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Henning Kraudzun 28.01.2016 20:40 Uhr

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Videokonferenz mit dem Therapeuten

Berlin/Potsdam (MOZ) Mit dem im Januar in Kraft getretenen E-Health-Gesetz soll die Digitalisierung im Gesundheitswesen beschleunigt werden. Einen Schwerpunkt bilden Videosprechstunden. Zwei Krankenkassen testen bereits diese Angebote.

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Im Sprechzimmer von Alexander Kugelstadt stehen eine gelbe Couch, zwei Sessel und ein schlichter Schreibtisch, auf dem ein kleiner Stapel Taschentücher bereit liegt. Allerdings nehmen nicht alle Patienten auf den Möbeln Platz, um über ihr Seelenleben zu sprechen. Für manche Fälle startet der Arzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie eine Computer-Software und setzt sich Kopfhörer auf.

Kugelstadt ist einer der ersten Ärzte seines Fachgebiets, die sich per Videokonferenz mit den Patienten unterhalten. Zusammen mit 16 Kollegen am Institut für psychogene Erkrankungen in Berlin-Wedding nimmt er an einem Pilotprojekt der AOK Nordost teil, für das es jetzt grünes Licht der Berliner Ärztekammer gab. Die Behandlung für AOK-Patienten kann nun teilweise aus der Ferne stattfinden.

"Psychotherapien sind für diese Sprechstunden absolut geeignet", sagt Kugelstadt. "Denn es ist in bestimmten Fällen nicht entscheidend, ob ein Patient hier auf der Couch sitzt oder sich per Internet zu seinem Arzt verbindet." Von dem Angebot könnten vor allem Betroffene profitieren, die weite Wege zum Arzt haben oder einen Auslandsaufenthalt planen. Dies führe dazu, dass die Therapie unterbrochen werde.

Kugelstadt berichtet von einer jungen Patientin, die ein Semester in Stockholm studieren will, diesen Schritt aufgrund ihrer Angsterkrankung aber gescheut hat. "Mit der Videosprechstunde würde der Kontakt nicht abreißen", verdeutlicht der Arzt, der das Internet schon lange für seine Arbeit nutzt, einen Blog betreibt und Podcasts herausgibt. Ebenso denkt er an eine Patientin, die aus Wittenberge (Prignitz) zu den Sitzungen anreist - und dafür insgesamt vier Stunden im Auto sitzt. Aber auch Menschen mit schweren Erkrankungen, die psychisch darunter leiden, blieben beschwerliche Wege erspart.

Womöglich könnte das Angebot auch Versorgungsengpässe in Brandenburg abmildern, hofft Kugelstadt. Immer wieder hört er die Klagen von Patienten aus dem ländlichen Raum, die Probleme haben, einen Therapeuten mit freien Kapazitäten zu finden. Zuweilen bleibe ihnen nach einer Odyssee nichts anderes übrig, als sich in eine Fachklinik einweisen zu lassen.

Ersetzen sollen die 50-minütigen Video-Gespräche allerdings keine herkömmliche Therapie. "Wir lernen die Betroffenen zuerst immer persönlich kennen, stellen eine Diagnose und erarbeiten einen Behandlungsplan", betont Kugelstadt. Regelmäßige Präsenz in der Praxis sei grundsätzlich weiter erforderlich.

Der Leiter des AOK-eigenen Centrums für Gesundheit, in dem neben dem Institut für psychogene Erkrankungen knapp 20 weitere Praxen angesiedelt sind, kann sich eine Ausweitung der Videosprechstunden vorstellen, etwa im Bereich Allgemeinmedizin. "Das hat großes Potenzial", sagt Rainer Schmidt. Vorerst läuft die Testphase ein Jahr.

Die technischen Voraussetzungen sind aus seiner Sicht gegeben. Verbindungen zwischen den Computern der Ärzte und Patienten werden verschlüsselt, vor jeder Sitzung muss ein Tan wie beim Online-Banking eingesetzt werden. "Dadurch ist der Patient nur für den Therapeuten identifizierbar", erklärt Schmidt.

Mit dem Angebot steht die AOK Nordost nicht allein da. Die Techniker Krankenkasse startete im September ein entsprechendes Pilotprojekt mit fünf Hautärzten im Internet. Diese können im virtuellen Wartezimmer für Wiederholungstermine konsultiert werden. Derzeit werde mit dem Berufsverband über eine Ausweitung des Service verhandelt, sagt die TK-Sprecherin Heike Weinert. Auftrieb erhalten diese Projekte auch durch eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung: Demnach kann sich jeder zweite Bundesbürger vorstellen, seinen Arzt per Computer zu konsultieren.

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