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13. Brandenburger Landeserntefest kommenden Sonnabend in Beerfelde

Michel Nowak / 02.09.2016, 21:22 Uhr - Aktualisiert 04.09.2016, 09:05
Beerfelde (MOZ) Beerfelde? Wo soll das denn sein?" - so lautet häufig die Reaktion, wenn die Sprache auf den knapp 600 Einwohner zählenden Ortsteil der Gemeinde Steinhöfel kommt. Tatsächlich mutet das Angerdorf zwischen Fürstenwalde und Müncheberg eher unauffällig an: Im Dachgeschoss über dem Friseurladen öffnet jeden Donnerstag ein ehrenamtlich betriebenes Lesestübchen. Die frühere Schule beherbergt den Kindergarten "Glücksbärchen". Und drei größere Landwirtschaftsbetriebe sind die Hauptarbeitgeber in dem Ort mit vier Dorfteichen. Am ehesten bringen Auswärtige Beerfelde vielleicht noch mit einer umstrittenen Panzer-Fun-Fahrschule in Verbindung. Auf einem Acker hinter dem Dorf können zahlende Gäste auf - laut Betreiber - "Deutschlands größtem Männerspielplatz" abgerüstete Panzer durchs Gelände manövrieren.

Das mit der Bekanntheit von Beerfelde wird sich sehr bald ändern, da ist Horst Wittig sicher. Der Ortsvorsteher hat einen großen Coup gelandet. Einen, der weit über seinen Ort hinaus strahlen soll. Für den nächsten Sonnabend hat der 68-Jährige das 13. Brandenburger Landesernte-Fest nach Beerfelde geholt.

Horst Wittig läuft mit raschem Schritt über den Dorfanger. An seiner Seite: Steinhöfels Bürgermeisterin Renate Wels. Für beide gibt es noch viel zu tun. "Vor zwei Jahren war ich mit meiner Frau beim damaligen Landeserntefest in Fürstlich-Drehna", sagt Horst Wittig, "da hab' ich gedacht: Was die dort machen, das können wir hier auch - und zwar noch besser."

Das Landeserntefest gehört nach dem an diesem Wochenende in Hoppegarten stattfindenden Brandenburg-Tag zu den größten Feiern des Landes. Für Ministerpräsident Woidke gilt ein Besuch als gesetzt. Für den Landesbauernverband ist das Fest trotz einer in diesem Jahr eher mäßigen Ernte sogar unverzichtbar. "Denn wir wollen damit auch Danke sagen", so Präsident Henrik Wendorff, "zum Beispiel allen, die in den letzten Wochen Geduld mit unseren Erntefahrzeugen auf den Straßen hatten." Im vergangenen Jahr kamen zum "Brandenburger Dorf- und Erntefest", wie es offiziell heißt, nach Paaren im Glien (Havelland) fast 20 000 Besucher.

Eine Größenordnung, an der sich auch Horst Wittig in Beerfelde orientiert: "Mindestens 15 000 Gäste wollen wir erreichen." Der ehrenamtliche Ortsvorsteher hat in Beerfelde die beiden riesigen Strohpuppen an der Bundesstraße 168 hinter sich gelassen. Er zeigt auf eine kurz gemähte Rasenfläche: "Dort wird der Handwerkermarkt stattfinden. Die Tempelberger bauen eine Kartoffelmeile auf. Und die Behlendorfer kommen mit ihrem Dreschkasten." Horst Wittig kann praktisch sämtliche 127 Aussteller aus dem Gedächtnis aufsagen. Und über alle aus der näheren Umgebung wie die Tempelberger und Behlendorfer weiß er so ziemlich jedes Detail. Die Unterstützung aus der Region ist immens wichtig. Beerfelde ist zwar der zweitgrößte von insgesamt zwölf Ortsteilen in der weitläufigen wie dünn besiedelten Gemeinde Steinhöfel. Aber ohne die finanzielle und materielle Beteiligung aller Orte wäre das Großereignis nicht zu stemmen.

So werden nahezu alle landwirtschaftlichen Betriebe am nächsten Sonnabend in Beerfelde präsent sein. "Wir stehen hinter dem Landeserntefest und sind stolz, dass es bei uns stattfindet" sagt Steinhöfels Bürgermeisterin Renate Wels. Ein eigenes Budget von 95 000 Euro hat sich die Großgemeinde abgerungen, dafür verzichteten alle Ortsteile im laufenden Jahr ganz oder teilweise auf ihre Dorffest-Etats.

Vorausgegangen sei allerdings eine monatelange Überzeugungsarbeit und der ständige Versuch, mit wenig Geld viel zu stemmen, räumt Horst Wittig ein: "Zeitweise ist das schon ein Vollzeit-Job. Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht stundenlang damit beschäftige."

Schon mehr als anderthalb Jahre sind vergangen, seit er mit Mitstreitern die Bewerbung für das Landeserntefest geschrieben hat. Auf 38 Seiten wurde das Konzept festgehalten. Eine Feier für Landliebhaber, Tierfreunde, Technikfreaks und auch für Kinder sollte her. Was ist bei der Landtechnikschau zu sehen? Wer nimmt am Festumzug teil? Wo parken die Autos tausender Besucher? Alles musste bereits klar umrissen sein. Es folgte der Besuch einer Jury mit Landwirtschafts-Experten. Vor ziemlich genau einem Jahr erhielt Horst Wittig dann den entscheidenden Anruf. Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger informierte ihn über den Zuschlag. Gegen Trechwitz (Kreis Potsdam-Mittelmark) und Raddusch (Oberspreewald-Lausitz) hatten sich die Beerfelder durchgesetzt.

