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Premiere für Theaterjugendklub: Darsteller werfen in "Das Tierreich" ein Schlaglicht aufs Erwachsenwerden

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Zwischen Langeweile und dem Spielen mit der Gefahr: Mitglieder des Theaterjugendklubs, hier Alessandra Strutzke und Florian Ahlhelm, erzählen Geschichten einer Generation, die verloren scheint.
Zwischen Langeweile und dem Spielen mit der Gefahr: Mitglieder des Theaterjugendklubs, hier Alessandra Strutzke und Florian Ahlhelm, erzählen Geschichten einer Generation, die verloren scheint. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Eva-Martina Weyer / 09.04.2016, 05:15 Uhr - Aktualisiert 11.04.2016, 10:48
Schwedt (MOZ) Depressive Bilder begegnen dem Zuschauer in dem Stück "Das Tierreich". Der Theaterjugendklub der Bürgerbühne Schwedt hat es jetzt zur Premiere gebracht. Das vorwiegend junge Publikum im voll besetzten Saal spendete zum Schluss sogar stehenden Applaus.

Der Theaterjugendklub hat sich selbst den Namen MuT-Klub gegeben. Das Kürzel steht für Musik und Theater, auch wenn das Spiel mit den Buchstaben ganz bewusst das Wort "Mut" erzeugen soll. Doch die Geschichte, die die jungen Leute in ihrer neuen Inszenierung erzählen, macht keinen Mut. Die Story ist das Abbild einer offenbar verlorenen Generation.

Der Titel "Das Tierreich" entwickelt ein Gleichnis auf Jugendliche, die beim Erwachsenwerden ihre Kräfte messen, die sich balgen, verletzen, lieben wollen und sich gegenseitig zerstören - wie Tiere eben. Mit gackern, bellen, grunzen und fauchen erzeugen die Darsteller gleich zu Anfang eine Geräuschkulisse, die darauf einstimmt.

Die Autoren Michel Decar und Jakob Nolte sind für ihr Stück mehrfach ausgezeichnet worden. Doch eigentlich reiht es nur die Ereignisse eines Feriensommers aneinander: Eine Truppe junger Leute erlebt Wochen zwischen Langeweile und Party, aufkeimender Liebe und tiefer Feindschaft.

Dennoch bietet das Stück die Chance für die elf jungen Darsteller, ihr schauspielerisches Können zu testen und zu verfeinern. Diese Chance haben sie beherzt genutzt. Sie werfen ein Schlaglicht auf die Jugendszene einer Kleinstadt und entwickeln dabei allesamt eine starke Bühnenpräsenz.

Sie agieren auch dann, wenn ihre Rolle einmal in den Hintergrund tritt. Jeder spielt, als sei der Scheinwerfer ständig auf ihn gerichtet. So entfaltet das Stück eine ganz besondere Intensität. Dies verstärkt sich noch durch einen grün gezogenen Bühnenkreis, in dem sie agieren. Wer außerhalb steht, gilt als ausgestoßen.

Es wird viel geschrien in dieser Inszenierung. Im lauten Sommeralltag der Schülerclique gibt es kaum Nuancen. Doch Wut, Hass und Verzweiflung hätten mit stimmlicher Zurückhaltung an Ausdruck gewonnen.

Dennoch machen die Darsteller manche Rolle zum Charakter: Alessandra Strutzke vom Schwedter Gauß-Gymnasium spielt mit großem Selbstbewusstsein eine rotzfreche Göre, die um ihren Chinchilla heult und in der Mädchenband das Sagen haben will. Tina Müller aus Angermünde zeichnet eine überkandidelte Yogajüngerin, die fast schon komisch wirkt.

Die Eckpfeiler einer Kleinstadt zwischen Schule und Getränkemarkt setzen in dem Bühnenbild Gerüste aus Metall. Die Darsteller verschieben sie. So wird daraus mal eine Wand, mal ein Schrank oder das Gestänge mutet wie ein Gefängnis an.

Fabian Ranglack ist seit Sommer 2015 Schauspieler an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Er hat die Regie in dieser Produktion übernommen. Seine jungen Darsteller sind zwischen 15 und 26 Jahre alt und Laien. Viele müssen das erste Mal auf einer Bühne bestehen. Die Proben liefen nach dem Schulunterricht, der Ausbildung und dem Arbeitstag. Das Erschaffen von "Das Tierreich" hat sie zu einer eingeschworenen Gemeinschaft gemacht.

Der MuT-Klub gehört zu den vier freien Theatergruppen, die sich 2013 zur Bürgerbühne Schwedt zusammengeschlossen haben. Unter dem Dach der Uckermärkischen Bühnen Schwedt und mit deren zur Verfügung gestellter Fachkompetenz proben die Gruppen an ganz unterschiedlichen Stücken. Ihr Ziel ist es, sie zur Premierenreife zu führen. Reife Leistung! möchte man nach der Premiere des Theaterjugendklubs sagen.

Nächste Vorstellungen: 18. Mai und 1. Juni, 19 Uhr. Kartentelefon: 03332 538111.

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