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"Eine Schande für Doberburg"

Die Leichenhalle ist ihnen peinlich: Ortsvorsteher Jürgen Willenberg (r.) und der Rentner Manfred Klaue, der für einen Stundenlohn von 3,50 Euro die Flächen im Ort pflegt.
Die Leichenhalle ist ihnen peinlich: Ortsvorsteher Jürgen Willenberg (r.) und der Rentner Manfred Klaue, der für einen Stundenlohn von 3,50 Euro die Flächen im Ort pflegt. © Foto: MOZ/Ruth Buder
Ruth Buder / 12.08.2016, 19:19 Uhr
Lieberose (MOZ) Die Doberburger fühlen sich verloren und verlassen. Von den Stadtverordneten in Lieberose - Doberburg ist ein Ortsteil der Stadt - und vom Amt Lieberose/Oberspreewald. Jetzt klagt der Ortsvorsteher gegen den Amtsdirektor.

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Wenn Ortsvorsteher Jürgen Willenberg durch Doberburg führt, hat er kaum etwas Positives vorzuweisen. "Höchstens der Spielplatz, den hat noch der verstorbene Bürgermeister Lischeski vor einigen Jahren bauen lassen." Erbärmlich sieht das Gemeindehaus mit seinen bröckelnden Fenstern aus, alles noch im DDR-Charme, als wäre die Zeit stehengeblieben. Wenn nicht ein paar Blumentöpfe davor stünden, wäre der Anblick noch trostloser.

Die eine Seite des bereits zugewachsenen Bürgersteiges hat Willenberg durch Baken absperren lassen. "Die Unfallgefahr ist zu groß. Nur an der Bushaltestelle ist die Bordsteinkante erneuert worden." In der Straße Richtung Friedhof klaffen große Löcher, auch die Landesstraße, die durch den Ort führt, ist sanierungsbedürftig.

Am allerschlimmsten ist aber der Zustand der Leichenhalle auf dem Friedhof. Sie stammt aus den1960er -Jahren und sieht aus wie eine Garage, im Inneren große Löcher in der Decke, wo Tiere durchkriechen können. "Jede Beerdigung ist uns peinlich", sagt Willenberg und behauptet, Planungen dafür lägen schon seit Jahren in der Schublade. Alle Versuche, hier in Eigenleistungen etwas zu verbessern, seien fehlgeschlagen. Handwerker gebe es genug im Dorf, die mithelfen würden. "Als wir 2015 versuchten, einen Anbau zu errichten und schon das Fundament ausgehoben hatten, erhielt ich eine Schwarzbauanzeige." Der Friedhof und die Rasenflächen davor sind jedoch sehr gepflegt. Dafür sorgt der 74-Jährige Manfred Klaue. Vier Stunden pro Woche arbeitet er für das Dorf - für 3,50 Euro Stundenlohn. "Sonst würde ja hier gar nichts passieren", begründet der rüstige Rentner sein Engagement.

Jürgen Willenberg hat es satt, weiter als Bittsteller aufzutreten: "Wir zahlen nur, aber zu den Doberburgern kommt nichts zurück. Und das seit Jahren. Die Leute sind einfach frustriert." Die aktive Teilnahme mit Mitsprachrecht bei Beratungen der Stadtverordneten werde ihm versagt. Deshalb hat er gegen Amtsdirektor Bernd Boschan Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht, weil er seiner Meinung nach gegen die Kommunalverfassung verstößt. "Die Politik macht hier der Amtsdirektor, nicht die Stadtverordneten", begründet Willenberg, der hinter sich die Ortsbeiratsmitglieder Anne Mechler und Wolfgang Gorran weiß. Für die Klage hat er bereits 900 Euro privates Geld gezahlt, das möchte er gern von den Stadtverordneten zurückhaben, aber der Antrag ist noch nicht entschieden.

Amtsdirektor Bernd Boschan sieht der Klage gelassen entgegen. Für alles, was Willenberg kritisiere, seien die Stadtverordneten verantwortlich und nicht er. "Ich halte mich an Gesetze und Vorschriften." Was in Doberburg gebaut werde, bestimmten die Stadtverordneten. Das Problem sei, dass Lieberose keinen ausgeglichenen Haushalt habe und mit einer vorläufigen Haushaltführung leben müsse. "Da sind die Spielräume sehr begrenzt", sagt der Hauptverwaltungsbeamte mit Sitz im 20 Kilometer entfernten Straupitz. Für die Trauerhalle habe er jetzt eine Sondergenehmigung bei der Kommunalaufsicht erwirkt. Der Bau werde so schnell wie möglich beginnen. "Ich bin seit 15 Jahren Amtsdirektor, und habe noch nie eine Klage bekommen. Das ist neu für mich", gibt Boschan den Ball zurück.

Kerstin Michelchen, Abgeordnete der Stadt Lieberose, versteht zwar die Nöte der Doberburger, fragt aber auch: "Wo soll das Geld herkommen?" Lieberose könne nicht aus dem Vollen schöpfen, an allen Ecken und Enden sei das Geld zu knapp. Sie richtet ihren kritischen Blick auf den Landkreis und die Landespolitik. Die Orte, die nicht im Berliner Speckgürtel lägen und unter dem demografischen Wandel besonders zu leiden hätten, würden, im Stich gelassen.

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