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Wirt überzeugt mit Regionalität

Ausgezeichnet: Mathias Schirmer (l.) von Slowfood Deutschland überreicht Alfons Breier, Inhaber von "Breiers Kräutergarten" in Rathsdorf bei Wriezen, die Urkunde "Genussführer 2016".
Ausgezeichnet: Mathias Schirmer (l.) von Slowfood Deutschland überreicht Alfons Breier, Inhaber von "Breiers Kräutergarten" in Rathsdorf bei Wriezen, die Urkunde "Genussführer 2016". © Foto: MOZ
Steffen Göttmann / 05.03.2016, 06:15 Uhr
Rathsdorf (MOZ) Alfons Breier, Inhaber der Gaststätte "Breiers Kräutergarten" in Rathsdorf ist per Urkunde als "Genussführer 2016" ausgezeichnet worden. Der Verein Slowfood Deutschland verlieh ihm den Preis zum dritten Mal in Folge.

Dass sich eine Gruppe von Gästen an einem Tisch niederlässt und jeder ein anderes Gericht bestellt, ist für Alfons Breier Alltag. Deshalb hat er auch von den Restauranttestern von Slowfood Deutschland nichts gemerkt, die irgendwann im Lauf des vergangenen seinem Essen und seinem Service auf den Zahn fühlten.

"Wir überprüfen, ob sich unsere Mitglieder an die Grundkriterien halten", sagte Mathias Schirmer vom Vorstand des Conviviums Barnim-Oderland von Slowfood Deutschland, der Alfons Breier am Freitag die Urkunde überreichte. Dieser Regionalverband betreut Gasthäuser in den Landkreisen Märkisch-Oderland und Barnim sowie der Stadt Frankfurt (Oder), Teilen der Uckermark und des Landkreises Oder-Spree.

"Gesund, sauber und fair" müssen die Produkte einer Gaststätte sein, wenn sie sich mit der begehrten Urkunde schmücken will. Slowfood - langsames Essen - ist das Gegenteil von Fastfood - schnellem Essen. "Das ist genussvolles, bewusstes und regionales Essen", definiert Schirmer, der einst in Schiffmühle die Gaststätte "Gänseblümchen" betrieb, das Ziel des Vereins. "Die Zutaten müssen sauber und fair sein, die Produkte gut und ehrlich hergestellt werden", ergänzt er. So sollen die Spargel von einem Hof bezogen werden, der seine Mitarbeiter ordentlich entlohnt und für die Herstellung der Ware wenig oder besser gar keine Giftstoffe einsetzt. "An Bio kommt keiner vorbei", versichert Schirmer.

Problem sei, erklärt Alfons Breier, dass die Bioläden in der Region noch dünn gesät seien, der nächste sei erst in Eberswalde. Dort kauft er beispielsweise Gemüse hinzu, wenn die Lager geleert sind. Gelegentlich bezieht er dort Steinsalz, wenn es gerade ausreichend angeboten wird, was nicht immer der Fall sei. Gerade in dieser Jahreszeit sei kaum noch frische Ware aus der Region zu bekommen, so der Wirt. Zu Kartoffeln und Steckrüben gebe es wenig Alternativen. "Ich habe kürzlich einer Kochgruppe gezeigt, wie man mit Steckrüben gefüllte Nudeln herstellt, sagt Schirmer. Im Oderbruch seien sie als Wruke bekannt. Der 65-Jährige ist jetzt Rentner und berät die neue Gastwirtschaft des Theater am Rands. "Wir richten uns vegetarisch aus, bieten aber auch Fleisch an", sagt er.

Alfons Breier bezieht seine Kartoffeln von einem Hof in Platzfelde, den Spargel von einem Bauer aus Neuküstrinchen und seinen Fisch von der Seenfischerei Angermünde. Das Wild komme aus den Wäldern der Region. Das Gemüse und die Kräuter pflanzt er im Garten hinter seiner Gaststätte selber an. Die Ernte reicht aus, um im Sommer in der Küche verarbeitet zu werden. Nur das Fleisch bezieht er aus dem Großmarkt. Die Angebote von Biobauern der Region reichten nicht aus, um den Bedarf einer Gaststätte mit á la carte-Betrieb zu decken, die zu einem vernünftigen Preis arbeiten muss.

Breier sei dabei alte Oderbruch-Gerichte, die kompliziert zubereitet werden, wieder aus der Klamottenkiste zu holen. Schirmer lobt vor allem sein Fliedermus. Dass der Rathsdorfer Wirt zum dritten Mal die Auszeichnung bekommen habe, sei kein Selbstläufer. "Wir haben auch schon Auszeichnungen abgelehnt", versichert Schirmer. Die Tester setzten sich zusammen aus Köchen, Restaurantfachleuten, aber auch gewöhnlichen Kunden, die gerne Gaststätten aufsuchen. "Ein guter Service kann manchmal noch ein weniger gutes Essen ausgleichen", so Schirmer.

Die Tester achten darauf, dass die Karte über die Herkunft der Produkte informiert. "Das Angebot sollte so transparent wie möglich sein", sagt Mathias Schirmer. Ansonsten haken die Testgäste nach und fragen den Servicekräften Löcher in den Bauch. "Das kann schon ein Indiz für Restauranttester sein", sagt der Rathsdorfer lachend.

Seit 2003 betreibt Alfons Breier in dem Wriezener Ortsteil seine Gaststätte, die sich steigender Gästezahlen erfreut. "Ich kann mich nicht beklagen", unterstreicht der Wirt. Die Kunden kommen aus der Region Bad Freienwalde, aus dem Oderbruch, aus dem Raum Eberswalde, vor allem im Sommer aus Berlin und "manchmal auch aus Rathsdorf", fügt er schmunzelnd hinzu. Erfolgreich ist Alfons Breier auch mit seinen Kräuterseminaren, die er jeden Donnerstag hält. Wegen der großen Nachfrage bietet er inzwischen jeweils zwei Kräuterkurse an einem Tag an.

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