Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Für orthodoxe Christen ist heute Heiligabend / Ukrainer bauten Kirche im polnischen Slubice

Weihnachten nach altem Kalender

Dietrich Schröder / 06.01.2016, 07:45 Uhr
Slubice (MOZ) Weil für sie noch der alte Julianische Kalender gilt, feiern Millionen orthodoxe Christen in aller Welt erst am 7. Januar Weihnachten. In einer neuen Kirche, die im polnischen Slubice entstand, versammeln sich Gläubige verschiedener Nationalitäten. Auch in einem Kloster in der Uckermark wird gefeiert.

Die glänzenden Kuppeln des kleinen Gotteshauses funkeln in der Wintersonne. "Nein, das ist natürlich kein Gold, das könnten wir uns gar nicht leisten." Pfarrer Michail Kowal schmunzelt, als die Rede auf die Dachbedeckung seiner Kirche kommt. "Das ist Bulat, ein speziell bearbeiteter Stahl. Wir haben ihn aus Tscherkassy, einer Stadt in der Ukraine geholt", berichtet der Geistliche.

Obwohl wir uns an der polnisch-deutschen Grenze befinden, hat die neue Kirche in Slubice viel mit der Ukraine zu tun. Zwei aus Kiew stammende Musiker, Svetlana und Igor Lysenko, haben den Anstoß für deren Bau gegeben. Sie waren in den 1990er-Jahren auf einer Konzertreise durch Polen in dem Grenzort geblieben. Durch die bis in die Gegenwart anhaltenden Unruhen in ihrer Heimat kommen immer mehr Ukrainer nach Polen.

Anfangs hatten Igor und Svetlana noch ihr eigenes Wohnzimmer in Slubice sonntags zur Kapelle gemacht. Doch dann entstand die Idee, eine Kirche zu errichten. Sie wurde dadurch befördert, dass die Stadt Slubice ein Grundstück kostenlos zur Verfügung stellte. Denn hier leben viele Menschen, deren Vorfahren aus der heutigen Westukraine stammen, die bis 1945 zu Polen gehörte.

"Dennoch erscheint es mir wie ein Wunder, dass wir mit anfangs so wenigen Gemeindemitgliedern so weit gekommen sind", sagt Pfarrer Michail. Das zeige ihm, "dass Gott unseren Weg lenkt und wir nur seine Werkzeuge sind". Der 39-Jährige, der von seiner Gemeinde respektvoll "Otez Michail" - also Vater Michail - genannt wird, stammt auch aus der Ukraine. Er hat an einer Akademie in Warschau studiert, an der altkatholische, evangelische und orthodoxe Theologie gelehrt werden - also Strömungen des Christentums, die in Polen in der Minderheit sind. Immerhin sind die Orthodoxen nach der römisch-katholischen Kirche aber die zweitgrößte Kirche des Nachbarlandes.

Wegen der Kälte in dem noch unvollendeten Bauwerk kommen die Gläubigen in dicke Mäntel gehüllt zur Messe. Der altrussische Sprechgesang, in dem die Liturgie vorgetragen wird, der etwas stechende Geruch von Weihrauch sowie die Tatsache, dass die Gläubigen die ganze Zeit über stehen, sorgen für eine fast archaische Atmosphäre.

"Seit wir die Kirche haben, kommen immer mehr Menschen zu den Gottesdiensten", ist Pfarrer Michail stolz. Dazu gehören auch Familien mit kleinen Kindern, die vor allem aus der Ukraine, aber auch aus Russland, Rumänien oder Moldawien stammen. Die Tatsache, das sie ihre ursprüngliche Heimat aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen haben und dass man sich auf Russisch unterhalten kann, vereint alle.

Auch in Frankfurt (Oder) lebende Russen, die zum Teil längst einen deutschen Ausweis haben, sowie Studierende der Europa-Universität kommen hierher. "Sie alle geben Spenden für die Kirche, je nachdem, was in ihren Kräften steht", lobt der Pfarrer. Besonders gefreut hat er sich über einen Sponsor, der die großen geschnitzten Holztüren finanzierte. Selbst aus der Mönchsrepublik im griechischen Athos gab es schon Spenden.

Die Weihnachtsmesse beginnt heute Abend traditionell um Mitternacht und ist für alle Interessenten offen. Die Kirche befindet sich in der Lokietka-Straße, unweit der Polizeikommandantur von Slubice. Pfarrer Michail hat noch eine weitere Gemeinde in dem kleinen Ort Torzym (Sternberg) zu betreuen, die aus den Nachkommen von Familien besteht, die nach dem zweiten Weltkrieg aus Ostpolen hierher umgesiedelt wurden. Dort wurde die Kapelle des einstigen deutschen Friedhofs zur orthodoxen Kirche geweiht.

Auch in Brandenburg wird orthodoxe Weihnachten gefeiert. Etwa in dem russisch-orthodoxen Kloster Sankt Georg, das von Mönchen in Götschendorf in der Uckermark errichtet wurde. "Der Gottesdienst am 7. Januar um 10 Uhr ist offen für alle", sagte Abt Daniil Irbits. Auch dort ist die neue Kirche bereits von außen fertig.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG