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Fachbetrieb Sauer in Müllrose ist gut ausgelastet und wird jetzt mit der Montage einer sanierten Anlage in Mecklenburg beginnen

Orgelbauer freuen sich übers Wiedersehen

Aktive und ehemalige Orgelbauer: Michael Schulz, Gerhard Spallek, Peter Fräßdorf und Peter Dohne (v.l.).
Aktive und ehemalige Orgelbauer: Michael Schulz, Gerhard Spallek, Peter Fräßdorf und Peter Dohne (v.l.). © Foto: Ralf Loock
Ralf Loock / 29.09.2015, 06:28 Uhr
Müllrose (MOZ) Die Firma W. Sauer Orgelbau in Müllrose verfüge aktuell über eine gute "wirtschaftliche Auslastung", sagte jetzt Geschäftsführer Michael Schulz. Ab Montag werden die Monteure in Lübz (Mecklenburg) arbeiten, Mitte Oktober zusätzlich auch in Bralitz bei Bad Freienwalde.

Nachdem die Experten aus dem Oderland in diesem Jahr bereits den 40. Geburtstag der Sauer-Orgel in der russischen Stadt Jaroslawl haben feiern können, das Instrument war von ihnen jetzt auch komplett saniert worden, stand nun ein weiteres Jubiläum an: 40 Jahre Sauer-Orgel in der Frankfurter Konzerthalle.

Es war eine familiäre, gemütliche Stimmung in dem fast komplett belegten Saal - viele kannten sich, man kam zu einem freundlichen Gespräch zusammen und dabei wurde natürlich an die vergangenen Jahre erinnert. Früher - das war natürlich hauptsächlich die Einweihungsfeier im September 1975. "Die Frankfurter Orgel, die erste in unserer Republik, deren Entwicklung und Erhaltung in den Händen unseres Staates liegt, kann sich durchaus mit ihren ,Vorgängern' messen. Sie entspricht ihnen sowohl in der Größe als auch in der Qualität, bei ihrem Bau wurden jahrhundertealte Erfahrungen auf diesem Gebiet ebenso berücksichtigt wie neue technische Erkenntnisse", hatte Prof. Johannes-Ernst Köhler, der Orgel-Papst der DDR, damals in einem Interview im Neuen Tag erklärt. Er sprach noch ganz selbstverständlich davon, dass man sich um die Unterhaltung der Orgel kümmern werde. Doch die DDR gibt es nicht mehr und in Frankfurt gab es sogar Jahre, in denen sich Stadt und stadteigene Messe- und Veranstaltungs GmbH (MuV) darüber stritten, aus wessen Etat die Mittel für die Orgel genommen werden sollten.

Früher - das war auch die 30-Jahr-Feier des Instruments im Spätsommer 2005. Zur Eröffnung des Jubiläumskonzertes begrüßte die damalige Bürgermeisterin Katja Wolle die knapp 350 Besucher und besonders die anwesenden Orgelbauer. Auch Frankfurts Ex-Oberbürgermeister Fritz Krause, der die Einweihung als amtierendes Stadtoberhaupt erlebt hatte, dankte damals den Mitarbeitern der Firma Sauer. Er ist 2012 verstorben, aber immer noch unvergessen in der Stadt und auch beim Konzert im Jahr 2015 erinnerten sich Gäste durchaus wohlwollend an ihn.

In diesem Jahr aber waren die Musikfreunde unter sich, kein Vertreter der Rathaus-Führung ergriff das Wort, um einen Glückwunsch auszusprechen. Dafür nahm Rudolf Tiersch, Leiter der Singakademie, die Begrüßung vor und erinnerte an Orgelbauer Wilhelm Sauer, an die Bedeutung der Musikstadt Frankfurt und an den Betrieb Sauer.

Auf dem Programm des Konzertes standen unter anderem Werke von Franz Schubert, Carl Philipp Emanuel Bach und Modest Mussorgsky. Der Großen Chor der Singakademie wurde von Rudolf Tiersch geleitet, Alex Ilenko und Lutz M. Müller spielten die Orgel.

Natürlich hatte man auch eine kleine Geburtstagsüberraschung vorbereitet - alle Konzertbesucher, die freiwillig mitmachen wollten, konnten auf der Bühne zusammen mit dem Großen Chor den berühmten Gesang "Heilig, heilig, heilig! Heilig ist der Herr!" aus Schuberts Deutscher Messe anstimmen. 16 Freiwillige fanden sich - unter anderem kletterten Frankfurts ehemaliger Finanzdezernent Edmund Rost und der Stadtverordnete Josef Lenden auf die Bühne. Alle Sänger wurden mit viel Applaus belohnt.

Zwischen den Musikstücken wurde Orgelbaumeister Gerhard Spallek um eine Ansprache gebeten. Der 84-Jährige dankte einleitend Rudolf Tiersch und dessen Frau, denn ohne deren Engagement hätte es dieses Festkonzert nicht gegeben. Gerhard Spallek erinnerte daran, dass die heutige Konzerthalle vor mehr als 70 Jahren eine Kirche war, in der sich bereits eine Sauer-Orgel befand. Als zwölfjähriger Schüler habe er 1943 den Konfirmandenunterricht in diesem Gotteshaus besucht; wenn der Superintendent verhindert war, dann leitete der Organist den Unterricht. Dieser zeigte gelegentlich den Kindern die Sauer-Orgel. Das Instrument wurde in der Nachkriegszeit so zerstört, dass eine Restaurierung unmöglich war. 1975 wurde in diesem Komplex, der inzwischen zur Konzerthalle umgebaut worden war, eine neue Sauer-Orgel eingebaut, an diesen Arbeiten war Gerhard Spallek als Mitarbeiter der Firma W. Sauer Orgelbau federführend beteiligt. Es stimme ihn heute traurig, dass das Engagement für den Erhalt dieser Orgel so nachgelassen und dass so wenige Konzerte angeboten werden. Daher freue er sich, dass so viele Besucher zu dem Jubiläumskonzert gekommen sind. Eine Orgel könne Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauern, man müsse aber auch etwas für den Unterhalt tun, mahnte er.

Unter den Gästen war auch der Musiker Rudolf Schumann, der einst Direktor der städtischen Musikschule war; er gratulierte zu dem Festtag, indem er sich zum Ausklang des Konzertes an die Orgel setzte und das Instrument in beeindruckender Weise erklingen ließ.

Michael Schulz, Geschäftsführer des heute in Müllrose ansässigen Betriebes, freute sich über das Wiedersehen mit so vielen Weggefährten. "Wir konzentrieren uns jetzt auf die Arbeiten in Lübz, die wahrscheinlich bis Anfang November andauern werden." Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum, denn im Frühjahr 2016 steht der 100. Todestag von Wilhelm Sauer an.

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