Eilig ließen die Beerfelder rote T-Shirts bedrucken. Schon eine Woche später gab ein Dutzend von ihnen beim Vorgänger-Landeserntefest in Paaren im Glien erstmals Auskunft über ihren Ort. Auf der "Grünen Woche" in Berlin bekamen sie im Januar dann offiziell den Staffelstab, einen großen Holzpfahl, überreicht. Dazu gab's den Hinweis für das zwischenzeitlich 30-köpfige Vorbereitungsteam, auf Regionalität zu setzen. "Wir machen unser Ding und brauchen uns bestimmt nicht zu verstecken", versichert Horst Wittig.

Er zeigt Bürgermeisterin Renate Wels auf der westlichen Seite des Dorfangers eine Stelle auf der Wiese. Dort, gleich neben dem Erntekronenzelt mit mindestens 20 kunstvoll geflochtenen Gebinden, soll der Ministerpräsident einen Apfelbaum pflanzen - und damit den Auftakt für eine ganze Allee setzen. Exakt 49 weitere Bäume folgen im November. Nach einer Idee des Landfrauenvereins könnten so Sorten wie "Gravensteiner", "Lothringer Rambur" oder auch "Rotgestreifte gelbe Schafsnase" erhalten werden. "Damit möchten wir an die lange Tradition von Obstpflanzungen in der Region anknüpfen", so Ellen Rußig, Chefin des Landfrauenvereins Oder-Spree. Tatsächlich steht ganz in der Nähe zwischen den Ortsteilen Tempelberg und Gölsdorf die mit mehr als 200 Jahren älteste Obstbaumallee Brandenburgs.

Die Besucher des Erntefests dürften sich am Stand der Landfrauen allerdings eher für Apfelsaft, Apfelbier und Apfel-Bratwurst interessieren. Oder aber sie schauen zur Hauptbühne gegenüber. "Die steht auf einem verkauften Privatgrundstück", sagt Renate Wels, "aber die Besitzer haben extra bis zum Erntefest gewartet, bevor sie mit dem Bau ihres neuen Hauses beginnen."

Beerfeldes Ortsvorsteher zieht weiter zum Freizeitzentrum am vierten und größten Teich, dem Barschpfuhl. Gleich neben der Kindermeile werden hier die einheimischen Landwirte eine Landtechnik-Schau veranstalten. "Dazu machen wir auch ein Schaupflügen. Das ist doch, was die Leute bei einem Erntefest sehen wollen", sagt Horst Wittig. Ein kleiner Schlag Getreide wartet auf die teils historischen Maschinen vom Pferdegespann bis zum Lanz Bulldog-Traktor auf den angrenzenden Feldern. Die gehören zum Agrarbetrieb der Beerfelder Brüder Jörg und Lutz Puhlmann. Sie bewirtschaften mit sechs Mitarbeitern knapp 600 Hektar. Dazu kommen fast 250 Milchkühe. Und auch wenn die Abnahme-Preise für Milch seit Monaten katastrophal niedrig sind, die Getreide-Ernte eher dürftig ausfiel und hier die Erzeuger-Preise um rund 15 Prozent nachgegeben haben: die Vorfreude aufs Erntefest ist bei den Brüdern trotzdem da. Sie nehmen an der Landtechnik-Schau teil und wollen auch ihren Hof öffnen. "Ist doch eine tolle Gelegenheit, sich mal einem größeren Publikum zu präsentieren", sagt Lutz Puhlmann.

Die Puhlmanns hat Horst Wittig überzeugen können. Mit mehr als 70 Menschen hat er allein für den Festumzug gesprochen, mindestens 40 verschiedene Bilder sollen am Sonnabendvormittag durch das Dorf unterwegs sein. Die polnische Partnergemeinde aus Czermin kommt mit einem Folklore-Ensemble, der Festgottesdienst unter freiem Himmel ist terminiert, der 50 Meter hohe Kran mit Aussichtsgondel ist gebucht und die Zeiten für den Bus-Shuttle zum Bahnhof Fürstenwalde sind eingetaktet. Die Wahl der Erntekönigin ist im Programm genauso verankert wie der Auftritt von Helene-Fischer-Double Undine Lux. Jetzt müssen noch die Stände, Zelte und Bühnen planmäßig aufgestellt werden. "Wir haben gar keine Zeit, nervös zu werden", sagt Bürgermeisterin Wels, "wir stehen viel zu sehr unter Strom."

Wie sieht es in dem Chef-Organisator selbst aus? "Das Landesernte-Fest ist das alles wert", sagt Horst Wittig und hält kurz inne, "aber nochmal würde ich es nicht machen." Jetzt hofft der Ortsvorsteher vor allem auf eines: Trockenes, möglichst mildes Wetter für den nächsten Sonnabend. Erfüllt sich dieser Wunsch, dann dürfte die Frage, wo Beerfelde liegt, bald deutlich seltener gestellt werden.

Landeserntefest am 10. September in Beerfelde von 9:30 bis in die Nacht, www.erntefest2016.de

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