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Jörg Brause 18.03.2016 10:39 Uhr

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Ohne Farbe keine Kunst

Potsdam (MOZ) Aus den Fotografien von Katja Gragert scheint die Farbe fast gänzlich verschwunden zu sein. Wie herausgesogen aus den brandenburgischen Häusern, die die Potsdamerin fotografiert hat. Nur weiße Wände und wenige farbige Details bleiben sichtbar. Da ragt ein roter Giebel über eine blass-graue Mauer, die wie fast alles in dem steril und künstlich anmutenden Bild nahezu unsichtbar erscheint.

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Bewusst überbelichtet: Fotografie von Katja Gragert aus ihrer Serie "Gegen die Wand"

© promo

Diese Fotografie ist eines von vier Motiven aus Katja Gragerts Serie "Gegen die Wand", die in der Produzentengalerie M zu sehen sind. Auf den Aufnahmen fügen sich Straßenwinkel von märkischen Dörfern und Städten zu ansprechenden geometrischen Strukturen und Formen, über die Licht flutet, das alles in ein gleißendes Weiß taucht. Ein Effekt, den die Fotografin durch eine immense Überbelichtung der Aufnahmen erzielt.

"Es sind die einfachen, die gewöhnlichen Dinge und vernachlässigte, scheinbar nebensächliche Details, die mich anziehen und fotografisch reizen, ob in Brandenburg oder den USA", sagt Katja Gragert. Wie die bunten Blümchen und Ostereier an einem Strauch in einem deutschen Vorgarten oder das Satteldach eines Einfamilienhauses, das wie in einer Kathedrale in die Höhe strebt aus der zweiten Serie "Let the happiness in".

Es sind Fotografien einer mitunter trostlosen und langweiligen, vom Menschen selbst geschaffenen Umwelt. Dennoch spricht Katja Gragert das alles auch an. Für sie sei es faszinierend, wie ästhetisch ein simpler, von der Komplexität seines Umfeldes isolierter Ausschnitt wirken könne, so unscheinbar oder gar marode er auch sein mag. Dieser Zwiespalt in der Wahrnehmung von schönen Details des Alltäglichen, denen wir nicht mehr als einen flüchtigen Blick schenken, scheint in ihren hochgradig ästhetisierten Fotografien immer wieder auf.

Zusammen mit acht weiteren Künstlern ist Katja Gragert eines der neun Neumitglieder, denen der Brandenburgische Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler seine erste Ausstellung 2016 widmet. Mancher hat sich schon lange einen frischen Wind gewünscht, der neue, mutigere, Positionen, auch zu gesellschaftskritischen Themen, in die Galerie trägt, wie sie jetzt zu sehen sind und einen Besuch unbedingt lohnen. Die auch provozieren und aufrütteln. Die nicht nur mit den traditionellen Werkzeugen Zeichenstift, Pinsel und Farbpalette schaffen.

Es sind Positionen eines erweiterten Kunstbegriffes wie etwa die von Thomas Czimczik. Seine Installation sieht auf den ersten Blick aus wie ein Kleiderständer in einem x-beliebigen Kaufhaus, auf dem acht Teile aus hellblauem Oxford-Stoff aufgereiht sind. Bleibt die Farbe uniform, so variiert der Schnitt der handgenähten Jacken entsprechend der kulturellen Eigenheiten in Asien, Afrika oder Europa. Von denen neben den Stilen Western, dem arabischen Gallabiya, Old German, der Smoking und das Mao-Hemd die bekanntesten sein dürften. Es ist ein Statement gegen die Gleichmacherei der globalen Produktion, in der die kulturellen Besonderheiten verschwinden. "Es ging mir darum, etwas von der Handwerkskunst eines jeden Landes sichtbar zu machen", erklärt Czimczik. In Kooperation mit einem Schneider in Kairo nähte er auch einige Stücke selbst. Die chinesische Massenproduktion vor Augen, erscheint das revolutionäre Mao-Hemd schon wie Haut Couture.

Ob Blau oder Rot, ohne Farbe geht nichts in der Kunst. In der Fotografie von Andrea Juliette Grote von verwelkenden Tulpen nicht, in denen durch Mehrfachbelichtung das Vergehen der Zeit sichtbar wird. Oder in Vera Oxforts großformatigen Bildern voller Energie mit immer wieder aufgetragener Farbe. Impulsiv und kräftig wischt und spritzt Inka Lindemann Rot und Blau über die Leinwand. Emotional aufgeladen und expressiv sind auch die Pastelle von Johanna Görke. Gerald Haberlach führt den Zeichenstift turbulent über das Blatt - wilde Szenen wie in einem Comic. Aber auch aus Draht können Skulpturen entstehen, wolkenhaft weich wie die von Liz Mields-Kratochwil, die mal quadratisch sind oder sich wie der Wirbel eines Tornados zu drehen scheinen.

Bis 17.4. Mi-Fr 11-17 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, feiertags geschlossen, Produzentengalerie M, Charlottenstr. 122, Potsdam, Tel. 0331 2706538

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