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Staatsanwaltschaft vernichtete fristgerecht alle Unterlagen zum Fall des 18-jährigen Ingo L.

Ein Todesfall und viele Fragen

Martin Risken / 28.08.2015, 09:26 Uhr
Klein-Mutz (MZV) Der Fall des 18-jährigen Ingo L. vom 5. Januar 1992, der bei einem Besuch der damaligen Diskothek Wolfshöhe in Klein-Mutz unter bislang nicht eindeutig geklärten Umständen ums Leben kam, wird nicht neu aufgerollt werden können. Die Staatsanwaltschaft hat die Akten bereits fristgerecht vernichtet.

Ist Ingo L. an den Folgen eines Treppensturzes gestorben oder wurde er Opfer brutaler Gewalt von Skinheads? Wurde Ingo L. Opfer rechtsextremer Gewalt? Forscher des Moses-Mendelssohn-Zentrums in Potsdam haben sich im Auftrag der Landesregierung Gerichtsakten und Vernehmungsprotokolle angeschaut - soweit das überhaupt noch möglich war. Der fast 200 Seiten umfassende Bericht ist Ende Juni vorgestellt worden. Unterm Strich gibt es nun in der Statistik 18 Todesfälle rechter Gewalt, doppelt so viele wie vor dem Forschungsprojekt. Der Tod von Ingo L. gehört nicht dazu, obwohl Zeugenaussagen den Verdacht erhärtet hatten, dass der 18-Jährige von Skinheads getötet worden sein könnte. "Der Fall kann nicht beurteilt werden. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft sind die Akten, die eine Voraussetzung für die Überprüfung darstellen, bereits fristgerecht vernichtet worden." Und an anderer Stelle hießt es weiter: "Mindestens im Falle von L. sind die Akten offenbar bereits nach den Aussonderungsbestimmungen vernichtet worden, weil es sich um eine (schwere) Körperverletzung handelte." Eine Zuordnung, ob es sich um eine rechtsradikal motivierte Tat handelte oder nicht, sei daher nicht möglich gewesen.

Im damaligen Polizeibericht war von einer Auseinandersetzung die Rede, die für Ingo L. tödlich endete. Sogar einen Tatverdächtigen gab es. Oliver Z. soll ihm mehrere Fußtritte gegen den Kopf versetzt haben. Doch wegen fehlender Beweise kam es nicht zu einer Anklage. Der Hauptverdächtige - Oliver Z. aus Zehdenick - wurde nach drei Tagen aus der Untersuchungshaft entlassen. Nur zwei Jahre später wird das Geschehen in der Antwort auf eine Anfrage der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag anders dargestellt: "Nach Auskunft der Landesbehörde für Verfassungsschutz Brandenburg ist der Tod nicht auf die gewalttätigen Angriffe der Jugendlichen zurückzuführen." Nach dem Treppensturz hätten mehrere Jugendlichem, die der rechten Szene zugeordnet wurden, Ingo L. zu einem Auto begleitet. Als er die Jugendlichen beschimpft habe, schlugen sie auf ihn ein. Im Krankenhaus sei er dann verstorben. Sein Tod sei eindeutig auf Verletzungen zurückzuführen, die er sich beim Treppensturz zugezogen habe.

Auf nicht einmal anderthalb Seiten befasst sich der Bericht des Mendelssohn-Zentrums mit dem Fall. Die Angaben zu dem, was sich am 5. Januar 1992 vor oder in der Diskothek in Klein-Mutz abgespielt haben soll, beruhen ausschließlich auf Schilderungen von Manja Präkels. Was sie als Zeugin gesehen haben will, veröffentlichte sie im November 2013 in der Wochenzeitung "Jungle World". Mit Baseballschlägern bewaffnet, sei eine Horde Skinheads in die Diskothek gestürmt. Ingo L. sei Opfer der Auseinandersetzungen geworden. Er habe so schwere Verletzungen erlitten, dass er wenig später starb. "Ich war eine von 100 ZeugInnen des brutalen Überfalls. Daran erinnern kann und will sich bislang niemand, außer mir", so Präkels.

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