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Unverzichtbare Helfer

Symbol des Helfens: Das Holzkreuz wurde extra für das Jubiläum angefertigt.
Symbol des Helfens: Das Holzkreuz wurde extra für das Jubiläum angefertigt. © Foto: Marco Winkler
Marco Winkler / 13.09.2015, 22:52 Uhr
Ravensbrück (MZV) Seit 20 Jahren kommen junge Mitglieder des Kolpingwerks Diözesanverband Berlin regelmäßig in die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und bieten ihre helfenden Hände an. Sonnabend feierten sie das Jubiläum mit Führungen, Workcamps und Zeitzeugengesprächen.

Mit Haus "Nr. 18" fing 1995 in Ravensbrück alles an. Es sollte entkernt und für eine Sanierung vorbereitet werden. Nur, wer hilft? Die Kolpingjugend des katholischen Sozialverbandes bot sich an und leistete erstaunliche Arbeit. Sie beräumte eines der ehemaligen Wohnhäuser der SS-Aufseherinnen, entkernte den Dachstuhl und half so, das künftige Haus der Lagergemeinschaft freizuräumen. Fünf Tage dauerte der erste Einsatz. Im folgenden Jahr entfernten Jugendliche des Kolpingwerkes Trennwände im Keller des Hauses, beseitigten Putz, renovierten das Haus. 1997 konnte das nun als Begegnungsstätte für die Lagergemeinschaft genutzte Objekt übergeben werden. Seitdem engagiert sich die Kolpingjugend im ehemaligen Konzentrationslager.

"Vorwiegend schlagen wir Sichtschneisen frei, räumen Unrat weg und legen Wege frei", berichtet Daniel Buchholz, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Kolpingjugend, am Sonnabend. "Meist sind wir dafür draußen im Südgelände des ehemaligen Häftlingslagers." An die Anfänge erinnert er sich gut. "Wir mussten uns durch meterhohe Büsche mit der Kettensäge arbeiten." Heute sieht es dank jahrelangem Einsatz anders aus. "Es ist besser geworden, wir halten viel instand, übernehmen gartenpflegerische Arbeiten und sehen die Erfolge unseres Engagements."

2012 unterzeichnete das Kolpingwerk einen Kooperationsvertrag mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Das Kolpingwerk hat sich darin verpflichtet, mindestens einmal im Jahr ein Workcamp in Ravensbrück durchzuführen. "Meist sind wir zweimal im Jahr hier", so Daniel Buchholz. Die Wochenendeinsätze mit bis zu 25 Teilnehmern bestehen jedoch nicht nur aus wertvollen Aufräumarbeiten. "Es wird auch Inhalt vermittelt." Es gibt Führungen, Aufarbeitungen der Geschichte, intensive Beschäftigung mit der Vergangenheit.

Und während jüngere Teilnehmer, teils aus Polen und dem Kosovo, Wege freilegen und Mahnfelder von Unkraut befreien, haben ältere Mitglieder eine andere, ebenfalls bedeutsame Aufgabe. Sie erstellen Namenslisten im Archiv der Gedenkstätte. "Das ist für die Recherche von Angehörigen hier in Ravensbrück Ermordeter wichtig oder für Überlebende, wenn sie nach Zeugnissen ihrer Zeit im KZ suchen", so Daniel Buchholz. "Für die Geschichte des Ortes ist es eine wertvolle Arbeit."

Das weiß auch Gedenkstättenleiterin Dr. Insa Eschebach zu würdigen: "Ich kenne keine andere Gruppe, die mit so einer Zuverlässigkeit und auch Kontinuität sich für diesen Ort engagiert, und das ist schon eine große Besonderheit." Für Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestags, baut das Kolpingwerk mit seinem Einsatz "Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft." Das Einzigartige an dieser "gelebten Gedenkkultur" sei die Vielfalt der Aufgaben, die mit "nachhaltig wirkenden Ergebnissen" einher gehen, schreibt er in einem Grußwort. Am Sonnabend wurden nicht nur exklusive Führungen angeboten und "Schnupper-Workcamps" gegeben. Auf einem Markt konnte sich informiert und ausgetauscht werden. Die Zeitzeuginnen Charlotte Kroll und Ilse Heinrich, selbst in Ravensbrück, berichteten vom einstigen KZ, das jetzt Mahnstätte gegen das Vergessen ist - auch dank des Engagements der Kolpingjugend.

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