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Simon Rayß 30.08.2016 05:15 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Umweltschutz nach indischem Vorbild

Eberswalde (MOZ) Wer in der Mittagspause einmal fürs Büro Essen geholt hat, der kennt die Müllberge, die dabei entstehen können. Eine Berliner Firma hat deshalb ein Netzwerk für Mehrweggeschirr ins Leben gerufen. Mit dabei als einziger Brandenburger Teilnehmer: ein Eberswalder Bioladen.

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"Zum Mitnehmen, bitte": "Globus"-Mitarbeiterin Christina Horst sichtet die Teilnehmer-Karten des Ausleihprojekts.

© Andreas Gora

Angefangen hat alles mit einem romantischen Film aus Indien. "Lunchbox" heißt der und zeigt, wie eine falsch zugestellte Essensdose das Leben zweier Großstädter in Aufruhr versetzt. Das Prinzip hat in Indien bereits seit mehr als 100 Jahren Tradition: Hausfrauen bereiten das Essen für ihre Männer vor und lassen es per Edelstahlbox und Fahrradkurier an ihren Arbeitsplatz bringen. Auf den Unternehmer Mustafa Demirtas macht der Film Eindruck. Die Idee lässt ihn einfach nicht mehr los: Sollte derart müllfreies Essen zum Mitnehmen nicht auch in Deutschland möglich sein?

Also gründet er 2014 in Berlin die Firma "Eco-Brotbox" und importiert das Prinzip der wiederverwendbaren Edelstahldosen nach Deutschland. Inzwischen haben die umweltfreundlichen Behälter auch ihren Weg nach Eberswalde gefunden. Und zwar in den Bioladen "Globus".

Doch dass "Globus"-Chef Torsten Pelikan überhaupt davon erfahren hat, ist einem Zufall geschuldet. "Wir haben seit Jahren nach Behältnissen gesucht, die ökologisch möglichst korrekt sind", berichtet er. Als verträglichste Einwegvariante haben sich bisher Becher aus Maisstärke etabliert. Doch als Pelikan bei einem Stammkunden eine Essensdose nach indischem Vorbild entdeckt, ist er gleich Feuer und Flamme.

Nach einem Telefonat und einem Besuch des Eco-Brotbox-Teams in Eberswalde ist die Kooperation perfekt. "Wir waren uns auf Anhieb sympathisch", sagt Pelikan. Nun bietet der Naturkostfachhandel in der Michaelisstraße die Boxen nicht nur zum Verkauf an, sondern auch zum Verleih. Kunden, die beim Mittagstisch des Bioladens ihr Essen gern zum Mitnehmen bestellen oder an der Frischetheke einkaufen, können sich beim sogenannten Tiffin-Projekt registrieren und dann im Tausch für ihre Mitgliedskarte eine der gefüllten Edelstahldosen ausleihen.

Eine Woche lang dürfen sie die Box behalten, dann muss sie wieder zurück ins Geschäft. Wenn die Zeit überschritten ist, wird der Nutzer per E-Mail um Rückgabe gebeten. Sollte die Dose nach 30 Tagen immer noch nicht wieder aufgetaucht sein, geht sie in den Besitz des Kunden über - gegen eine Gebühr von 30 Euro.

Ansonsten ist die Teilnahme am Leihsystem für die Kunden kostenlos. Bislang jedenfalls. Die Restaurants entrichten bereits eine Gebühr von 1,50 Euro pro Box pro Monat. Die restlichen finanziellen Mittel kommen derzeit noch aus einer Geldsammel-Aktion im Internet und aus dem Verkauf der Essensdosen. "Wir versuchen, dass sich das Tiffin-Projekt selbst trägt", sagt die Leiterin Anna Behrendt. Dafür sollen in Perspektive auch die Nutzer einen Beitrag leisten. Im Gespräch sei eine tägliche Leihgebühr von 50 Cent bis zu einem Euro, die zeitgleich mit einer dazugehörenden App eingeführt werden soll, wie Anna Behrendt erklärt. "Wir hoffen, dass wir das alles noch in diesem Jahr umsetzen können", sagt sie.

Das Berliner Unternehmen hat bisher 16 Partner für sein Ausleihprojekt gewinnen können: ein Netzwerk von Restaurants, das von München über Augsburg, Oberhausen und Berlin bis nach Eberswalde reicht, wobei "Globus" der einzige Anbieter in Brandenburg ist. 170 Nutzer sind insgesamt registriert, davon 16 in der Barnimer Kreisstadt. Ob sich zwei von ihnen bereits über ihre "Lunchboxen" kennengelernt haben, ist jedoch nicht bekannt.

Anmeldung für das Projekt im "Globus"-Bioladen oder im Internet unter www.dastiffinpro jekt.org

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