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Öko-Landwirt Mario Reißlandt startet Crowdfunding- und Tauschaktion für mobilen Hühnerstall

Rundreise über den Acker

Am Anfang war die Playmobil-Figur: Landwirt Mario Reißlandt hat ein Miniatur-Modell gebaut, das als Vorlage für den mobilen Hühnerstall dienen soll. "Aber, wenn man baut, kommt immer alles anders", weiß er auch.
Am Anfang war die Playmobil-Figur: Landwirt Mario Reißlandt hat ein Miniatur-Modell gebaut, das als Vorlage für den mobilen Hühnerstall dienen soll. "Aber, wenn man baut, kommt immer alles anders", weiß er auch. © Foto: MOZ/Birte Förster
Birte Förster / 17.08.2016, 18:56 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Artgerechte Haltung: Mit einem mobilen Stall bekommen Hühner immer frisches Gras und der Boden wird weniger belastet. Das Projekt steht nun in den Startlöchern. Finanzieren will Landwirt Mario Reißlandt das Ganze über eine Crowdfunding- und Tauschaktion.

Es ist kein Stall, wie man ihn üblicherweise auf den meisten Höfen vorfindet. Die Behausung für die gefiederten Tiere verfügt über ein besonderes Merkmal: sie hat Räder. Soweit erst mal der Plan. Den mobilen Stall wird Mario Reißlandt selbst bauen. Derzeit sei er auf der Suche nach einem Lastwagenanhänger, erzählt der Landwirt. Darin wolle er riesige Fenster, eine Lüftung und Lampen für ausreichend Licht einbauen. Auch Solarpaletten möchte er auf dem Dach des mobilen Stalls anbringen. "Dann werden die Legenester eingebaut und genügend Sitzstangen", erklärt er. So wolle er es machen. "Aber, wenn man baut, kommt immer alles anders", weiß er auch.

Auf einer Ackerfläche wird laut Reißlandt dann Kleegras eingesät, jede Woche wird der mobile Stall umgestellt. Für das Terrain gibt es dazu einen mobilen Zaun. Der ganze Aufwand hat einen guten Grund: "Die Hühner haben immer frisches Gras und können arteigenem Verhalten nachkommen", erklärt der Landwirt, der an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde Ökolandbau und Vermarktung sowie Öko-Agrarmanagement studiert hat. "Wir denken, dass es für das Tierwohl am besten ist", so Reißlandt. Durch die Mobilität des Stalls verringere sich außerdem die Keimbelastung, es entstünden weniger Parasiten, da der Auslauf immer frisch ist.

Der 38-Jährige lebt zusammen mit seiner Freundin und seinen beiden Kindern auf dem Hof auf der Sonnenburg und baut dort außerdem zahlreiche Gemüsesorten und Obst an. Seit Juni sind sie ein Bio-Betrieb. Im September findet laut Reißlandt die erste Öko-Kontrolle statt. Im Oktober treten sie dem Demeter-Verband bei.

Derzeit läuft eine Crowdfunding- und Tauschaktion, um die nötigen Mittel für den mobilen Hühnerstall zusammenzubringen. Über die Internetseite www.ecocrowd.de kann sich jeder, der das Projekt unterstützen möchte, an der Finanzierung beteiligen. Dort ist es möglich, einfach zu spenden oder zu tauschen. Für einen bestimmten Betrag können sich die Unterstützer dann ein Tauschgut aussuchen. Darunter sind Kräutersträuße, Gemüsekisten, T-shirts, Übernachtungen in einer mongolischen Jurte oder Hof-Führungen. "Wir wollen den Druck von der Bank umgehen", erklärt Reißlandt, warum sie sich für die Crowdfunding- und Tauschaktion entschieden haben.

Bis zum 23. August sollte die Kampagne ursprünglich dauern. Nun haben die beiden laut Reißlandt das Ganze noch um 60 Tage verlängert. Die Hälfte des Geldes sei bereits zusammengekommen, so der Landwirt. Auf der Internetseite ist das erklärte Finanzierungsziel vermerkt: 5300 Euro.

Insgesamt 150 Legehennen und 50 Masthähnchen wollen sie mobil großziehen. "Bei den Legehennen laufen immer ein paar Hähne mit. Das ist artgerechter", erklärt der Öko-Experte. Außerdem solle es sich bei den Tieren um eine ältere Zweinutzungsrasse handeln, diese sei weniger auf hohe Leistung gezüchtet. Und vor allem: Männliche Küken werden bei ihm nicht geschreddert. Für sein Projekt müsse er außerdem viel Aufklärungsarbeit leisten. Da auch die Hühnereier, die er später verkaufen wird, im Schnitt etwas teurer als üblich sein werden.

Ab Ende August wollen sie außerdem so genannte Hühneraktien verkaufen. Wer eine solche Aktie erwirbt, übernehme die Patenschaft für ein Huhn, bezahle das Futter und einen Stallplatz, sagt Reißlandt. Für die Aktionäre springt auch ein kleiner Prozentsatz an Dividende dabei raus: allerdings nicht in Geldbeträgen. Das versteht sich wohl von selbst. Sondern in Form von Suppen- und Masthühnern - oder Eiern.

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