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Kunst aus der Sprühdose für Erkner

Vorbild für Mutter Wolffen: Graffiti-Künstlerin Jasmin Siddiqui mit einem Foto der Erkneraner Mediengestalterin Dorothee Hilbert. Nach diesem Foto gestaltet Jasmin Siddiqui die Gerhart-Hauptmann-Figur.
Vorbild für Mutter Wolffen: Graffiti-Künstlerin Jasmin Siddiqui mit einem Foto der Erkneraner Mediengestalterin Dorothee Hilbert. Nach diesem Foto gestaltet Jasmin Siddiqui die Gerhart-Hauptmann-Figur. © Foto: MOZ/Eggers
Joachim Eggers / 08.08.2016, 19:41 Uhr
Erkner (MOZ) Es sieht schon sehr bunt aus, ist aber längst nicht fertig: Das Graffiti-Kunstwerk in der Bahnunterführung an der Fürstenwalder Straße nimmt seit einer Woche Gestalt an.

Jasmin Siddiqui steht auf einer Leiter. In der linken Hand hat sie ein Foto, in der rechten eine der mehr als 20 Sprühdosen, die neben ihr auf einem kleinen, fahrbaren Gerüst stehen. Die 35-Jährige aus Frankfurt/Main, die mit Falk Lehmann aus Schmalkalden das Künstler-Duo Herakut bildet, sprüht mit rotbrauner Farbe Konturen eines Jungen-Gesichts. Dargestellt wird die Figur des kleinen Tobias, der Sohn des Bahnwärters Thiel aus Gerhart Hauptmanns gleichnamiger Novelle, dessen Tod am Bahngleis am Anfang der Familientragödie steht.

Jasmin Siddiqui wechselt häufig die Farbe, nimmt zwischendurch auch immer wieder die mit einem Handschuh geschützte Fingerspitze, um an Feinheiten der Farbverteilung zu arbeiten. "Mit einem Pinsel wäre das zu umständlich, den Finger habe ich immer dabei", sagt die Künstlerin. Als Schülerin in der 7. Klasse beschloss sie einst in einer Pause, die sie umgebenden hässlichen und dreckigen Bauten zu verschönern. Das Duo Herakut gibt es seit 2004, und die beiden haben schon Straßenwände in aller Welt in ihrem charakteristischen Stil verschönert.

Dabei gibt es eine bestimmte Arbeitsteilung: Jasmin Siddiqui ist für die Entwürfe und das große Gesamtbild zuständig, Falk Lehmann geht nach ihr an die Feinarbeit. Auch an der Figur des kleinen Tobias übernimmt er den Feinschliff. Lehmann nimmt dabei Schablonen, um Teile des Kunstwerks abzudecken, und sprüht jedes Mal, wenn er zu einer anderen Dose greift, zunächst ein bisschen Farbe auf eine Pappe - er will vermeiden, dass wegen einer verstopften Düse Farbe unkontrolliert austritt. Dabei sind die ganz großen Züge des Kunstwerks auf der Nordseite, stadtauswärts links, vorige Woche aufgebracht worden. Das erzeugt im flüchtigen Vorbeifahren den Eindruck, das Werk sei schon weit fortgeschritten. Ist es aber nicht - die Arbeit wird noch etwa drei Wochen gehen, sagen die beiden Künstler.

Das Gestaltungskonzept sieht vor, dass auf der nördlichen Seite, stadtauswärts links, werden Erkners historische Schätze dargestellt werden, gegenüber die Naturschätze. Auf der Südseite kann die künstlerische Gestaltung allerdings noch nicht beginnen. Dort ist eine Firma im Auftrag des Landesbetriebs Straßenwesen noch mit der Bauwerks-Sanierung beschäftigt. Den Grauton, der dabei aufgetragen wird, hat Jasmin Siddiqui gewählt - weil er ein optimaler Untergrund für die leuchtenden Farben ist, die jetzt aufgetragen werden.

Die Einbeziehung von Jugendlichen war eine Anforderung des von der Stadt Erkner ausgelobten Wettbewerbs, in dem sich der Entwurf von Herakut durchgesetzt hat. Am Freitag, kündigten die beiden Künstler an, sollen Jugendliche aus dem Jugendclub, die schon bei der Erarbeitung des Entwurfs dabei waren, auch ein Stück sprühen dürfen. Die beiden haben noch eine andere Form der Einbeziehung von Erkneranern gefunden: Jasmin Siddiqui hat Dorothee Hilbert zur Vorlage für die Figur der "Mutter Wolffen" gekürt. Die 30-jährige Mediengestalterin arbeitet in der Werbeagentur Neumann, wenige Schritte von der Bahnunterführung entfernt. "Wir kennen uns halt", sagt Dorothee Hilbert. Weitergehende Ambitionen als Darstellerin der in Erkner so populären Hauptfigur aus Gerhart Hauptmanns "Der Biberpelz" habe sie aber nicht, sagt sie.

Zum Schluss wird das Ganze versiegelt - damit das mit 60 000 Euro geplante Kunstwerk nicht Schmierern zum Opfer fällt. Am 15. September soll es übergeben werden.

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