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Sechs Szenen, 200 Jahre Theaterliteratur

Mit überzeugenden Schauspielern: Die neue Aufführung des "Kleinen Theaters Falkensee" begeisterte.
Mit überzeugenden Schauspielern: Die neue Aufführung des "Kleinen Theaters Falkensee" begeisterte. © Foto: MZV/Achilles
Stephan Achilles / 23.11.2015, 08:45 Uhr
Falkensee (MZV) "Auf die Bühne fertig-los": Kurz vor der Aufführung bilden alle Schauspieler einen Kreis. Sie schwören sich ein, unterdrücken Lampenfieber und Aufregung. Ein Jahr lang haben sie nach geeigneten Texten gesucht, gelernt, geprobt und auf diesen Moment hingearbeitet. Neu dabei sind mit Phileas Heim und den Brüdern Joseph und Christoph Birke drei Akteure vom Theater "ToB" aus Neuruppin, die berufs- oder studienbedingt nach Berlin umziehen mussten.

Die Erwartung des Publikums ist groß. Im vergangenen Jahr hat das "Kleine Theater Falkensee" mit der bunten, ereignisreichen Aufführung von Shakespeares "Maß für Maß" Erfolge gefeiert. Ausverkaufte Zusatzvorstellungen in Falkensee, Gastspiele an der Neukölner Oper, beim Varia Vineta Stadttheater Pankow, in Dresden und Neuruppin folgten.

Immer für eine Überraschung gut, haben sich die Akteure für die diesjährige Premiere etwas völlig anderes einfallen lassen. Sechs Szenen aus ganz verschiedenen Stücken der Theaterliteratur sind zu spielen, von Komödie bis Tragödie, von Oscar Wilde über Dario Fo bis zu Schiller und Goethe. Regisseur Sebastian Eggers und Dramaturg Sebastian Maihs, von Beruf Bibliothekar, haben eine Vorauswahl getroffen. "Für jeden Darsteller das passende Stück", hieß die Devise. Entschieden haben alle gemeinsam. Entstanden ist eine Mischung aus Kreativität und Phantasie, Selbstfindung und Spiellust. In den Stücken geht es um Leidenschaften, Liebe, Macht und Schicksal.

Zur Einstimmung singt Sebastian Maihs "Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Noch zwei weitere Chansons bringt er in den Überleitungen und erntet damit die restlose Begeisterung des 70-köpfigen Publikums. Zwei Rivalinnen, gespielt von Anke Gutendorf und Katharina Kusch, stehen sich in der ersten Szene gegenüber. Souverän und überzeugend beschwört die Ältere, Anke Gutendorf, die Jüngere zu ihrem Gatten zurückzukehren. Katharina Kusch, die deprimiert-verunsicherte junge Frau darstellend, wird in der letzten Szene des Abends wiederum die betrogene Gattin geben, jedoch mit völlig anderem Charakter. Sie meistert das mit Bravour, so wie sie bisher in allen Rollen zu überzeugen wusste.

Den uralten Konflikt der Mutter, die ihren Sohn glücklich sehen will aber nur schweren Herzens an eine zukünftige Braut abgeben kann, verkörpern Brigitte Römer und Joseph Birke in der Szene von Garcia Lorca. Temperamentvoll und energisch ist die Auseinandersetzung. Scheinbar problemlos entführen die Darsteller das Publikum nach Spanien.

Von dort geht es weiter nach Russland. In einer Szene aus Tschechow's "Möwe" verweigert eine Schauspielerin ihrem schriftstellernden Sohn die künstlerische Anerkennung. Christina Sellenthin, ganz die Diva, bringt Phileas Heim in Rage, weil sie ihren Liebhaber, einen erfolgreichen Autor, bevorzugt.

Teuflisch steht Sebastian Maihs im nächsten Stück als verführerisch, sarkastischer Mephisto hinter Faust, alias Joseph Birke. Der will Gretchen, ahnt aber, dass es böse für sie enden wird und kämpft mit inneren Skrupeln.

Das Todesurteil für Maria Stuart zu unterschreiben, fällt Elisabeth I von England in Schillers Drama schwer. Gern möchte sie die Verantwortung an ihren Berater abgeben. Nicht leicht, diese Szene. Aber Klasse gespielt von Gesine Falke und Christoph Birke.

Turbulent geht es in der letzten Szene zu, einer Auseinandersetzung eines Ehepaars, dargestellt von Katharina Kusch und Sebastian Maihs, um verschiedene Ansichten über eheliche Treue.

Fast 90 Minuten dauert die Vorstellung im Falkenseer Kulturhaus "Johannes R. Becher". Keine Pause. Es geht Schlag auf Schlag. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Das "Kleine Theater Falkensee" macht einfach Spaß. Vielleicht gibt es ja wieder Zusatzvorstellungen, denn die drei planmäßigen Aufführungen waren schon lange zuvor ausverkauft.

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