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Auch das Hinfallen muss man lernen

Ein dicker Ordner: Die Dokumentation über das Geschehen im Pikler-Raum der Kita der Pfiffigen Krümel in der Fredersdorf-Vogelsdorfer Waldstraße füllt einen ganzen Ordner. Kerstin Korn und Janet Schramm überreichen ihn an Kirsten Schwabe von der Unfallkass
Ein dicker Ordner: Die Dokumentation über das Geschehen im Pikler-Raum der Kita der Pfiffigen Krümel in der Fredersdorf-Vogelsdorfer Waldstraße füllt einen ganzen Ordner. Kerstin Korn und Janet Schramm überreichen ihn an Kirsten Schwabe von der Unfallkass © Foto: Irina Voigt/MOZ
Irina Voigt / 20.01.2016, 05:55 Uhr
Hönow/Fredersdorf-Vogelsdorf (MOZ) Seit zwei Jahren unterstützt die Unfallkasse ein Sport- und Spielprojekt für Krippenkinder. Sechs Einrichtungen, die am dem Projekt "Lasst mir Zeit" teilnehmen, werden derzeit begleitet. Neu in der Runde ist eine Hönower Kita, ein Jahr Erfahrung sammelte inzwischen eine in Fredersdorf-Vogelsdorf.

Den Lärm und Dreck haben Kinder und Erzieher der Kita Rappel-Zappel in Hönow im September gern ertragen. Denn am Ende der Bauarbeiten stand ein großer heller Gruppenraum für noch mehr Bewegungsfläche der Kleinsten zur Verfügung. "Es hat sich definitiv gelohnt. Die jetzige Situation mit viel mehr Raum zum Spielen hat dazu beigetragen, dass alles viel entspannter zugeht", erklärte Kita-Leiterin Anja Liebelt. Das wurde auch deutlich, als die Krippenkinder die neuen Spielgeräte des Projekts der Unfallkasse Brandenburg "Lasst mir Zeit" eroberten. "So sollen Kinder in ihrem Bewegungsdrang und der Ausbildung ihrer Motorik unterstützt werden", erklärten die beiden Erzieher Stefan Genest und Andrea Kuhnke.

In der Kita "Pfiffige Krümel" in Trägerschaft des Vereins Kinderland Krümelbude gGmbH in Fredersdorf-Vogelsdorf gehört der Pikler-Raum seit etwas über einem Jahr bei den Kleinsten zu den liebsten Spiel- und Sportplätzen. Kleine Podeste, Kisten zum Rein- und Durchkrabbeln, Leitern und Wippe - James, Aiden, Amely, Larissa und die anderen lieben sie. Auch, wer noch gar nicht laufen kann, krabbelt mutig hinter den anderen her und schaut sich so manches ab.

Die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler (1902 bis 1984) hatte für die bis zu Dreijährigen eine Methode entwickelt, die Wert darauf legt, dass Kinder ihre Motorik in ihrem eigenen Tempo schulen. Dabei klettern, robben, rutschen sie auf Spielgeräten, die nach Vorschlägen der Gymnastiklehrerin Elfriede Hengstenberg (1892-1992) entwickelt wurden. Nur im Notfall greifen Erzieher ein.

"Zu Beginn ist uns genau das recht schwer gefallen, wenn ein Kind hoch hinaufkletterte", erinnert sich Kerstin Korn. Denn "auch Hinfallen muss gelernt werden". Jeden Tag sei zu beobachten: Kinder werden mit dem Auto zur Kita gebracht, sitzen sicher im Fahrradsitz, werden zur Tür hineingetragen. Überbehütet und immer unter Aufsicht werde ihnen jeder Schritt leicht gemacht, wissen die Kita-Pädagogen aus ihren Beobachtungen.

Die Kita hatte vor Jahresfrist einen Kooperationsvertrag mit dem Spielzeugpädagogen Peter Fuchs und der Unfallkasse unterschrieben - nun legte sie eine umfangreiche Dokumentation dazu vor. Akribisch wurden die Kinder beobachtet, Fortschritte festgehalten, Besonderheiten in der Entwicklung aufgezeigt. Jetzt möchten alle ihren Pikler-Raum nicht mehr missen. Mit 500 Euro förderte die Unfallkasse das Projekt. Jetzt wollen die Kita-Leute die Geräte kaufen. Die Restsumme von 1300 Euro legt der Verein drauf. Schade sei nur, sagt die pädagogische Leiterin sämtlicher Kitas in Vereinsträgerschaft, Janet Schramm, dass im Haus der Pfiffigen Krümel in der Waldstraße der Platz für das Nachfolgeprogramm à la Hengstenberg fehlt.

Aber im Ersatzbau für die Krümelbude in der Lindenstraße, der in der Walter-Kollo-Straße entstehen wird, stehen diese Projekte ganz oben auf der Wunschliste der Erzieher und inzwischen auch der Eltern.

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