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Friedenszeiten im Grenzstreifen

Der Mond spendet Licht: Der Bergfelder Grenzturm war am Sonnabend Schauplatz einer ungewöhnlichen Dia-Show.
Der Mond spendet Licht: Der Bergfelder Grenzturm war am Sonnabend Schauplatz einer ungewöhnlichen Dia-Show. © Foto: Inez Bandoly
Inez Bandolny / 15.02.2016, 03:30 Uhr
Bergfelde (OGA) Zu einer außergewöhnlichen Dia-Show am ehemaligen Grenzturm, dem heutigen Naturschutzturm Deutsche Waldjugend in Bergfelde, hatte der Waldjugendverein am Sonnabend eingeladen. Gezeigt wurden gut hundert Fotos, die die einst schwer bewachte Grenze zwischen Bergfelde und dem Berliner Ortsteil Frohnau wieder heraufbeschworen, die aber auch zeigten, wie sich das Leben am einstigen Todesstreifen seither wieder normalisiert hat.

Also deutsch-deutsche Geschichte ein gutes Vierteljahrhundert, nachdem auch hier die Mauer gefallen war. Der Anlass, diese Show an diesem Wochenende zu zeigen, hatte einen ganz konkreten Hintergrund: Am 17. Februar 1990 konnten erstmals wieder Fahrzeuge die B 96 zwischen dem damals noch in der DDR liegenden Hohen Neuendorf und Frohnau im damaligen Westberlin passieren.

Der Hohen Neuendorfer Marian Przybilla hat die Veränderungen des Geländes sowie des Turms festgehalten. In seinem Archiv hatte er nach Bildern gesucht - zirka 800 Motive, Dias und Schwarz-Weiß-Abzüge standen zur Verfügung. Er traf eine Bilderauswahl, beginnend mit der Zeit ab 1991 rund um den ehemaligen Grenzturm. Die ersten Dias erinnerten an die Zeit, als das einstige Niemandsland wie ein Wüste wirkte und der Turm, nachdem er seine grausame Funktion verloren hatte, vor sich hin rottete. Andere Fotos dokumentieren dessen Wiederaufbau und die Pflanzaktionen in seiner Umgebung.

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit schien die Mondsichel am schwarzblauen Himmel und flackerte ein Feuer auf dem Gelände vor dem Turm. Mitglieder der Deutschen Waldjugend hatten sich schon Stunden zuvor getroffen, um Scheite für die Feuerschalen zu spalten. Dort sammelten sich erste Gäste, während Przybilla hinter dem Gebäude eine Leiter aufstellte und darauf einen Dia-Projektor platzierte. "Alte Bilder, alte Technik", scherzte er beim Versuch, erste Bilder an die Wand des Turmes zu werfen. Derweil richtete Michael Link das Stativ und brachte seinen Fotoapparat in Stellung. Der gebürtige Hamburger kam beruflich nach Bergfelde, er genießt hier heute seinen Ruhestand und fotografiert gern.

Er nutzte die Gelegenheit, um Geschichtliches aus erster Quelle zu hören und vor allem zu sehen. Mit ihm begrüßte Przybilla mehr als ein Dutzend Besucher und stellte die Jugendlichen des Waldjugendvereines vor, die den Turm sowie dessen Umgebung nutzen und viele neue Ideen haben. Zum Verein gehört Vincent Erdmann, der seit seinem achten Lebensjahr Mitglied im Verein ist. Mittlerweile ist er dessen Vizevorsitzender. Der heute 25-Jährige, der zwischenzeitlich in Baden-Baden lebte, ist an diesem Abend auch Veranstaltungstechniker.

Der fotografische Rückblick war der Auftakt für die diesjährigen Aktivitäten. Beim Frühlingsfest am Sonnabend, 12. März, werden am Naturschutzturm die neuen Projekte vorgestellt. Mit dabei ist Nadine Weiß. Die Biologin aus Bamberg hat viele Ideen. Vom Mauerfall hat die heute 33-Jährige damals nicht viel mitbekommen. Zur Waldjugend ist sie aus Liebe zur Natur gestoßen. Und am Grenzturm hat sie viel über die deutsche Teilung gelernt. Künftig wird sie die Naturschutz- und Bildungsarbeit unterstützen.

Der ehemalige Grenzturm, seit 2009 unter Denkmalschutz, gehört zu den letzten vier von einst 302 Wachtürmen rund um Westberlin. Der bis zum Mauerfall kahle Grenzstreifen ist längst mit Bäumen bepflanzt - friedliche Natur. Dass dies einmal anders war, dafür stehen vier Gedenktafeln. Auf ihnen wird an vier Menschen erinnert, die hier auf der Flucht erschossen wurden.

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