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Joachimsthaler Schüler besuchen Workshop des Biorama-Projekts / Ergebnis der Zusammenarbeit in aktueller Schau zu sehen

Junge Kunst aus Pappe und Klebstoff

Simon Rayß / 15.10.2015, 05:45 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Seit fünf Wochen ist in der Weißen Villa des Biorama-Projekts die Schau "Riss in der Zeit" zu sehen. Nun haben die Künstler Besuch von Joachimsthaler Schülern bekommen, um gemeinsam zu arbeiten und der Ausstellung ein weiteres Werk hinzuzufügen.

Der Raum der Villa ist hoch. Unter dem frischen Holz des Gebälks liegen die Ziegel der Wände roh zu Tage. Zwischen ihnen schraubt sich ein Wirbelsturm aus Pappteilen, Buch- und Möbelfragmenten, Korbsesseln und Koffern in die Höhe. Eine gewaltige Skulptur, der ihre Schöpfer - Britta und Ron Helbig - den Namen "Vortex" gegeben haben. Doch Ehrfurcht erregen, genau das will das Künstlerpaar GODsDOGs nicht. Deswegen arbeiten sie mit sogenannten armen Materialien, bringen die Kunst immer wieder auf die Straße - und deswegen haben sie eine Schülergruppe in die Weiße Villa, ihren Ausstellungsort, geholt.

Zwischen den Werken der Schau "Riss in der Zeit", die seit dem 9. September in Nachbarschaft zum Biorama-Wasserturm zu sehen ist, stehen die jungen Mitglieder der Kunst AG des Freien Joachimsthaler Gymnasiums und kleben Pappwände und Holzstücke zusammen. "Ich will kein langweiliges, viereckiges Haus bauen", sagt Lukas Gierth. Stattdessen bekommt es ein schräges Dach aus Wellpappe und ein Türmchen verpasst.

Eine genaue Vorstellung hat der 16-Jährige vor dem Basteln aber nicht gehabt. Ron Helbig hingegen schon. Der Künstler hat die Jugendlichen durch die Ausstellung geführt, ihnen Fotos und einige Miniaturhäuser als Vorbild gezeigt. "Die Objekte haben Geschichte", erklärt er. Eine Ebene, die nach dem Empfinden der GODsDOGs in den Arbeiten mitschwingt. Der Betrachter solle sich fragen: "Was ist in den Häusern passiert?"

Aus diesem Grund bastelt Caroline Stein auch ein Abrisshaus, zerklüftet und zu einer Seite ganz geöffnet. "Ich kann schon nachvollziehen, was sie damit ausdrücken wollen", sagt die 15-Jährige. Sie hat einen Faible für die Kunst, wie die übrigen Teilnehmer des Workshops auch. Jede Woche treffen sich die Zehnt- und Elftklässler in ihrer Schule, um über Fotografie, Zeichnen, Action-Painting und andere Kunstformen zu reden und "vor allem selber zu machen", wie Clara Mehl sagt.

Sie geht selbst erst in die elfte Klasse und ist doch schon eine der Leiterinnen der Kunst AG des Freien Gymnasiums. Die Zusammenarbeit mit den GODsDOGs ist für die Gruppe eine besondere Angelegenheit. "Wir wussten vorher nicht, was uns erwartet", sagt sie.

In der Weißen Villa jedoch, die im kommenden Frühjahr offiziell eröffnet wird, soll genau das zur Regel werden. "Kunst wird in Zusammenhang mit Wissenschaft und immer auch mit Ausbildung gebracht", erklärt die Kulturmanagerin Sarah Phillips. Die gebürtige Britin hat gemeinsam mit ihrem Mann, dem Produktdesigner Richard Hurding, vor neun Jahren das Biorama-Projekt gegründet. Als interdisziplinäres Forum soll es namhafte Kunst nach Joachimsthal locken.

Doch eben nicht nur das. Wenn alles nach Plan verläuft, werden die jeweils Ausstellenden auch künftig mit Schülern, Studenten, ja, sogar mit interessierten Joachimsthalern aller Altersklassen in Workshops zusammenarbeiten.

Den Schülern des Freien Gymnasiums Joachimsthal gefällt's jedenfalls. "Das ist definitiv 'ne gute Sache", sagt Lukas Gierth. "Besser als Physik", ergänzt Caroline Stein und lacht. Auch Ron Helbig ist zufrieden - und ein bisschen überrascht: "Es passiert viel mehr, als ich erwartet hatte", sagt der Künstler. "Die Schüler sind sehr engagiert."

Im Anschluss an den zweistündigen Workshop gibt es eine Auswertungsrunde und dann übernehmen die GODsDOGs wieder die Regie. Die sehr unterschiedlichen, aus Pappe, Holz, Zweigen und Stoffresten gebauten Häuser der jugendlichen Besucher fügen sie noch am selben Tag zu einem neuen Kunstwerk zusammen. Einem weiteren Stück der Ausstellung "Riss in der Zeit", die noch bis zum 31. Oktober zu sehen sein wird unter der hohen Decke der Weißen Villa.

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