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Clowns im Gefängnis

Ulkiges in der JVA: Die bolivianische Theatergruppe "Teatro Trono" liefert in Wriezen mit Musik, farbenfrohen Kostümen und Clownsnasen ein lustiges Programm. Viele der Themen in ihren Sketchen sind dennoch ernst.
Ulkiges in der JVA: Die bolivianische Theatergruppe "Teatro Trono" liefert in Wriezen mit Musik, farbenfrohen Kostümen und Clownsnasen ein lustiges Programm. Viele der Themen in ihren Sketchen sind dennoch ernst. © Foto: MOZ/Birte Förster
Birte Förster / 09.11.2015, 05:11 Uhr
Wriezen (MOZ) Mit rhythmischer Trommel- und Flötenmusik sowie vielen bunten Farben lieferte die bolivianische Theatergruppe "Teatro Trono" in der JVA in Wriezen eine clowneske Aufführung. Für die Gefangenen bedeutete es eine Abwechslung zum normalen Gefängnis-Alltag.

Von der ersten Sekunde an ziehen sie die Zuschauer in ihren Bann. Mit bunten Gewändern und Fahnen, auf Stelzen laufend und mit großen Trommeln erobern sie sich tanzend den Bühnenraum in der Turnhalle der JVA in Wriezen. Es entsteht ein energiegeladenes Gesamtbild. Verschiedene Sketche folgen, in denen die Theater-Gruppe "Teatro Trono", bestehend aus bolivianischen Kindern und Jugendlichen, ihre Geschichten größtenteils non-verbal vermittelt - mit Musikinstrumenten und von ihnen erzeugten Geräuschen. Trotz ihres humorigen Auftretens sind die Themen oft ernst: Von Gerechtigkeit und den Unterschieden zwischen Arm und Reich erzählen sie sowie von der Privatisierung des Wassers. Der ebenfalls aus Bolivien stammende Ivan Nogales, Gründer und Leiter des vor 20 Jahren entstandenen Theater-Projektes, gibt vor jedem Sketch eine kurze Einleitung.

Das "Teatro Trono" ist aus der Organisation Compa hervorgegangen, die in der bolivianischen Stadt El Alto Kindern, die in Armut oder auf der Straße leben, eine neue Perspektive vermittelt. Die Kinderkulturkarawane, eine in Deutschland ansässige Organisation, die jedes Jahr Jugendkulturgruppen aus Asien, Lateinamerika oder Afrika nach Deutschland einlädt, hat die bolivianische Theatergruppe nach Deutschland geholt. "Seit Ende August sind sie da und hatten unter anderem Auftritte in Bonn und Köln", erzählt Solveig Kauczynski von der Caritas in Frankfurt (Oder), die seit Langem mit Compa zusammenarbeitet. Bereits vor zwei Jahren habe es einen Auftritt der Gruppe in der JVA in Wriezen gegeben. Solveig Kauczynski war 2009 selbst in Bolivien, wo sie sich die Arbeit der Organisation und des Teatro Trono vor Ort angeschaut habe, erzählt sie.

Für die jungen Inhaftierten in der JVA ist der Auftritt des Teatro Trono eine Pflichtveranstaltung, sagt Solveig Kauczynski. Im Anschluss an die Aufführung haben die Häftlinge die Möglichkeit, einzelnen Mitgliedern der bolivianischen Truppe Fragen zu stellen - die Teilnahme ist freiwillig. "Ich bin erstaunt, dass so viele da geblieben sind", freut sich die Caritas-Mitarbeiterin.

In kleinen Gruppen kommen sie besser ins Gespräch, jeweils hilft jemand, der sowohl deutsch als auch spanisch spricht, die Fragen und Antworten zwischen den Kindern und den Häftlingen zu übersetzen. Einige Inhaftierte interessieren sich für die Haftbedingungen in Bolivien. "Wie ist es im Knast in Bolivien?", fragt ein junger Häftling. Die Bedingungen seien viel schwieriger, gefährlicher. Dort sei es etwas ganz Schreckliches, da die Gefängnisse oft überbelegt sind, es kaum etwas zu essen gibt, erzählt ein bolivianisches Mädchen.

Bereits häufiger habe es solche besonderen Veranstaltungen in der JVA gegeben. Seit Langem arbeiten sie mit Solveig Kauczynski zusammen, erzählt die Leiterin für Bildung und Freizeit in der JVA. Auch die Uckermärkischen Bühnen seien schon da gewesen. Als sie hörte, dass das Teatro Trono wieder nach Deutschland kommt, habe sie einem Auftritt in der JVA sofort zugestimmt. "Es ist etwas anderes im normalen Haftalltag, so ein Event zu schaffen", sagt sie. "Damit das Gefängnis da mal nicht die vordergründige Rolle spielt."

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