist, kann der Organist die Tasten drücken, und dennoch passiert nichts. "In den Registern - das sind Holzstreifen - befinden sich Löcher. Die werden durch das Ziehen nun genau in die Position gebracht, dass die Luft auf Orgelpfeifen trifft", erklärt der Fachmann. Vom Spieltisch aus kann der Organist einzelne Pfeifenreihen verschiedener Tonhöhen und Klangfarben ein- oder ausschalten.

Die Pfeifen werden über eine oder mehrere Klaviaturen (Manuale genannt) oder das Pedal am Fußende angesteuert. Dabei wird der Druck auf die Tasten über eine Traktur mechanisch, pneumatisch oder auch elektrisch zu den Ventilen unter den Pfeifen geleitet.

Die Orgelpfeifen ihrerseits besitzen einen Hals und ein Gesicht mit Unterlippe, Mund und Oberlippe. Hier entsteht nun beim Entweichen der Luft der Ton. Manche Orgelpfeifen besitzen zudem ein Seitenbärtchen, durch das der Ton in Richtung Kirchenraum kanalisiert wird.

Je größer die Kirche und zahlungskräftiger die Gemeinde ist, umso mehr Pfeifen kann eine Orgel besitzen. Die in der Granseer Kirche hat 2 046 Pfeifen, die größte in Deutschland vorhandene Orgel in Passau immerhin 18 000 und die weltweit größte Orgel, die in New Jersey in den USA steht, sogar stattliche 70 000 Pfeifen.

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