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Zisterzienser beenden Aufenthalt im Kloster Neuzelle

© Foto: Stift Heiligenkreuz
Harriet Stürmer / 26.07.2016, 19:15 Uhr
Neuzelle (MOZ) Die Gäste staunten nicht schlecht, als plötzlich vier Männer in weißer Kutte mit schwarzem Überwurf in dem Schnellrestaurant auftauchten. Viele glaubten wohl eher an einen Scherz, als daran, dass es sich um echte Mönche handeln könnte. Aber tatsächlich: Als vier Zisterzienser aus Österreich kürzlich die katholische Pfarrgemeinde von Neuzelle (Oder-Spree) besuchten und sich im Ort und vor allem im Kloster umsahen, machten sie auch Ausflüge in die Region - unter anderem in einen Fürstenwalder Burger-Imbiss.

"Viele Menschen reagieren auf unser zisterziensisches Ordensgewand, man kommt ins Gespräch", sagt Pater Kilian Müller. "Andere denken im ersten Moment, wir wären unterwegs zu einem Kostümfest." Aber wirklich spöttisch, bösartig oder unangenehm habe niemand reagiert, als die Mönche zwei Wochen lang in Oder-Spree unterwegs waren.

Hinter ihrem Besuch stehen konkrete Pläne, das ehemalige Kloster Neuzelle neu zu besiedeln. Seit der Säkularisierung durch König Friedrich Wilhelm III. vor fast 200 Jahren leben dort keine Mönche mehr. Nun hat der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt die Zisterzienser eingeladen, eine Rückkehr in die barocke Anlage zu prüfen. Vier "Pioniere" der österreichischen Abtei Stift Heiligenkreuz im Wienerwald brachen daraufhin zu einer ersten Erkundung nach Neuzelle auf. Ihr Auftrag: Sie sollten untersuchen, ob eine Wiederbesiedlung möglich und sinnvoll ist. "Denn wenn, dann soll das ein ordentliches Kloster werden, wo Mönche leben, beten, Choral singen, Gästebetreuung und viel Jugendseelsorge machen können", verkündete die Abtei auf Facebook.

"Unser Eindruck ist zunächst durchaus positiv", berichtet Pater Kilian Müller. "Wir hatten zahlreiche Begegnungen mit unterschiedlichen Personen und Gruppen in Neuzelle, dann aber auch ganz ungeplante Begegnungen auf der Straße - und viele sagen: Ja, das wäre schön, wenn hier wieder Mönche wären." Zugleich räumt der Pater ein, dass die Gegend um Neuzelle glaubensmäßig nicht gerade verwöhnt ist. "Die kleine Herde, so scheint mir, steht aber in ihrem erprobten Glauben zusammen."

Nach den Plänen des Görlitzer Bischofs Ipolt sollen sechs Mönche nach Neuzelle übersiedeln und einen Konvent gründen. Eine Entscheidung soll schon im November fallen. Rechtzeitig, bevor das Kloster aus dem 13. Jahrhundert 2018 sein 750-jähriges Gründungsjubiläum feiert.

Pater Kilian Müller geht davon aus, dass die Entscheidung für eine Neuansiedlung auch Widerstände auslösen würde. "Aber das macht nichts. Die Begegnungen der letzten zwei Wochen lassen vermuten: Es ist dort ein weites Feld, steinig bisweilen, aber trotzdem ein fruchtbarer Boden."

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