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Wohlleben auf Gut Sonnenburg

Erste Sicherungsmaßnahmen: Werner Gerber (l.), Eigentümer von Gut Sonnenburg, mit dem künftigen Mitgesellschafter Mario Reißlandt. Im baufälligen Speicher und in der Mühle im Hintergrund sollen langfristig Ferienwohnungen, Seminarräume und ein Café entste
Erste Sicherungsmaßnahmen: Werner Gerber (l.), Eigentümer von Gut Sonnenburg, mit dem künftigen Mitgesellschafter Mario Reißlandt. Im baufälligen Speicher und in der Mühle im Hintergrund sollen langfristig Ferienwohnungen, Seminarräume und ein Café entste © Foto: MOZ
Steffen Göttmann / 17.06.2016, 19:59 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Werner Gerber und Mario Reißlandt wollen Gut Sonnenburg aus dem Dornröschenschlaf wecken. Eine Mischung aus Tourismus, Kunst, Kultur und ökologischem Landbau soll die Zukunft des Gebäudeensembles sichern. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Vor einem Jahr hat Werner Gerber das malerisch gelegene und denkmalgeschützte Gut erworben. Alle Gebäude weisen hohen Sanierungsbedarf auf. "Ich verstehe die Skepsis der Menschen mir gegenüber", sagt Gerber, der aus der Schweiz stammt und in Berlin lebt. Es habe schon viele Interessenten gegeben, aber bisher habe niemand etwas erreicht.

"Viele Leute glauben, wir schwimmen im Geld, aber das stimmt nicht", sagt Gerber. "Meine Mittel reichen, um die Sache in Schwung zu bringen, aber es braucht mehr." Um die finanzielle Verantwortung auf mehr Schultern zu verteilen, hat Gerber die Wohlleben GmbH als Eigentümerin des Gutes gegründet: Der Name ist sein Programm. Bisher noch ist er alleiniger Gesellschafter. Bald, so hofft er, gesellen sich Mario Reißlandt und Lisa Wiese hinzu, die vom Gut aus Bio-Landbau betreiben wollen. Fünf Gesellschafter strebt Gerber an. Reißlandt hat provisorisch auf dem Gutshof einen Folientunnel aufgestellt, in dem er bald Tomaten, Gurken, Salat, Kohlrabi und Kräuter erntet. Damit packen die beiden Jungbauern Gemüsekisten, die sie an Haushalte vorwiegend in Berlin liefern. Bald jedoch zieht das mobile Treibhaus hinter das Gutshaus um. Reißlandt hat einen Vertrag mit der Kontrollstelle für Bio-Zertifikate abgeschlossen und sich verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren die Umstellung zum Bio-Betrieb zu schaffen. An der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde hat er den Bachelor in Ökolandbau und Vermarktung sowie den Master in Öko-Agrarmanagement absolviert. Damit erwarb er das Rüstzeug für sein Unternehmen. Reißlandt konnte 21 Hektar Land pachten, 5,5 Hektar kaufen und hat weiteres Land in Aussicht. Bald will er mit einem mobilen Hühnerstall Eier produzieren. Ein weiterer Partner wird ab Herbst mit Thüringer Waldziegen Milch und Käse produzieren. Reißlandt ist Netzwerkarbeit wichtig. Er ist Mitglied in einem Bündnis von Jungbauern in der Region, darunter viele HNE-Absolventen, die sich gegenseitig bei der Vermarktung unterstützen und Maschinen austauschen.

Neben der GmbH gibt es einen Verein, in dem sich Unterstützer des Projektes sammeln und sich an der Entwicklung beteiligen können. Mit dem so genannten Crowd-Funding wollen die Unternehmer noch mehr Geld generieren. Es basiert auf Tauschgeschäften. Die Spender erhalten Gemüsekisten, eine Übernachtung in der Ferienwohnung, Produkte oder Dienstleistungen, die auf Gut Sonnenburg angeboten werden.

Vorrang hat jedoch der Ausbau. Zunächst muss Gerber Speicher und Mühle sichern und mit einem Dach versehen, um die Auflagen des Denkmalschutzes zu erfüllen. Die Baugenehmigung sei beantragt, aber noch nicht erteilt. So lange darf er nichts machen. Mit den Auflagen des Denkmalschutzes habe er kein Problem. "Wir wollen ja dasselbe", sagt er. Im Speicher könnten Ferienwohnungen, Seminarräume und ein Café entstehen. Die Kosten schätzt er auf 1,5 Millionen Euro. Die gleiche Summe werde für das Gutshaus benötigt, in dem Gerber wohnen möchte. Der große Saal werde dem Verein gewidmet,weitere Ferienwohnungen seien geplant. Der Versuch, Fördermittel zu bekommen, sei gerade gescheitert. "Wir haben Leader-Mittel beantragt und ohne Begründung eine Absage bekommen", so Gerber. Im Herbst probiert er es erneut. Der Aufwand für das Verwalterhaus schätzt er mit knapp einer Million Euro. Die beiden Scheunen werde der Landwirtschaftsbetrieb nutzen. Die Gebäude sollen für Ausstellungen oder Seminare offenstehen. Gerber will Künstlern und Musikern der Region die Möglichkeit der Präsentation bieten.

Der neue Gutsherr hofft, dass der neue Flächennutzungsplan bald in Kraft tritt, wo Sonnenburg als touristisches Sondergebiet eingezeichnet ist. Bis jetzt ist das Gut noch Außenbereich. Eigentlich dürfte dort gar nicht gebaut werden.

Information: www.eidentity.org

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