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Frankfurter Museum Junge Kunst feiert Jubiläum

 Armin Hauer vor Ausstellungsplakaten
Armin Hauer vor Ausstellungsplakaten © Foto: Michael Benk
Stephanie Lubasch / 09.10.2015, 19:12 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Das erste war ein Eindruckplakat. Wieland Försters Porträtplastik "Angelika" aus dem Jahre 1963 reckt den Kopf selbstbewusst nach oben, unterlegt von einem hellen Rot, und wirbt so für die Galerie Junge Kunst in Frankfurt(Oder). Am 2.Oktober 1965, aus Anlass der 5. Oderlandfestspiele, war die Einrichtung eröffnet worden. Das rote Plakat, das noch in einer zweiten Farbvariante vorliegt, stammt von Johannes Hansky(1925-2004), einem sorbischen Maler und Gebrauchsgrafiker, der in Eisenhüttenstadt lebte und Vater des dortigen Stadtwappens ist.

Für die Jubiläumsschau zum 50-jährigen Bestehen des Hauses, das seit 1993 Museum Junge Kunst heißt, ist sein stellvertretender Direktor, Armin Hauer, tief in die Archive gestiegen. Statt Originale aus der mehr als 11000Werke umfassenden Sammlung zu zeigen, will er einen Überblick über die Ausstellungsgeschichte geben - anhand von Dokumenten.

Etwa 230 Plakate sowie 170Einladungen und Kataloge hat Hauer zusammengetragen. Nicht von jeder der mehr als 500Expositionen sei etwas zu finden gewesen, berichtet er: Mehrfach sind Museum und Depot umgezogen, was die Archivlage nicht verbessert habe. Erst seit den 80er-Jahren seien die Ausstellungen recht gut dokumentiert, sodass sich jetzt etwa 85Prozent von ihnen in der Schau "50 Jahre Museum Junge Kunst Frankfurt(Oder)" wiederfinden.

Entstanden ist eine ganz erstaunliche Zusammenstellung, die nicht nur von der Geschichte des Museums erzählt. Sie erinnert auch an große Künstler, dokumentiert Zeit- und Gestaltungsgeschichte. "Was mich besonders erstaunt hat, war die Qualität der Plakate vor allem zu DDR-Zeiten", sagt Hauer. "Und auch, mit welcher Ernsthaftigkeit am Konzept gearbeitet wurde."

"Zeitgenössische Gemälde, Grafik und Skulpturen der DDR", wie schon das einstige Namensschild der Galerie verkündete, standen im Mittelpunkt der Arbeit. Ausstellungen fasste man anfangs dabei gern noch "unter dem Label der Ideologie" zusammen, wie Hauer erzählt. So findet sich ein Faltblatt für eine Schau zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution, warb das Plakat "Kampf und Sieg der Bauern" für Werke, die an 450 Jahre Deutscher Bauernkrieg erinnern sollten und 30 Jahre Bodenreform.

Neben dem Blick auf junge Künstler aus der DDR wurde seit Anfang der 70er-Jahre auch der in Richtung Polen verstärkt - etwas, was sich bis heute erhalten hat. Nicht nur, dass man Arbeiten polnischer Künstler in Frankfurt präsentiert. Das Museum ist seit Jahrzehnten ebenso mit Ausstellungen beim östlichen Nachbarn zu Gast.

Überhaupt wurden Expositionen gern auf Wanderschaft geschickt - unter Gründungsdirektor Karl-Heinz Maetzke(1915-2000) und seinen Nachfolgern organisierte das Haus bis 1990 etwa 50 Ausstellungen in Betrieben, Instituten, Landwirtschaftseinrichtungen.

Das alles nun anhand von Plakaten noch einmal dargestellt zu bekommen, ist reizvoller, als vielleicht vermutet. Schon weil man dabei Namen begegnet wie Wolfgang Mattheuer, Nuria Quevedo, Werner Klemke, Gerhard Wienckowski, Fritz Cremer, Erika Stürmer-Alex, A.R. Penck, Moritz Götze, Norbert Bisky und Cornelia Schleime. Besonderes Bonbon sind die originalgrafischen Plakate unter anderem von Walter Libuda, Clemens Gröszer und Horst Engelhardt, die in den 80er-Jahren in Frankfurt ausstellten. Später, auch das zeigt die Schau, waren für diese Art der Werbung leider keine Mittel mehr vorhanden.

Nach der Wende schmolz nicht nur der Bestand wissenschaftlicher Mitarbeiter von neun auf einen und der Ankaufsetat seitens der Stadt auf null. Anfang der 90er-Jahre war das Budget auch derart knapp, dass Hauer Plakate für Ausstellungen im Kabinett zum Teil in kleinem Format selbst collagieren und kopieren musste. Wenigstens das hat sich zum Glück wieder geändert. Wie es mit dem Museum, dessen letzte Direktorin, Brigitte Rieger-Jähner, sich 2014 in den Ruhestand verabschiedet hat, weitergeht, bleibt vor dem Hintergrund eines geplanten, Cottbus und Frankfurt verbindenden Landeskunstmuseums spannend.

Vernissage am Sonntag, 11 Uhr, dann bis 1.11., Di-So 11-17Uhr, Rathaushalle, Marktplatz 1, Frankfurt (Oder)

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