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Zustimmung und Kopfschütteln

Isegrim fühlt sich in Brandenburg wohl: Erste Begegnung der drei Jungwölfe Freya, Mista und Iskra mit den alteingesessenen Wölfen im Wolfsgehege des Eberswalder Zoos am11. September.
Isegrim fühlt sich in Brandenburg wohl: Erste Begegnung der drei Jungwölfe Freya, Mista und Iskra mit den alteingesessenen Wölfen im Wolfsgehege des Eberswalder Zoos am11. September. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Jörg Kühl / 14.09.2015, 19:43 Uhr
Rietz-Neuendorf (MOZ) In der Gemeinde Rietz-Neuendorf ist die Rückkehr des Wolfes eines der dominierenden Themen. Hintergrund ist eine Reihe von Rissen innerhalb von Wild- und Nutztiergehegen. Wie sehr das Raubtier das Publikum polarisiert, wurde bei einem Vortrag im Rathaus mit anschließender mit Diskussion deutlich.

Das Rathaus der Gemeinde Rietz-Neuendorf war von NABU-Wolfsbotschafterin Sonja Wallschlag ganz bewusst gewählt worden. Denn in der Bürgerschaft der Gemeinde brodelt es. Hintergrund ist eine Reihe von Wild- und Nutztierrissen in Pfaffendorf, Birkholz und Görzig seit dem Frühjahr. Besonders tragisch: In allen Fällen drangen die vierbeinigen Angreifer, mutmaßlich Wölfe, in umhegte Flächen ein und bedienten sich der in der Flucht eingeschränkten Tiere. In Görzig wurden sogar die beiden Herdenschutzhunde eines Schäfers angegriffen.

In ihrem einleitenden Vortrag über den Wolf im Allgemeinen und sein Comeback in Brandenburg im Speziellen, bestätigte Sonja Wallschlag, dass "canis lupus", so die lateinische Bezeichnung, in der Region angekommen ist. Brandenburgweit gehe man von sieben Rudeln und zwei Paaren aus. Das naheste nachgewiesene Rudel lebe in der Lieberoser Heide, dessen Existenz seit mehreren Jahren mit Fotofallen und anderen Maßnahmen belegt ist. "Es ist davon auszugehen, dass es auch zwischen Scharmützel- und Schwielochsee ein Rudel gibt". Die Wolfsbotschafterin gab zu, dass das Thema Wölfe und Nutztiere "ein heikles Thema" ist. Es gebe allerdings probate Mittel, sich vor Schäden an Nutztieren zu schützen. Als bauliche Maßnahmen nannte sie Elektrozäune und Dauerzäune mit mindestens 50 Zentimeter Unterwühlschutz. Darüberhinaus seien Herdenschutzhunde, in bestimmten Situationen auch Esel eine gute Abschreckung. Professionelle Tierhalter können für vorbeugenden Wolfsschutz Fördermittel beantragen, so eine weitere Botschaft der NABU-Frau. Für Tiere, die nachweislich vom Wolf gerissen wurden, können professionelle Tierhalter eine Entschädigung beim Land beantragen. Geprüft werde allerdings in jedem Einzelfall, ob der betroffene Betrieb im Vorfeld geeignete Präventions-Maßnahmen ergriffen hatte oder nicht.

Die Rückkehr des Wolfs sei vor allem aus ökologischen Gründen zu begrüßen, sagte die Wolfsbotschafterin. Wo der Wolf heimisch sei, verbessere sich nachweislich die Artenvielfalt. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Gesundheit der Wildbestände verbessert werde, weil Wölfe in freier Wildbahn schwache und kranke Tiere bevorzugt erbeuten. Dieser Argumentation konnten in der anschließenden Diskussion einige Teilnehmer folgen. Auch Bürgermeister Olaf Klempert heißt den Wolf in der Region willkommen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Tierhalter so geschützt seien, dass sie aufgrund des Wolfs keinen Schaden erleiden. Vor allem die professionellen Betriebe dürften durch die Rückkehr des Wolfs keinem Wettbewerbsnachteil ausgesetzt sein. "Es ist auch ein Zwiespalt zwischen dem Wolf als willkommenem Landschaftsgestalter und -erhalter auf der einen Seite und der gewachsenen Kulturlandschaft auf der anderen." Man dürfe den Wolf nicht durch die rosarote Brille betrachten.

Die Landwirte, die den Vortrag mit ernster Miene verfolgten, bezogen in der anschließenden Diskussion klar Stellung - gegen den Wolf. Lothar Schulze aus Görzig, der tragende Färsen (weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben) im Freien hält, glaubt nicht an die Vorteile der Wölfe. "Schade um die Fördergelder". Seiner Ansicht nach werde das Problem auf die Tierhalter und Jäger abgewälzt. "Wir Landwirte kennen viele Beispiele, dass Zäune nichts nützen." Selbst wenn die Zäune standhalten, würde der Wolf die Herden beunruhigen.

Für Jäger Bernd Hübner aus Görzig kommt der Wolf in der aktuellen Debatte zu harmlos weg. "Wir dürfen die potentielle Gefahr, die für Mensch und Tier ausgeht, nicht bagatellisieren." Einige Wildbestände in Brandenburg seien durch den Wolf bereits in Gefahr. So sei die Jägerschaft im Schlaubetal übereingekommen, bis auf Weiteres das Muffelwild zu schonen, um dessen Dezimierung durch den Wolf nicht noch zu beschleunigen. "Wir haben die Strecke (Pensum der zu erlegenden Tiere) von 30 auf sieben heruntergefahren, schießen jetzt nur noch alte Böcke oder erkennbar kranke Tiere."

Beratung Wolfsschutz/Förderung: Carina Vogel, Tel. 0152 22962604. Schadens-Hotline nach Übergriffen: Tel. 0172 5641700

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DIANA 18.09.2015 - 19:53:03

@tanz43

hier sollte man nur mit den Worten von Dieter Nuhr antworten : " Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten "

Tanz43 18.09.2015 - 19:35:27

Fakt ist

daß die Wölfe Konkurrenten für die zweifelhafte Rechtfertigung der Jäger für ihr millionenfaches Töten, aber zuvor schwer verletzen, sind! Dafür braucht man allein in Brandenburg 60 "Schweiß (Bluthunde)! Es juckt diese Sorte Mensch schon lange in den Fingern, endlich auch Wölfe schießenzu dürfen. (MOZ vor ein paar Jahren). Daß das Rehwild gar keine Schonzeit mehr hat, müßte denen doch zum TötenDürfen genügen! Wieviel Krieg und Leid und Terror durch Jäger wird in der heimischen Tierwelt ungehemmt ausgeübt. Was sind dagegen die ordnenden Lebensarten der Wölfe? Die Jägd sollte gänzlich verboten werden und die Wildschweine würden auch nicht in Gärten oder auf Fußballfelder kommen. A "einem Jungejäger", mit einem Rehkitz im hohen Gras. Welch ein kluger , scheuer Blick und darauf kann man schießen? Sind das Menschen im humanen Sinne?

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