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Mit einem Schnäppchen auf dem Flohmarkt fing es an

Raum für Assoziationen: Peter Stolz, Jonas Höschl, Barbara Höcherl und Max Grünauer (v.l.) tauschen sich aus über Höschls Kaltnadelradierung "Selbstporträt mit Handschellen".
Raum für Assoziationen: Peter Stolz, Jonas Höschl, Barbara Höcherl und Max Grünauer (v.l.) tauschen sich aus über Höschls Kaltnadelradierung "Selbstporträt mit Handschellen". © Foto: MOZ/Simon Rayß
Simon Rayß / 27.05.2016, 06:40 Uhr
Eberswalde (MOZ) Wer in der Vergangenheit Ausstellungen in der Kleinen Galerie besucht hat, konnte im Laufe eines Jahres erleben, wie sich verschiedene Künstler an einem Thema abarbeiteten. 2016 ist das anders. Das Kuratorium hat auf ein übergeordnetes Motto verzichtet. Seit Mittwochabend jedoch ist er wieder möglich, dieser Blick auf die Facetten eines Themas - in der Ausstellung "Analyse der Idylle", die Werke von sechs Künstlern der Gruppe Šiška versammelt.

Sie alle benutzen unterschiedliche Techniken und Ansätze, wenn sie sich der gemeinsamen Vorlage nähern: dem Gemälde eines unbekannten Schöpfers, das die Gebirgs-Idylle zeigt, die der Ausstellung den Titel gibt. "Dieses Bild haben wir uns auf dem Flohmarkt besorgt", sagt Šiška-Mitglied Jonas Höschl. Ein Jahr ist das jetzt her. In dieser Zeit hat sich das Kollektiv in die Arbeit mit der Vorlage vertieft. "Wir haben erst analytisch gearbeitet", erklärt der 21-Jährige. "Jetzt beschäftigen wir uns mit dem Begriff Idylle."

So sind die Eindrücke sehr verschieden, die sich dem Besucher des Sparkassen-Forums bieten. Werke und Thema klaffen zuweilen spürbar auseinander und lassen Raum für Assoziationen. Während Höschl Fotografien von Flüchtlingen zeigt und ein "Selbstporträt mit Handschellen", auf dem er von der Polizei abgeführt wird, ist Barbara Höcherl mit Objektkunst vertreten wie Stühlen aus Draht als Requisite der Gemütlichkeit. "Wir sind immer wieder erstaunt, wie gut alles zusammenpasst", sagt sie. Max Grünauer dient die süddeutsche Idylle als Hintergrund, vor dem er im Siebdruckverfahren den türkischen Machthaber Recep Tayyip Erdogan posieren lässt.

In dieser Weise brechen immer wieder Bilder von bitterer Aktualität in die entrückte Herrlichkeit des Gebirgskitsches. Auch bei Peter Stolz: In einer Serie von comichaften Miniaturen greift er folkloristische Aspekte der Vorlage auf und spinnt sie weiter. So tauchen neben Tannen und einem Mädchen in Tracht plötzlich auch eine Deutschlandfahne und ein Molotov-Cocktail auf.

Die Künstler sind jung und gehen unbekümmert ans Werk. Fünf von ihnen haben 2015 gemeinsam ihren Abschluss an der Fachoberschule für Gestaltung im bayerischen Straubing gemacht. "Durch die Kunst sind wir Freunde geworden", sagt Grünauer. Die Kleine Galerie gibt nun bis zum 13. Juli Gelegenheit, ihre Blickwinkel auf eine trügerische Idylle kennenzulernen.

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