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Ausbau der Ostbahnstrecke wurde im neuen Bundesplan gestrichen

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Doris Steinkraus / 10.08.2016, 22:21 Uhr
Seelow (MOZ) Im ersten Entwurf des neuen Bundesverkehrswegplanes von Mai 2014 war noch ein zweigleisiger Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke vom Biesdorfer Kreuz bis Küstrin-Kietz und Kostrzyn in Aussicht gestellt worden. Es folgten Anhörungen und Beteiligungen. Mit dem Ergebnis, dass dieses Projekt im überarbeiteten Entwurf, den der Bund im März diesen Jahres vorgelegt hat, gekanzelt wurde. Man sehe dafür doch nicht den Bedarf. "Aufgrund der geringen Nachfrage und vorteilhafteren Alternativstrecken in der Umgebung, hat der geplante Ausbau keinen Nutzen für den Schienenpersonenfernverkehr und den Schienengüterverkehr", heißt es in der Begründung. Diese Auffassung teilen der Landkreis und auch die Regionale Planungsgemeinschaft nicht, betont der Beiegeordnete Rainer Schinkel. Der Kreis hatte sich an Bundestags- und Landtagsabgeordnete gewandt, um für das Infrastrukturprojekt zu werben. "Die Ostbahn ist die erfolgreichste Regionalbahn Brandenburgs", betont Schinkel. "Seit 2007 gab es eine durchschnittliche Steigerung der Auslastung um 100 Fahrgäste pro Tag auf inzwischen 1,67 Millionen Fahrgäste im vergangenen Jahr." Auch die Deutsche Bahn hat der Ostbahn längst Priorität eingeräumt. Die Strecke soll von Lichtenberg bis zum Bahnhof Ostkreuz verlängert werden. Zwischen Strausberg und Rehfelde wird die Zweigleisigkeit hergestellt, womit künftig der lange Halt in Rehfelde in Richtung Berlin entfällt. Das wird für weiteren Fahrgastzuwachs sorgen, steht für Schinkel fest.

Man sehe die Ostbahn zudem auch als wichtige grenzüberschreitenden Strecke. "Die Deutsche Bahn plant die Erneuerung der Eisenbahnbrücke in Küstrin-Kietz über die Oder", erinnert Schinkel. 2018/19 soll Baubeginn sein. Mit der polnischen Seite seien die Fahrpläne mittlerweile so abgestimmt worden, dass ein Teil der Züge in Kostrzyn Anschluss nach Gorzow hat. Alle Züge des Betreibers der Ostbahn - die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) - werden demnächst auch eine Zulassung für den Betrieb auf der polnischen Seite haben. Vorbereitet werde eine durchgehende Verbindung von Gorzow nach Berlin. "Damit werden Gorzow und die Metropole Berlin verbunden", betont Schinkel.   Es gebe schon einen grenzüberschreitenden Tarif für die Fahrgäste. Andere Strecken stünden derzeit nicht zur Verfügung. Die angeblich fehlende Relevanz für Güterverkehr entspreche schon gegenwärtig nicht den Tatsachen. Die derzeitigen Gütertransporte könnten auf keine Alternativstrecke ausweichen. Die steigende Nachfrage zeige sich auch darin, dass es seit dem letztem Fahrplanwechsel keine Betriebsruhe auf der Ostbahn mehr gibt, die Strecke 24 Stunden am Tage befahrbar ist. Ein Ausbau dieser grenzüberschreitenden Bahnverbindung hätte eine bessere Vernetzung wirtschaftlicher und touristischer Standorte zur Folge und würde zu einer Verlagerung des grenzüberschreitenden Güterverkehrs auf die Schiene beitragen.

Der Landtag hat 2014 beschlossen, die Schieneninfrastruktur zwischen Brandenburg und Polen "zu einem modernen und leistungsfähigen Verkehrsangebot auszubauen". Auf der polnischen Seite hat die Verbindung Kostrzyn-Gorzow-Krzyz (Kreuz) den Status einer Staatsbahnstrecke und ist zweigleisig ausgebaut. "Wir werden weiter für eine Stärkung der Ostbahn wirken", versichert Schinkel. Jetzt liege der neuen Plan im Bundestag, der Ende 2016 endgültig entscheiden soll. Man werde auch die Bundestagsabgeordneten der Region um Unterstützung bitten.

