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Betroffene zeigen Wege aus seelischen Krisen

Olav Schröder / 13.05.2016, 07:55 Uhr
Bernau (MOZ) Der Bernauer Verein Mimose setzt sich dafür ein, dass Menschen, die selbst psychische Krisen erlebt haben, anderen bei der Genesung helfen können. Eine sogenannte Ex-In-Ausbildung wurde im Barnim bislang nur einmal absolviert.

Mit Susanne Ackers und Vladimir Bojic stellten sich am Mittwochabend zwei Genesungsbegleiter vor. Beide kommen aus Berlin und waren dort in einem "ganz normalen" beruflichen Alltag eingespannt. Susanne Ackers ist promovierte Kunsthistorikerin, arbeitete unter anderem als Dozentin in diesem Bereich. Vladimir Bojic war im Kunst- und Musikmanagement tätig. Beide erlebten vor wenigen Jahren heftige psychische Krisen, litten unter massiven Depressionen beziehungsweise Psychosen. Nach ihren erfolgreichen Therapien engagieren sie sich im psychosozialen Bereich und absolvierten verschiedene Zusatzausbildungen. Vladimir Bojic besucht heute als Heilpraktiker für Psychotherapie unter anderem Patienten, die an Alzheimer leiden sowie Wachkoma-Patienten und Hospize. So wie er absolvierte auch Susanne Ackers eine Ex-In-Ausbildung. Beide sind heute als Genesungsbegleiter tätig.

"Wer selbst einmal eine psychische Krise durchlebt hat, kommt bei einem Erkrankten anders an als ein professioneller Therapeut", beschreibt Siegrid Thiel, Vorsitzende bei Mimose, die Situation. Als ergänzendes Miteinander kann sie sich die Einbindung von Genesungsbegleitern in den Heilungsprozess vorstellen.

"Ex-In" leitet sich von dem Begriff "Experienced Involvement" ab und wird als "Einbeziehung Psychiatrie-Erfahrener" übersetzt. Die Initiative von Betroffenen, Fachkräften und Wissenschaftner entwickelte sich seit etwa zehn Jahren in mehreren europäischen Ländern. Ein Ausbildungsplan für Genesungsbegleiter gehört dazu.

"Bei Psychosen stellt das Gehirn zwei Wirklichkeiten dar, die für den Betroffenen ganz real sind", beschreibt Susanne Ackers Situationen, die andere Menschen nie erlebt haben. Wer an Verfolgungs- oder Vergiftungsängsten leide, reagiere deshalb mit Vermeidungsstrategien bei Busfahrten, Einkäufen oder beim Gang in den dunklen Keller. Depressive Menschen, so Vladimir Bojic, verwechseln Gedanken mit Tatsachen. Ihre Niedergeschlagenheit türme sich in Schleifen zu scheinbar nicht mehr zu bewältigenden Horror-Gebilden auf. "Andere Menschen drücken solche Gefühle einfach weg. Depressive können das nicht", sagt Vladimir Bojic.

Um auch in der hiesigen Region Genesungsbegleiter ausbilden zu können, sucht Mimose nach Finanzierungsmöglichkeiten, wie Siegrid Thiel ankündigte. Darüber hinaus arbeitet der Verein auch an der Umsetzung von Therapie-und Entspannungsübungen, die auch für Angehörige gedacht sind.

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