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Brandmed ist ein zweisprachiges medizinisches Zentrum, das für polnische und deutsche Patienten offen ist.

Zur Sprechstunde über die Oder

Zukunftsweisendes Konzept: Geschäftsführerin Joanna Jozefiak (rechts) und zwei Mitarbeiterinnen stehen im Empfangsbereich von Brandmed. Das deutsch-polnische Medizinzentrum setzt trotz unterschiedlicher Gesundheitssysteme auf grenzüberschreitende Leistung
Zukunftsweisendes Konzept: Geschäftsführerin Joanna Jozefiak (rechts) und zwei Mitarbeiterinnen stehen im Empfangsbereich von Brandmed. Das deutsch-polnische Medizinzentrum setzt trotz unterschiedlicher Gesundheitssysteme auf grenzüberschreitende Leistung © Foto: Michael Benk
Thomas Gutke / 14.06.2016, 06:15 Uhr - Aktualisiert 14.06.2016, 10:34
Slubice (MOZ) Keine drei Minuten Fußweg von der Stadtbrücke entfernt gibt es mit Brandmed ein medizinisches Zentrum, das für polnische und deutsche Patienten offen ist. In der Einrichtung bekommt man ohne lange Wartezeit einen Termin bei einem zweisprachigen Facharzt, ebenso zahlreiche Therapieleistungen.

"Medizin ohne Grenzen/Medycyna bez granic" - so soll es demnächst am Eingang stehen, sagt Joanna Jozefiak. Die Brandmed-Geschäftsführerin setzt darauf, dass sich ihre Einrichtung zu einem Motor beim Ausbau der grenzübergreifenden medizinischen Versorgung entwickelt. Anfang des Jahres eröffnete das Zentrum auf gut 1000 Quadratmetern in der zweiten Etage der Galeria Prima. Joanna Jozefiak erfüllte sich damit ihren "amerikanischen Traum", wie sie sagt.

Die in Slubice aufgewachsene Unternehmerin hat in Kalifornien internationale Verhandlungen studiert. Zurück in Polen gründete sie 2009 die Beratungsfirma Brandston. Über das Organisieren medizinischer Kongresse entstand dann die Idee für ein deutsch-polnisches Gesundheitszentrum in der Heimatstadt. "Das gab es bis dahin noch nicht." Zwei Jahre dauerte es, bis sie einen Investor von ihrem Konzept überzeugte - das nun zunehmend Gestalt annimmt.

Mehr als 20 Mediziner und Therapeuten sind derzeit in dem mit modernster Medizin- und Therapietechnik ausgestatteten Komplex tätig. 30 Mitarbeiter zählt Brandmed insgesamt. Geöffnet ist täglich von 8 bis 20 Uhr. Die Fachärzte bieten in der Regel ein- bis zweimal die Woche eine feste Sprechstunde an. Zur Zielgruppe gehören beispielsweise polnische Patienten, die in Deutschland arbeiten und krankenversichert sind, dort aber aufgrund der Sprachbarriere nicht zum Arzt gehen können oder wollen. Bei Brandmed werden sie untersucht und erhalten dann nötigenfalls eine Überweisung in ein deutsches Krankenhaus mit polnischen Ansprechpartnern vor Ort. "Aber auch deutsche Patienten können unsere Sprechstunden nutzen, wenn sie in Frankfurt sehr lange auf einen Termin beim Spezialisten warten müssen", sagt Jozefiak.

Ob die hiesigen Krankenkassen die Kosten für diagnostische oder therapeutische Leistungen in Slubice übernehmen, sei von Fall zu Fall verschieden. "Wir fragen das für die Patienten bei den Krankenkassen ab." Aber auch ohne Kostenübernahme könne sich der Gang nach Slubice lohnen, da die Kostensätze viel niedriger als in Deutschland seien.

Zu den ärztlichen Fachrichtungen gehören unter anderem Orthopädie, Neurologie, Allgemeine Chirurgie, Gefäßchirurgie, Kardiologie, Innere Medizin oder Urologie. Demnächst soll es auch einen festen Kinderarzt geben. Die Mediziner kommen alle aus Polen, arbeiten jedoch in Deutschland oder waren dort lange tätig, so dass es keine Verständigungsprobleme gibt. Das therapeutische Leistungsspektrum bei Brandmed reicht von klassischer Krankengymnastik über manuelle Therapie und Lymphdrainage bis hin zu Elektro-, Wärme- oder Lichttherapie.

Die in dem Zentrum gebündelten medizinischen Leistungen sind jedoch nur ein Teil des Konzeptes, mit dem Joanna Jozefiak und ihr Team Hürden bei der medizinischen Versorgung abbauen wollen. Dazu gehören auch zwei Vereine, die um Brandmed herum angesiedelt sind - der 2015 gegründete "Verein für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit im Gesundheitswesen" sowie das polnische Pendant "Medizin ohne Grenzen." Beide setzen sich unter anderem für eine bessere Zusammenarbeit im Bereich Notfallversorgung ein, wo fehlende zwischenstaatliche Regelungen theoretisch Leben kosten können. Slubicer, die schnellstmöglich Hilfe von Spezialisten brauchen, sollten nicht erst nach Poznan transportiert werden müssen, sondern ins Frankfurter Klinikum, sagt Jozefiak. "20 Minuten können im Einzelfall entscheidend sein."

Neben Lobbyarbeit, die von renommierten Ärzten aber auch von Gesine Schwan unterstützt wird, sollen über die Vereinstätigkeit auch Fördergelder für Projekte akquiriert und Sprachkurse für Mediziner möglich gemacht werden. Und Joanna Jozefiak hat noch viele weitere Ideen. Sie sagt: "Unser Zentrum soll Brücken für die Medizin bauen."

Brandmed befindet sich in der ulica Daszynskiego 1. Mehr unter: www.brandmed.eu

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