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Benno Koch 12.08.2016 - 11:52:30

Märkisch-Oderland setzt auf Straßen-Neubau

„Wir werden weiter für eine Stärkung der Ostbahn wirken.“ Wäre es nicht mal an der Zeit, dass die Redaktion der Märkischen Oderzeitung auch mal richtig Journalismus beim Thema Mobilität macht? Richtig ist, dass der Landkreis Märkisch-Oderland auch im aktuellen Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 massiv und einseitig auf den Neubau von Straßen setzt. Und darin mit sage und schreibe zehn neuen Bundesstraßen im Gesamtwert von 107,5 Millionen Euro überproportional vertreten ist. Bezogen auf den Bevölkerungsanteil im Landkreis Märkisch-Oderland im Vergleich zum gesamten Land Brandenburg sind dies sogar deutlich mehr – nämlich ganz genau 21,6 Prozent mehr – als bei gleichberechtigter Verteilung auf alle Landkreise zu erwarten wäre. Im Einzelnen hat der Landkreis folgende, im jetzigen BVWP Entwurf aufgeführte Straßen-Neubauprojekte angemeldet: OU Gusow und OU Platkow (16,8 Mio Euro), OU Neuhardenberg (8,9 Mio Euro), OU Vevais (5,1 Mio Euro), OU Bad Freienwalde (West – B158) (21,9 Mio Euro), OU Bad Freienwalde (West – B112) (14,9 Mio Euro), OU Libbenichen und OU Dolgelin (14,5 Mio Euro), OU Hohenfinow und OU Falkenberg (25,4 Mio Euro). Macht zusammen unfassbare 107,5 Mio Euro. Zum Vergleich: Für die Sanierung der bestehenden Ostbahn Berlin-Küstrin wurden mal 40 Mio Euro genannt – im Bundesverkehrswegeplan stand dazu auch im ersten Entwurf nichts. Soviel zur Ernsthaftigkeit der Anmeldung der Ostbahn für den BVWP. Märkisch-Oderland setzt damit die einseitige Ausrichtung von Neuinvestitionen der vergangenen Jahre in diesem Landkreis in den Straßenneubau fort: OU Herzfelde, OU Müncheberg, OU Seelow, OU Küstrin-Kietz, OU Bad Freienwalde – Altranft, OU Wriezen, L33 Hönow, OU Altlandsberg. Alleine im Verlauf der B1 wurden bereits in den vergangenen Jahren Ortsumgehungen für 76,1 Millionen Euro neu gebaut. Wie sieht die Verkehrspolitik des Landkreises Märkisch-Oderland seit der Wende sonst so aus? Mit der Wriezener Bahn wurde die einzige sternförmig von Berlin abgehenden Bahnlinie stillgelegt – zugunsten der OU Wriezen – und zudem noch die einzige nach Mohrin und Königsberg grenzüberschreitende Schienenverbindung nach Polen im gesamtem Land Brandenburg. Das gleiche Schicksal der Stilllegung nach der Wende traf die Bahnlinien Bad Freienwalde – Angermünde, Müncheberg (Mark) – Buckow, Frankfurt (Oder) – Küstrin-Kietz. Selbst an heute noch bestehenden Bahnstrecken wurden viele Bahnhöfe stillgelegt: Sietzing, Dolgelin, Libbenichen, Carzig, Schönfließ Dorf, Booßen, Rotes Luch. Mit den modernen dort verkehren Triebwagen wären Bedarfshalte an diesen Stationen problemlos und kostengünstig machbar – wenn der Landkreis an der Bahn Interesse hätte. Insbesondere der Umgang mit der Ostbahn in den vergangenen 20 Jahren durch den Landkreis lässt kein konsequentes Interesse an dieser Verbindung erkennen. Richtig ist, dass sich die Anschlusssituation in Kostrzyn nicht verbessert hat: In der Hälfte der Fälle verpassen sich die RB26 aus Berlin und die Regionalzüge in der Woiwodschaft Lebus. Teilweise übrigens um sage und schreibe 1 (!) Minute. Ist das wirklich das Ergebnis von ernsthaften Gesprächen des Landkreises Märkisch-Oderland und dem Land Brandenburg als Besteller? Das Ruinen-Ensemble was früher mal Bahnhof genannt wurde – also Müncheberg (Mark), Seelow-Gusow, Küstrin-Kietz – oder auch das „Vergesssen“ des Gleichstellungsgesetzes und einer Rampe bei der Neugestaltung zum Beispiel des theoretischen Umsteigebahnhofes Werbig sprechen Bände. Dass bei letzterem die Umsteigebeziehungen in keiner Richtung wirklich funktionieren und die Umsteigezeiten hier in der Regel 1:50 (!) Stunde betragen, sagt doch eigentlich alles über das vermeintliche Interesse des Landkreises an der Bahn in der Region. Und dass Hotels an der Bahnlinie wie das Schloss Wulkow (http://www.schloss-wulkow.de/ihr-weg-zu-uns/) die nahe Ostbahn gleich ganz verschweigen, ist nicht nur nach so vielen Jahren ein Armutszeugnis für den Landkreis und den zuständigen Tourismusverband. Wäre es nicht mal an der Zeit, dass die Märkische Oderzeitung zum Thema Mobilität endlich auch mal Fachjournalisten beauftragt?

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