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Geplante Beschränkung auf 5000 Euro wird von Autoverkäufern skeptisch gesehen

Händler-Kritik an Bargeldgrenze

Mit Grün bitte bestätigen: Geht es nach Plänen der Bundesregierung, soll Bargeld nur noch bis 5000 Euro erlaubt sein. Vor allem EC-Karten würden dann verstärkt zum Einsatz kommen. Doch Autohändler der Region halten die Beschränkung für nicht praktikabel.
Mit Grün bitte bestätigen: Geht es nach Plänen der Bundesregierung, soll Bargeld nur noch bis 5000 Euro erlaubt sein. Vor allem EC-Karten würden dann verstärkt zum Einsatz kommen. Doch Autohändler der Region halten die Beschränkung für nicht praktikabel. © Foto: MOZ
Hubertus Rößler / 18.02.2016, 05:37 Uhr
Eisenhüttenstadt/Beeskow (MOZ) Die geplante Bargeldgrenze stößt auf Kritik. Vor allem Autohändler halten die Beschränkung für nicht praktikabel. Die Bundesregierung hat angekündigt, sich im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung für eine EU-weit einheitliche Bargeldzahlungsgrenze in Höhe von 5000 Euro einzusetzen.

Bargeld erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Besonders beim Kauf von Autos, Küchen oder anderen hochpreisigen Artikeln werden nicht selten Summen im fünfstelligen Bereich in bar beglichen. Davon berichtet auch Matthias Klawunn, Verkäufer im Beeskower Skoda-Autohaus am Bahnhof. "Gerade im Gebrauchtwagenbereich laufen viele Geschäfte nur mit Bargeldzahlung. Wer zum Beispiel in einer anderen Stadt ein Auto anschaut, weiß ja nicht unbedingt vorher, ob er das Fahrzeug auch wirklich kaufen will. Eine Vorüberweisung geht also nicht", erklärt er. Das Auto direkt mitnehmen ginge ohne Bargeld aber auch nicht, da der Händler für seine Leistung eine Gegenleistung haben will. "In der Praxis wäre eine Bargeldbegrenzung gerade in unserer Branche schwer zu realisieren, daher bin ich gegen eine solche Regelung", sagt Klawunn.

Der Verkäufer erzählt außerdem, dass viele Autohäuser mittlerweile keine Schecks mehr akzeptieren würden. "Auch Kartenzahlungen sind oft problematisch, da solch große Beträge nicht ohne weiteres abgebucht werden können. Außerdem fallen bei dieser Zahlweise hohe Gebühren an."

Ebenso wenig begeistert von der Idee der Politik ist Uwe Breuer. Der Filialleiter von Renault König in Eisenhüttenstadt berichtet, dass vor allem ältere Menschen vorwiegend auf Scheine vertrauen. "Ich hoffe, dass dieses Gesetz nicht kommen wird und alles beim Alten bleibt. Aus unserer Sicht wäre es auch gar nicht notwendig, da wir ohnehin ab 5000 Euro die Personendaten registrieren, um Geldwäsche zu unterbinden", erklärt er.

Keine Sorgen wegen des neuen Gesetzesvorschlags hat hingegen Holger Fürstenberg von der gleichnamigen Automobile GmbH in Eisenhüttenstadt. "Bei uns zahlen fast alle Kunden mit Karte beziehungsweise lassen sich ihr Fahrzeug finanzieren oder leasen. Daher würde uns diese Neuregelung nicht sonderlich betreffen. Davon abgesehen glaube ich aber nicht, dass es tatsächlich so weit kommen wird. Ich halte die Debatte für Panikmache", meint Fürstenberg.

Ebenfalls keine Bedenken hat Carsten Lehmann. Der Marktleiter vom Möbelhaus Roller in der Nordpassage berichtet, dass ein Großteil der Kundschaft EC-Karten verwendet. "Natürlich zahlt auch immer mal wieder jemand in bar, aber an eine Summe über fünftausend Euro kann ich mich nicht erinnern. Von daher würde uns die Bargeldgrenze nicht tangieren", sagt Lehmann.

Ähnlich verhält es sich nebenan bei Ratiomat-Einbauküchen. "Wir sehen da keine Probleme, hier wird überwiegend mit Karte gezahlt", sagt die Verkäuferin. Auch bei Innova-Küchen quer gegenüber sieht man der Entwicklung entspannt entgegen. "Es kommt schon mal vor, dass unsere Kunden auch höhere Beträge in bar zahlen. Gerade ältere Menschen scheinen häufig nicht unbeträchtliche Summen zu Hause zu lagern", berichtet Inhaber Andreas Jarosch. Doch große Probleme sieht er bei der geplanten Begrenzung für seine Branche nicht. "Einige Kunden müssten sich zwar umstellen, aber insgesamt würde unser Geschäftsbetrieb normal weiterlaufen."

Roger Düring, Verkaufsberater im Autohaus Dürkop in Eisenhüttenstadt, ist da weitaus skeptischer. "Nicht wenige unserer Kunden legen bei der Abholung ihres Wagens Bargeld auf den Tisch. Dabei sind auch Summen von 30 000 Euro oder mehr keine Seltenheit", berichtet er. Für viele Menschen sei die Barzahlung einfach am praktischsten. "Die meisten EC-Karten sind für diese Summen gar nicht freigeschaltet. Und bei einer Überweisung muss der Kunde erst warten, bis der Händler das Geld erhalten hat", erklärt er.

Auch bei Käufen unter den Händlern gehöre Bargeld zum Geschäft. "Alles andere wäre in der Auto-Branche nicht praktikabel und sehr schwer umzusetzen. Eine Grenze von 5000 Euro ist einfach zu niedrig", sagt Düring. Schon jetzt schreibe das Gesetz vor, dass Käufer bei Bargeldsummen ab 20 000 Euro eine Legitimation vorweisen müssen. "Bei der Dürkop-Gruppe ist diese Grenze sogar auf 15 000 Euro herabgesetzt."

Der Verkaufsberater hofft, dass sich die Idee der Bundesregierung nicht durchsetzt. "Die Deutschen sind mit Barzahlung groß geworden und wollen nicht darauf verzichten. Und der nächste Schritt wäre dann das völlige Abschaffen von Bargeld - aber das halte ich zumindest hierzulande für nicht umsetzbar", sagt Düring. Damit bestätigt er aktuelle Umfragewerte, laut denen sich 80 Prozent der Deutschen gegen die Abschaffung von Bargeld aussprechen - getreu dem Motto: Nur Bares ist Wahres.

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