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Detlef Klementz 14.11.2015 06:43 Uhr
Red. Strausberg, strausberg-red@moz.de

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Ein "kreativer Tausendsassa"

Müncheberg (MOZ) Vor drei Jahren hat Elisa Carow einen kleinen Verlag gegründet. Ohne die Hilfe ihres Mannes hätte die vielseitig interessierte Frau, die jüngst ihren 33. Geburtstag feierte, das Unternehmen wohl nicht gestartet.

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Präsentation: Elisa Carow hat vor drei Jahren einen eigenen Verlag gegründet. Auf dem Foto zeigt die Münchebergerin die Produkte, die fast ausschließlich über das Internet vertrieben werden.

© MOZ Gerd Markert

Wenn Elisa Carow ins Reden kommt, ist sie so leicht nicht zu bremsen. Die gebürtige Bulgarin kam 1991 nach Berlin. "Weil meine halbe Verwandtschaft deutsch ist", wie sie sagt. Auf der Suche nach einem Eigenheim wurde die junge Frau 2005 mit ihrem Mann im Müncheberger Philippinenhof fündig. "Was dichter an Berlin lag, war mit einem Gehalt nicht zu bezahlen", sagt die damalige Studentin. Als sie dann ihren Abschluss als Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch machte, war nicht abzusehen, dass die heute 33-Jährige später einmal einen kleinen Verlag leiten würde. Die junge Frau verlor ihren Arbeitsplatz in einem Müncheberger Unternehmen, fand nichts Gleichwertiges und hielt sich mit ABM und Ein-Euro-Jobs über Wasser. Irgendwann erfuhr Elisa Carow, dass sie Autistin ist. "Ich habe das nicht gewusst", sagt sie, wobei sie schon Schwierigkeiten einräumt, Gesagtes zu interpretieren sowie Gestik und Mimik von Gesprächspartnern richtig zu deuten. Aber das werde mit zunehmendem Alter langsam besser, bestätigt sie die Ankündigung der Ärzte. Hin und wieder erledigte sie Übersetzungen. "Zum Glück hat mein Mann einen guten Job", sagt sie. Der Informatiker arbeitet in Berlin im Projektmanagement einer Leasingfirma.

Aber Rumsitzen ist ihr Ding nicht. "Ich bin ein kreativer Tausendsassa" , sagt Elisa Carow von sich selbst, der seit jeher viele praktische Ideen im Kopf herumspuken. Beispielsweise die von der Schulungsbox für Prozessvisualisierungen (BPMN). Diese enthält abwischbare Symbole, die mit Magneten versehen sind. Mit dieser Box führte sie 2012 ihren eigenen kleinen Verlag ein, den sie nicht auf Bücher begrenzt sehen will. Als Nächstes folgten Starterpakete zum Wollefärben und zum Selbstfilzen. "Bei mir müssen die Leute nicht alles einzeln kaufen, in meiner Box finden sie alles, was man braucht, und können gleich loslegen", sagt sie.

Auf der Spielstrecke ging es mit einem Quartettspiel los. "Mein Mann sammelt alte Computer und hatte die Idee, einige davon - versehen mit kurzen Texten - auf Spielkarten abzulichten", sagt sie. Das Interesse habe ihre Erwartungen weit übertroffen. Die 1100 Spiele der ersten Auflage hätten sich sehr gut verkauft - zu 98 Prozent über das Internet. Inzwischen sei eine zweite Version auf dem Markt, die sehr gut zu den anderen Karten passe. Aufbauend auf dem Anfangserfolg folgte ein Quartettkartenspiel mit Wolkenkratzern, dessen Verkauf die Erwartungen allerdings nicht recht erfüllte, wie Elisa Carow einräumt.

Inzwischen hat die engagierte junge Frau in ihrem Carow Verlag zudem bereits fünf Bücher, eine CD und ein Hörspiel herausgebracht. Mit aktiver Unterstützung der Familie und "alles in Handarbeit", wie sie betont. Ihr Mann kümmert sich um den so wichtigen Auftritt im Internet. Und ihr Vater, ein Grafikdesigner, hat schon mal bei der Cover-Gestaltung Hand angelegt.

Gerade ist das jüngste Verlagsprodukt erschienen: "Simbir Elhof und das schwarze Einhorn" von Sandra Rehschuh. Kinderbücher waren anfangs gar nicht geplant. Aber die junge Mutter war mit dem Angebot nicht so richtig zufrieden. Nach welchen Kriterien sie die Autoren auswählt? "Zuerst einmal muss mir das Thema gefallen", sagt die Jungverlegerin: "Den Massengeschmack muss es nicht treffen." Das Angebot an Autoren im Internet sei sehr groß. Und da sie die ihr angebotenen Manuskripte aufmerksam bis zur letzten Zeile lese, brauche sie schon etwas Zeit. Dann sei sie bestrebt, junge, noch wenig bekannte Autoren für sich und die Öffentlichkeit zu entdecken. Was sie strikt ablehnt, sind Gewaltverherrlichung und Radikalismus.

Bislang ist die Verlagsarbeit noch ein Verlustgeschäft. "Wir machen das aus Spaß, aber natürlich wollen wir damit auch mal Geld verdienen", sagt sie ehrlich. Dafür wäre es unter anderem wichtig, in den Buchhandel zu kommen. "Aber das ist finanziell einfach nicht machbar, für uns läuft fast alles über das Internet", sagt sie. Denn die zwei, drei Bücher, die sie an Wochenenden bisweilen auf Märkten verkaufe, fielen nicht groß ins Gewicht. Missmut schwingt bei solchen Sätzen aber nicht mit.

Der Umgang mit den Autoren und die Lektorarbeit haben die junge Mutter darin bestärkt, selbst ein Buch zu schreiben. Über den Inhalt hält sie sich aber noch bedeckt.

Auskünfte zum Carow Verlag gibt es unter carow-verlag.de und Tel. 033432 747337

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