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Lektion im neuen Techniklabor

Martin Vaqué (vorn) und Thomas Grüning an der Signalbereitstellungsanlage
Martin Vaqué (vorn) und Thomas Grüning an der Signalbereitstellungsanlage © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 13.12.2015, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Ein Klassenraum, der einem einzigen Techniklabor gleicht. Der Laie ist fast sprachlos, der Fachmann staunt anerkennend. Am Oberstufenzentrum II wurde jetzt ein Breitbandkommunikationszentrum eröffnet. Es ist das erste seiner Art in Deutschland.

Martin Vaqué, Schüler der 13. Klasse am Beruflichen Gymnasium des Oberstufenzentrums, zählt auf, was alles nötig war für den Aufbau des Zentrums. Der 19-Jährige spricht - natürlich - über das Breitbandsignal, ein Sat-Signal, über Hüps (Hausübergabepunkte), Verstärker, Verteiler ... Er nennt technische Parameter. Vaqué stellt das Projekt und die Umsetzung vor, erzählt von anfänglichen Schwierigkeiten und davon, wie sie gelöst wurden. Der Bad Freienwalder kennt sich aus. Er hat sogar seine Seminarkursarbeit darüber geschrieben. Der Abiturient redet über das Thema, als sei es das Normalste der Welt. Als ginge es um die Photosynthese in Bio, Sinusfunktionen in Mathe oder ein Stück von Goethe. Den üblichen Unterrichtsstoff halt. Dabei ist das Breitbandkommunikationszentrum am Barnimer OSZ II im Leibnizviertel etwas Besonderes.

Sogar etwas Einmaliges, wie André Haase, stellvertretender Schulleiter, bei der Eröffnung sagt. Das Labor, das mit 16 Arbeitsplätzen ausgestattet ist, sei das erste seiner Art in Deutschland. Im Rahmen eines Pilotprojektes haben es das OSZ sowie das Deutsche Institut für Breitbandkommunikation (dibkom) geschaffen. Als Kooperation. "Da haben sich seinerzeit zwei Suchende gefunden", drückt es Haase salopp aus. Das Institut war auf der Suche nach einem Praxispartner, die Schule wiederum war auf der Suche nach Ideen zur inhaltlichen Ausgestaltung des Seminarkurses Elektrotechnik. Dies mit dem beiderseitigen Ziel, Fachkräfte für die Branche zu sichern.

Nach zweijähriger Vorbereitungszeit und Aufbauphase gehe das Zentrum nunmehr "ans Netz", also in Betrieb. Zunächst für die Schüler des Beruflichen Gymnasiums, also die Abiturienten. Die Schüler mit dem Berufsschwerpunkt Elektrotechnik würden während der dreijährigen Abiturstufe immerhin 500 Stunden absolvieren. Mit dem Zertifikat des dibkom, das Breitbandkommunikationszentrum "durchlaufen" zu haben, könnten sich die Abiturienten beispielsweise bei Fachfirmen bewerben oder zum Studium an der TU Magdeburg. "Und sie hätten sehr gute Chancen", ist Haase überzeugt.

In einem zweiten Schritt, vielleicht 2016 oder 2017, soll der Unterricht im Labor in die duale Ausbildung der Elektroniker, Elektrotechniker und Mechatroniker integriert werden, so der stellvertretende Direktor. Und auch Migranten könnten von der neuen Errungenschaft profitieren.

Ähnlich sieht es Karl-Heinz Kürbis vom dibkom, ehemaliger Geschäftsführer und Spiritus Rector des Projektes. Er hält das Zentrum in der Branche für "richtungsweisend". Die Arbeitsplätze, die jeweils ein Hausnetz realitätsnah nachbilden, würden einen praxisnahen Unterricht zu Kabelnetztechniken ermöglichen. Er spricht zwar nicht von einem Fachkräftemangel, wohl aber von einem Missverhältnis und Engpässen. Die könnten beispielsweise auch durch von der Arbeitsagentur geförderte Qualifizierungen und Weiterbildungen überwunden werden. Insofern wünsche er sich, dass das Eberswalder Beispiel Schule macht. Das Labor sei auf alle Fälle so konzipiert, dass es problemlos "dupliziert" werden kann.

Firmen aus der Branche haben die Ausstattung des Kabinetts am OSZ mit Materialspenden und Sponsoring möglich gemacht. "Wir hätten die Investition überhaupt nicht stemmen können", so Haase. Immerhin ginge es um eine höhere fünfstellige Summe.

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