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Geschichtsunterricht am Bergfelder Grenzturm

Geschichtsunterricht auf hoher Ebene: Auf dem Dach des alten Wachturms ließen sich die Zehntklässler von Vincent Erdmann (rechts) die Funktion dieser "Führungsstelle" selbst sowie den Ausblick Richtung Frohnau erklären.
Geschichtsunterricht auf hoher Ebene: Auf dem Dach des alten Wachturms ließen sich die Zehntklässler von Vincent Erdmann (rechts) die Funktion dieser "Führungsstelle" selbst sowie den Ausblick Richtung Frohnau erklären. © Foto: MZV
Heike Weißapfel / 09.03.2016, 09:25 Uhr
Hohen Neuendorf (OGA) Manche sind schon an dem alten Grenzturm vorbeigegangen, diesmal unternehmen sie mit ihrem Geschichtslehrer Kristof Wenger eine Exkursion nach Bergfelde. Zehntklässler aus dem Glienicker Gymnasium haben sich am Montagnachmittag am Naturschutzturm mit der Geschichte der Berliner Mauer beschäftigt.

Nachdem die Jugendlichen über schmale Leiterstufen das Dach des Turms erklommen haben, werden erst einmal die Handys zum fröhlichen Fotografieren gezückt. Vincent Erdmann vom der Deutschen Waldjugend erklärt, wie es auf dem Wachturm einst zuging. Die Wachhabenden kannten sich in aller Regel nicht. Absprachen - zur Flucht womöglich - sollten damit verhindert werden. Selbst schon als Kind bei der Waldjugend, berichtet Vincent Erdmann über die Verwandlung des Grenzstreifens nach der Wende, die er selbst mitgestaltet hat. Vom Turm aus können die Zehntklässler die Gegend mit den inzwischen hoch gewachsenen Bäumen gut überblicken. Der Todesstreifen wird ihnen erklärt. Den alten Bunker am anderen Ende des Geländes finden die einen spannend, anderen ist es zu eng in den schmalen Gängen und wieder andere ekeln sich vor den Spinnen und flüchten schnell wieder ins Freie.

Am kleinen Gedenkort für die vier Maueropfer, die in unmittelbarer Nähe zu Tode kamen, werden aber alle ganz ernst. Wann die Mauer errichtet wurde, die Frage können einige beantworten. Warum wohl wollten Marienetta Jirkowsky, Joachim Mehr, Willi Born und Rolf-Dieter Kabelitz weg aus der DDR? Sie waren damals nur wenig älter als die Zehntklässler, die jetzt an den Tafeln mit ihren kurzen Lebensläufen stehen.

Vielleicht war es die Hoffnung, einen besseren Job im Westen finden. Oder sie lernten nicht gerne Russisch. Oder sie wollten einfach für sich sein, das tun, was sie wollten. Viele Gründe sind ganz schnell gefunden.

Zum Unterrichtsthema "deutsche Teilung" passt dieser Ausflug zum früheren Grenzturm sehr gut, sagt Kristof Wenger. Fächerübergreifend nähern sich die Schüler dem Stoff von mehreren Seiten an. So steht auch eine Begegnung mit der Schriftstellerin Grit Poppe auf dem Stundenplan. Die Jugendbuchautorin liest im Deutschunterricht aus ihrem Roman "Weggesperrt", in dem ein 14-jähriges Mädchen in den berüchtigten Jugendwerkhof Torgau gerät. Ein Zeitzeugengespräch mit einem Glienicker, der nach missglücktem, aber überlebtem Fluchtversuch inhaftiert wurde, haben die Jugendlichen ebenfalls geführt.

Die Gymnasiasten haben bei ihren Recherchen Glienicke als einen geschichtsträchtigen Ort kennengelernt. Von dort zum ehemaligen Bergfelder Grenzturm war es nicht mehr als ein Katzensprung auf dem Rad.

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