Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Tiger Diego bekommt neues Zuhause

Noch ist Diego eine Schmusekatze: Tierarzt Renato Rafael  mit dem kleinen Tiger Diego im Wildkatzenzentrum Felidae in Sydower Fließ (Brandenburg).
Noch ist Diego eine Schmusekatze: Tierarzt Renato Rafael mit dem kleinen Tiger Diego im Wildkatzenzentrum Felidae in Sydower Fließ (Brandenburg). © Foto: dpa
06.11.2015, 08:40 Uhr
Tempelfelde (DPA) Diegos Leben hing am seidenen Faden, als ihn eine Bernauer Tierärztin vor ihrer Haustür fand. Nun ist der kleine Tiger über den Berg und soll möglichst artgerecht aufwachsen. Dafür fehlt allerdings noch Geld.

Diego hat in seinem noch jungen Leben schon zweimal Glück gehabt. Zunächst Mitte August, als die Bernauer Tierärztin Doris Tesch das kaum einem Monat alte Tigerbaby morgens vor ihrer Haustür fand - in einem Karton, völlig unterernährt und ausgedürstet. Tesch päppelte das junge Raubtier, das vermutlich aus einem Zirkus stammt, mit der Flasche auf. Diego kämpfte sich durch, obwohl Experten ihm kaum Chancen gaben.

Zum zweiten Mal Glück hatte der inzwischen drei Monate alte Tiger nun bei der Suche nach einem neuen Zuhause. Denn der schnell wachsende Diego, der inzwischen bis zu fünf Flaschen Welpenmilch und anderthalb Kilogramm Fleisch verputzt, kann nicht dauerhaft im Haus und im Garten von Tesch bleiben. Am Samstag (7.11.) wird er in das Wildkatzenzentrum Felidae in Tempelfelde (Barnim) umziehen.

Auf mehr als 6000 Quadratmetern hat der Tierarzt Renato Rafael am Rande des Ortes ein Gehege für 38 Wildkatzen von 15 verschiedenen Arten aufgebaut. Tiger gehörten bisher nicht dazu, doch zu Diego konnte der 55-jährige Veterinärmediziner einfach nicht Nein sagen. Schon mehrfach war das Findeltier auf Stippvisite in Tempelfelde, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. "Er ist einfach unwiderstehlich", sagt Rafael.

Was dem verspielten Jung-Tiger allerdings noch fehlt, ist ein großes, artgerechtes Gehege. Denn der Artenschutz steht im Vordergrund von "Felidae", wie der Chef betont. "Besucher werden bei uns durch die Anlage geführt. Dabei informieren wir sie auch über die Probleme, die diese Tierarten in der freien Natur haben und warum Nachzuchten in Zoos für die Arterhaltung so wichtig sind", erzählt er. Bisher hat er die in Gefangenschaft aufgewachsenen Raub-, Schleich und Marder-Katzen gezielt gekauft - in Abstimmung mit einem Zuchtbuchkoordinator.

Denn Rafaels Wildkatzenzentrum nimmt am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP teil. "Da darf man nicht einfach so mitmischen, sondern muss Sachkenntnis und artgerechte Haltung nachweisen", erläutert Frank Plücken, Referent für Artenschutzvollzug beim Brandenburger Landesumweltamt. Das Wildkatzenzentrum "Felidae" bezeichnet er als "wirklich vorzeigbar". "Da gibt es Zoos in Deutschland, da haben die Tiere weitaus weniger Platz", macht der Fachmann deutlich. Im EEP werden die Zuchtbücher für bestimmte Arten geführt und Elternpaare zusammengestellt, um die genetische Vielfalt zu sichern.

"So stammt einer meiner Schneeleoparden aus Paris, der andere aus Schweden", nennt der Tierarzt, der neben dem Wildkatzenzentrum eine Praxis in Zepernick (Barnim) betreibt, nur ein Beispiel. Der Zuchtbuchkoordinator entscheidet später auch, in welche Zoos der Nachwuchs kommt. Finanziert wird "Felidae" aus Spenden und Eintrittsgeldern.

Jetzt bekommt Rafael Unterstützung vom Brandenburger Landesumweltamt - dank Diego. "Sein Fall hat uns erneut gezeigt, dass wir artgerechte Unterbringungsmöglichkeiten brauchen", sagt Plücken. Deshalb soll in der Anlage in Tempelfelde eine Auffangstation für Wildkatzen entstehen, die von den Behörden wie dem Zoll oder Veterinärämtern beschlagnahmt wurden. "Die entsprechenden Fördermittelanträge werden im Januar nächsten Jahres gestellt", sagt Katzen-Fan Rafael.

Dass Tiger- oder Löwenbabys einfach ausgesetzt werden, ist laut Plücken zwar ungewöhnlich, aber nicht verwunderlich. "In Zoos und auch Zirkussen in Deutschland gibt es zu viele Jungtiere, deren Versorgung kostenintensiv ist. Deswegen wollte uns in Tierparks auch niemand Diego abnehmen", erklärt er.

Inzwischen sammelt Rafael eifrig Spenden für Diegos Gehege. Auf 1200 Quadratmetern soll der Tiger sich künftig austoben können. Rund 200 000 Euro wird es laut Rafael, der inzwischen zwei Hektar Erweiterungsfläche dazu gekauft hat, mindestens kosten. Und er wünscht sich einen Spielkameraden für Diego. "Er fängt an, seine Kräfte auszuprobieren. Und das klappt am besten mit einem Artgenossen."

Ob Diego ein sibirischer Amur- oder ein aus Indien stammender Bengaltiger ist, weiss Rafael noch nicht. "Die unterschiedlichen Merkmale sieht man erst, wenn er etwa anderthalb Jahre alt ist. Vorher hilft nur eine DNA-Analyse", erklärt der Veterinärmediziner. Wichtig sei die Identifizierung schon, denn: "Bengaltiger brauchen im Winter eine warme Behausung, Amurtiger nicht."

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG