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Hans Still 19.10.2015 05:45 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Rotbäckige rheinische Bohnäpfel geerntet

Tempelfelde (MOZ) Hunderte Kilogramm Äpfel sind am Sonnabend entlang der Allee von Tempelfelde nach Schönfeld geerntet worden. Die Aktion des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und der Plattform Mundraub.org wurde im Vorfeld fachmännisch vorbereitet.

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Rüttelt kräftig am Ast: Christoph Rudel sorgt dafür, dass viele Äpfel der Sorte Rheinischer Bohnapfel zur Erde fallen.

© MOZ/Sergej Scheibe

Konstantin Schroth geht beherzt zu Werk. Mit dem am Ende einer langen Stange befestigten Haken rüttelt er kräftig an einem Ast des hochstämmigen Apfelbaumes der Sorte Rheinischer Bohnapfel. Die rotgefärbten Äpfel fallen gleich massenhaft zur Erde. Zuvor wurden auf dem Boden Planen ausgelegt, damit lässt sich das frische Obst fraglos besser von den Äpfeln unterscheiden, die der Wind schon Tage zuvor herunter geschüttelt hatte. "Wir wollen etwa 500 Kilogramm Äpfel ernten. Daraus kann eine Mosterei dann 300 Liter Saft pressen", freut sich Krister Volkmann, Geschäftsführer des Brandenburger VCD, der das Geschehen sehr zufrieden betrachtet.

Schroth gehört zur Plattform Mundraub.org, die sich seit 2009 in immer größeren Umfang ehrenamtlich darum kümmert, dass weniger Obst ungenutzt an den Straßenrändern verrottet. Keineswegs zufällig fiel die Wahl auf die Tempelfelder Apfelallee. "Diese Allee ist einer der Standorte, die auf unserer Mundraub-Map verzeichnet sind. Wir haben uns zuvor auch vergewissert, dass es hier keine Probleme mit dem Eigentümer gibt", berichtet Schroth. Konkret sei der Landkreis Eigentümer der Straße, der für die etwas bucklige Piste zuständige Landesstraßenbetrieb habe ebenfalls sein Okay zur Aktion gegeben.

Überhaupt bescheinigt der Mundraub-Aktivist den Behörden im ganzen Land durchaus guten Kooperationswillen, wenn es um das Ernten des Obstes geht. Weitaus schlechter sei es allerdings mit der Neuanpflanzung von Obstalleen bestellt. "Diese Bäume hier sind schätzungsweise 80 Jahre alt und wurden ganz bewusst gepflanzt, um die Bevölkerung mit frischem Obst zu versorgen. Das findet heute leider kaum noch statt, obwohl sich an der Notwendigkeit aus unserer Sicht nichts geändert hat", legt Schroth seine Sicht dar und kommt dabei auf eine Absprache zu sprechen, die er "Generationsvertrag" nennt. "Eine Generation pflanzt an und die zweite, dritte und vierte Generation darf dann ernten. So läuft das eigentlich."

Mit großem Interesse nimmt Schroth daher die Information auf, dass beispielsweise im Wandlitzer Ortsteil Stolzenhagen darüber nachgedacht wird, mitten im Ort ein Stück Grün zum Obstgarten für Jedermann zu gestalten. Der Ortsvorsteher Jürgen Krajewski verfolgt diese Idee, Schroth bietet sich sofort als Helfer an, sollten die Stolzenhagener Beratung in Anspruch nehmen wollen.

Unter den Erntehelfern füllt auch Karola Arndt aus Lanke einen Korb mit Äpfeln. Sie hatte in der MOZ von der Aktion gelesen und nahm das Angebot begeistert an. "Ich bin Mieterin und habe somit keinen eigenen Garten, in dem ich mich bedienen kann. Außerdem befasse ich mich als Kräuterfrau sozusagen hauptberuflich auch mit Obst, da kommen mir die Äpfel gerade recht. Die wird es nun jeden Morgen als Zutat zum Frischkornbrei geben." Ebenfalls im Barnim zuhause ist Heike Müller, die in Biesenthal bei der Lokalen Agenda aktiv ist. "Wir haben ja bei Biesenthal 2004 einen Feldweg mit Apfelbäumen bepflanzt, aber da kam in diesem Jahr zur Blütezeit etwas Frost auf, sodass es dort keine Äpfel gibt." Ihre Familie durfte sich am Sonntag über frischen Apfelstrudel freuen.

Volkmann und Schroth verbuchen die Ernte-Aktion als gelungen. "In Brandenburg werden mehr Alleebäume gefällt als nachgepflanzt. Dabei gehören unsere Alleen als wichtiger Lebensraum zu unserer Kulturlandschaft."

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