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Mathias Hausding 25.04.2016 19:11 Uhr

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Online-Petition gegen Unterrichtsausfall

Eberswalde (MOZ) Elternvertreter aus dem Barnim wollen mit einer Online-Petition ein Zeichen gegen Unterrichtsausfall setzen. Auch wenn sich die Situation an einigen Schulen im Landkreis zuletzt entspannt hat, sehen sie weiterhin Verbesserungsbedarf.

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Bekommt Lob für seinen Kampf gegen Ausfall: Der Landeselternrat erkennt an, dass Bildungsminister Günter Baaske (SPD) alle Register zieht“, um den Unterricht abzusichern.

© Dietmar Horn/MOZ

Den vergangenen Herbst haben Sandra Lange und Lothar Clauder in keiner guten Erinnerung. Die beiden Elternvertreter, sie an der Grundschule in Lichterfelde, er an der Goethe-Oberschule in Eberswalde, fürchteten um den Lernerfolg vieler Kinder, weil Lehrer fehlten und massiv Unterricht ausfiel oder nicht fachgerecht vertreten wurde. In Lichterfelde halfen Eltern aus, um die Not zu lindern. Außerdem suchten Mütter und Väter über viele Kanäle Unterstützung. Einen Brief nach dem anderen schickten sie an Kommunal- und Landespolitiker, immer wieder gab es Gespräche mit dem Schulamt.

Nun, vier Monate später, kann Sandra Lange mit einem Lächeln auf jene Zeit zurückblicken. "Es geht bergauf. Wir sind gut aufgestellt", sagt sie über die derzeitige Personalsituation an der Schule. Kein Vater müsse mehr als Ersatzlehrer einspringen. "Und im Sommer kommen noch zwei neu eingestellte Lehrer", fügt die Vize-Sprecherin des Elternrats hinzu.

Auch an der Goethe-Schule sind die Sorgenfalten kleiner geworden. "Langzeitkranke Lehrer sind zurückgekehrt, und es wurden neue Pädagogen eingestellt", berichtet Lothar Clauder. "Weil die Eltern darum gekämpft haben, hat sich die Lage etwas entspannt." An die Behörden richtet er ein Lob. "Schulamt und Bildungsministerium bemühen sich sehr", sagt der Leiter der Elternkonferenz an der Eberswalder Goethe-Schule. Wolfgang Seelbach, Sprecher des Landeselternrats, sieht das ähnlich: "Die Leute im Ministerium haben verstanden. Sie gehen beim Thema Ausfall jetzt sofort jedem Einzelfall nach, fordern von uns Mängelberichte."

Dennoch bleiben die Elternvertreter skeptisch. "Es fehlen immer noch Lehrer - bei uns genauso wie an anderen Schulen", sagt Lothar Clauder. Deshalb erarbeiten Mütter und Väter im Barnim derzeit eine Online-Petition, mit der sie unter anderem eine Erhöhung der Vertretungsreserve erreichen wollen, damit plötzlich entstehende Lücken schnell geschlossen werden können. Außerdem wurmt die engagierten Eltern, dass Vertretungsunterricht häufig "nicht fachgerecht" erteilt werde, zuweilen reine Beschäftigungstherapie sei. Hier wünsche man sich ehrlichere Zahlen. "Nicht fachgerecht erteilter Unterricht sollte wie Ausfall gewertet werden", sagt Lothar Clauder. Wäre diese Zahl publik, gäbe es noch eine ganz andere Dynamik in der Bildungsdebatte, glaubt er.

Die Ausfallstatistik ist bundesweit ein heißes Eisen. Vor wenigen Tagen forderte der Deutsche Philologenverband die Länder auf, die Zahlen nicht länger statistisch zu verschleiern. Der Verbandschef geht davon aus, dass rund sieben Prozent der Stunden an den Schulen de facto nicht erteilt werden - dies stehe im Gegensatz zu den offiziellen Zahlen von meist unter zwei Prozent.

Florian Engels, Sprecher des Bildungsministeriums in Potsdam, kann den Vorwurf bezogen auf Brandenburg nicht nachvollziehen. "Wir veröffentlichen unsere Zahlen und sind genau", sagt er. In einer Tabelle, die er zur Erklärung liefert, ist jener Anteil von Unterrichtsstunden aufgeführt, der pro Schuljahr "zur Vertretung anfällt" sowie jener Anteil an Stunden, der vertreten wird und schließlich der Prozentsatz an Ausfall.

Im vergangenen Schuljahr war demnach der Anteil an Vertretungsstunden im Landesschnitt mit 10,4 Prozent erstmals seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000 zweistellig. 8,4 Prozent der Stunden wurden vertreten. Wie, das verrät die Statistik nicht. Und 1,9 Prozent der Stunden (in Zahlen: 234 549) fielen komplett aus.

Wolfgang Seelbach hält Brandenburg in Sachen Ausfall für ehrlicher als andere Länder. Aber er geht mit Verweis auf frühere Erhebungen davon aus, dass von den Vertretungsstunden "die Hälfte nicht sinnvoll erteilt wird". Eine durchaus verbesserungswürdige Quote, findet er. Auch am Zustandekommen der Ausfallzahlen gebe es Zweifel. "In der Vergangenheit haben wir zuweilen andere Daten ermittelt als die Behörden", sagt er. Da stehe der Verdacht im Raum, dass Direktoren und Schulräte mitunter "keine schlechten Zahlen nach oben melden wollten".

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