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Landratskandidat der Piraten will Establishment aufmischen

Raimond Heydt
Raimond Heydt © Foto: privat
24.01.2016, 13:05 Uhr - Aktualisiert 29.01.2016, 16:39
Nauen (red/pat) Raimond Heydt ist Landratskandidat der Piratenpartei. Der 42-Jährige ist am Sonnabend in Nauen einstimmig gewählt worden. Er erhielt fünf von fünf möglichen Stimmen und will nun eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit seinem Wahlkampfteam dem politischen Establishment zusetzen. Allerdings wissen die Piraten selbst auch, dass sie wohl weniger als nur Außenseiterchancen haben werden.

„Das System ist korrupt. Parteiproporz wird über das Gemeinwohl gestellt und der Begriff des Wahlversprechens ist längst zu einer reinen Worthülse auf Kosten der Bevölkerung verkommen. Die Menschen wenden sich zu recht von diesem System ab. Die Fundamente unserer Gesellschaft tragen nicht mehr und müssen neu definiert werden. Dieses Feld will ich nicht Pegida & Co. überlassen. Ich sage: Gleiche Rechte für alle Menschen. Das gilt insbesondere auch für das Menschenrecht auf Freizügigkeit und das Recht auf Arbeit“, so Heydt am Sonnabend nach seiner Wahl.

Die Piraten wollen auf eine „gläserne Verwaltung“ setzen, weil Transparenz die Voraussetzung für Teilhabe sei. Kritisch denkende und eigenständig verantwortlich handelnde Menschen seien das Fundament, das eine Demokratie brauche, um dauerhaft funktionieren zu können. „Deshalb werde ich als Landrat jeden verfügbaren Cent in die Bildung und Erziehung unserer Kinder stecken. Bei zentralen Zukunftsfragen der Kreisentwicklung soll die Bevölkerung per direkter Abstimmung und nicht mehr der Kreistag entscheiden“, wie Heydt, offenbar ziemlich selbstbewusst, weiter betonte. Ob der Kandidat der Piraten zunächst einmal überhaupt für die Landratswahl zugelassen wird, steht dagegen noch deutlich in den Sternen geschrieben, schließlich schweben die beglaubigt beim Kreiswahlleiter vorzulegenden 112 Unterstützerunterschriften wie ein Damoklesschwert über ihm.

Übrigens: Die havelländischen Piraten haben auch einen neuen Vorstand gewählt. Neben Heydt, der weiterhin Vorsitzender bleibt, wurden Nicole Niemoth aus Ketzin als Schatzmeisterin und Rainer Kieker aus Falkensee als Generalsekretär einstimmig in ihrem Amt bestätigt. Während des Parteitages sprach sich die Akteure gegen die bereits genehmigte Hühnermastanlage im Naturschutzgebiet Schwergow aus, deren Betrieb wohl auch zu spürbaren Beeinträchtigungen im benachbarten Ketzin führen werde. Des weiteren beschloss die Piratenpartei sich für die seit 100 Jahren existierende Schiffbarkeit der Kanäle der Havel bei Ketzin einzusetzen. Zudem wurde wirtschaftspolitische Beschlüsse gefasst, etwa mit dem Ziel durch Entbürokratisierung unternehmerische Initiative zu erleichtern.

Am Rande: Die Piratenpartei hat derzeit im Havelland ein Dutzend weitgehend aktive Mitglieder – offiziell laut Angaben von Heydt jedoch mehr Akteure. Aber: Die „Karteileichen“ sollen künftig den Laufpass erhalten, wenn sie nicht doch noch ihre Mitgliedsbeiträge zahlen.

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