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Gabriele Rataj 09.12.2015 06:20 Uhr
Red. Strausberg, strausberg-red@moz.de

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Elite-Partner auf dem Vormarsch

Altlandsberg (MOZ) Zum ersten Mal hat am Sitz der bundesweit agierenden Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde eine Elite-Prüfung für Pyrenäenberghunde stattgefunden. Drei Hunde entsprachen den harten Kriterien und sind damit besonders zuchttauglich.

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Wachablösung: Zwei der Prüflinge haben ihren Teil des Examens absolviert. Hier wird der dritte Pyrenäenberghund zur Herde geführt.

© MOZ/Gabriele Rataj

Acht große, weiße und ziemlich sympathisch aussehende Hunde werden Linda Scholz an diesem Morgen vorgestellt. Aus dem Fläming, aus Nordvorpommern oder Potsdam-Mittelmark haben ihre Halter sie nach Altlandsberg zur Zuchtleiterin der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde Linda Scholz gebracht und alle sind sie Pyrenäenberghunde.

"Diese Rasse hat sich in den vergangenen 14 Jahren bei uns als besonders geeignet erwiesen, um Herden vor Wölfen oder anderen Beutegreifern zu schützen", sagt der Altlandsberger Schäfermeister Knut Kucznik. Er hat die bundesweit agierende AG Herdenschutzhunde mit initiiert, ist deren 1. Vorsitzender und hat für diesen Tag besondere Vorbereitungen getroffen.

Nicht Stollen und Kaffee auf dem Tisch in der offenen Lagerhalle sind gemeint. Kucznik stellt mit weiteren Akteuren der AG die Rahmenbedingungen für die bundesweit erste Elite-Prüfung für Herdenschutzhunde. Die Waage ist funktionstüchtig, Kör- und Bandmaß liegen griffbereit und für den Nachmittag sind "Störfälle" bestellt.

Denn eines ist für Knut Kucznik oder Schäfer Frank Hahnel aus Müncheberg, Detlef Kracht und anderen wichtig: Herdentierhalter sollen sich nicht vor den zurückgekehrten Wölfen fürchten. Sie müssen geeignete Lösungen finden und dabei auch auf altes Wissen zurückgreifen, um ein Nebeneinander zu ermöglichen. "Denn wir haben einfach verlernt, mit dem Wolf zu leben", meint Thomas Schröder aus Jüterbog, der seinen Herdenschutzhund der Elite-Prüfung unterziehen lässt.

"Wir sind nicht gegen den Wolf, wir sind für das Schaf", wirbt die HSH-AG so auch auf ihrer Internetseite. Ein über gut zwei Jahre ausgebildeter Pyrenäenberghund, mit dem sich die AG seit vier Jahren nun schon professionell beschäftigt, ist eine solche Lösung.

Schafe sieht der Herdenschutzhund als seine Sozialpartner an, denn er wächst als Welpe Tag und Nacht in einer Herde auf. Er muss sich aber loyal Menschen gegenüber verhalten und auf Gefahren außerordentlich differenziert reagieren können. "Wer die Elite-Prüfung bestehen will, muss nicht nur dieses erwünschte Verhalten in der Herde zeigen, in der er aufgewachsen ist", erklären Linda Scholz und Knut Kucznik. Er müsse es auch in einer fremden Herde tun.

Das sollen einige der Hunde an diesem Tag beweisen, andere gehören nicht zu den Anwärtern, sind noch zu jung. So prüft Linda Scholz, die Zuchtleiterin aus Eisenhüttenstadt, zwar deren Rassemerkmale für die Jugend- bzw. die sogenannte Hausprüfung. Für die harten Auswahlkriterien des Elite-Herdenschutzhundes aber haben sie noch Zeit zum Üben.

Solche Prüfungen haben die anderen bereits hinter sich. Das Examen, das sie auf der Weide am Wall hinter dem Neuenhagener Gewerbegebiet absolvieren, stellt sie vor ganz andere Herausforderungen. Vier Wochen haben sie in einer fremden Herde verbracht und müssen für die Zertifizierung zeigen, dass sie diese ebenso schützen wie ihre eigene.

Das ist Voraussetzung dafür, dass die Zucht dieser kuschelweichen "Eisbären" von Erfolg gekrönt ist, andere Freiluft-Herdenhalter (Ziegen, Schweine usw.) solche Hunde samt entsprechender Dokumentation erwerben können. "Deshalb sind auch wir hier", sagt Birgit Gerigk, die in der Prignitz Lewitzer hält, eine alte ostdeutsche Ponyrasse. Rechtzeitig handeln, denn noch habe es bei ihnen keine Wölfe gegeben.

Dann werden die Prüflinge nacheinander in die Herde gebracht. Schäfer, Prüfer und Beobachter stehen weit entfernt auf dem Wall. Eine Drohne surrt los und kreist über den Schafen - so, wie Rabenvögel vielleicht über Lämmchen. Spaziergänger mit Hund nähern sich. Sogar einen Mann mit Flüstertüte hat Kucznik hinbestellt. Und die "Eisbären" reagieren so, wie sie es gelernt haben und es ihrer Rasse entspricht. Eben echte Elite-Hunde.

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