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Hans Still 15.04.2016 05:15 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Eine Landschaft der Macht

Wandlitz (MOZ) Am 12. Mai eröffnet im Barnim-Panorama eine mit "Waldsiedlung Wandlitz - Eine Landschaft der Macht" überschriebene Ausstellung. Sie thematisiert die Zeit, als die Eliten der SED nahe Bernau ihr Zuhause hatten. Der Name "Waldsiedlung Wandlitz" soll ausdrücklich an die DDR-Geschichte erinnern.

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Die Mächtigen beieinander: Kurt Hager, Paul Verner, Horst Sindermann, Friedrich Ebert, Erich Honecker, Walter Ulbricht und seine Gattin Lotte sind auf diesem Foto zu sehen.

© Kopie BStU

Wenn die Ausstellung am 12. Mai eröffnet, dann wird gegen 11 Uhr pressewirksam ein älteres Volvo-Modell am Barnim-Panorama vorfahren. Dabei handelt es sich um das originale Gefährt, in dem einst Erich Mielke, Chef der Staatssicherheit, durch die Lande chauffiert wurde. Einem Autoliebhaber aus dem Landkreis Märkisch-Oderland war es in den 90-er Jahren gelungen, diesen Wagen zu ersteigern. Dieser Auftritt gestaltet quasi den Einstieg in eine Ausstellung, die einen historisch-kritischen Überblick über die Geschichte des 1958 errichteten und bis 1990 als Wohnsiedlung genutzten Komplex geben möchte. Dazu gehören Einblicke in das Leben der Mitglieder des Politbüros und das des für sie zuständigen Wach- und Dienstpersonals. "Für diese Ausstellung kam es zu einem Verbundprojekt, denn wir werden im Barnim-Panorama , aber auch an den originalen Schauplätzen in der früheren Waldsiedlung Exponate zeigen", verrät die Wandlitzer Kulturamtsleiterin, Claudia Schmid-Rathjen, schon mal vorab.

Sie gehörte zu den Vorbereitern der Ausstellung, die gemeinsam mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam erarbeitet wurde und finanziell von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Brandenburger Kulturministerium unterstützt wird. Doch zurück zur Ausstellung, von der Claudia Schmid-Rathjen hofft, dass sie beispielsweise durch alte, bislang unveröffentlichte Fotos für Gesprächsstoff sorgen wird. "Es gibt auch ganz irre Geschichten, über die ja noch sehr lange geschwiegen wurde", weiß die Historikerin.

Eine dieser, gleichwohl nicht unbekannten Geschichten ist beispielsweise das vermeintliche Honecker-Attentat vom Silvestertag 1982. An diesem Nachmittag drängte sich der Klosterfelder Handwerksmeister Paul Eßling mit seinem LADA in den Konvoi Honeckers und wurde daraufhin von den Personenschützern ausgebremst. Als sich dann ein Personenschützer dem LADA näherte, feuerte Eßling mit seiner Waffe auf den Mann und verletzte ihn schwer. Anschließend richtete Eßling die Waffe gegen sich und erschoss sich selbst.

Die anschließenden Ermittlungen sorgten für manche Überraschung und dürften einigen großen Ärger bereitet haben. Eßlich war der Stasi nicht unbekannt, er hatte in verschiedenen Häusern Öfen und Kamine gesetzt und galt als zuverlässiger Arbeiter. Als er wegen Trunkenheit am Steuer seine Fahrerlaubnis verlieren sollte, setzten sich Stasi-Mitarbeiter für ihn ein. Später sollte sich herausstellen, Eßling war ein Waffennarr, ein cholerischer und schwieriger Charakter ohne Familie. Just an diesem Silvestertag hatte sich eine Freundin von ihm getrennt.

Claudia Schmid-Rathjen kennt auch andere Geschichten aus Wandlitz. So soll ein ehemaliger Schuldirektor Margot Honecker bestellt haben, um mit ihr über Probleme mit der Tochter Sonja zu reden. Die damalige Bildungsministerin Margot Honecker habe mit dem Spruch in der Tür gestanden: "Ich komme nicht als Mutter." Die Konsequenz dieser Begegnung: Der Schuldirektor verlor an diesem Tag an dieser Schule den Leitungsposten. Der Bildhauer Waldemar Grzimek schenkte der damaligen Polytechnischen Oberschule "Erich Weinert" beispielsweise einen Flügel, und die Gattin von Willi Stoph, der damals Mitglied des Staatsrates war, unterrichtete in Wandlitz Englisch.

103 Exponate wurden durch die Ausstellungsmacher zusammengetragen. Da sind beispielsweise originale Kunstwerke aus der Waldsiedlung sowie Fotos und Dokumente aus diesem SED-Biotop, die nun auf Tafeln und Aufstellern zu finden sind. Aber auch Filme und Audio-Aufnahmen sind dabei. So berichtet ein Personenschützer, dass Honecker wirklich zweimal pro Woche zur Jagd ging. Gezeigt wird eine Dokumentation der damaligen Elf99-Redaktion vom 24. November 1989 mit dem Namen "Einzug ins Paradies", eine Reportage über einen Besuch in der Waldsiedlung.

Als Ausstellungsort fungiert einerseits das Barnim-Panorama, dort wird das Obergeschoss für die Ausstellung genutzt. Auf der Bodenkarte im Barnim-Panorama können die Gäste dann erhellenden Einsichten zum Immobilienmanagement der DDR-Oberen nachspüren. "Die Orte mit Bunkeranlagen oder anderen Einrichtungen werden auf dieser Karte markiert", berichtet Claudia Schmid-Rathjen. Immerhin 182 Objekte gehören dazu, bei vielen Gebäuden musste hinterher aufwendig ermittelt werden, wer eigentlich der Eigentümer ist. Der Honecker-Bunker in Prenden, der Mielke-Bunker in Biesenthal oder auch die Jugendhochschule Bogensee sind dabei die bekanntesten Objekte.

Auch in der Waldsiedlung werden an den originalen Schauplätzen Informationsstelen und Übersichtspläne zu finden sein, was die Wandlitzer Kulturamtsleiterin besonders freut. "Es gibt ja leider in der Waldsiedlung kein Museum, das auf die Geschichte dieses Ortes hinweist. Aber vielleicht setzen wir damit einen Anreiz, sich doch dieser Geschichte stärker zuzuwenden", hofft Claudia Schmid-Rathjen. Sie verweist auch darauf, dass es zur Ausstellungen zwei Buch-Publikationen geben wird. Ausgerechnet bis zum 9. November, dem Jahrestag des Mauerfalls, wird diese Ausstellung zu sehen sein.

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